Währungskrisen in Schwellenländern

»Sie haben ihren Dollar, wir haben unseren Gott.« Was der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan zur Bekämpfung des Absturzes der türkischen Lira anzubieten hat, wird den Vermögensverwaltern kaum mehr als ein müdes Lächeln abringen. Nicht viel besser sieht es bei einem Präsidenten aus, dessen Land Argentinien ebenfalls mit einem drastischen Wertverlust seiner Währung konfrontiert ist. Mauricio Marcri schwor seine Mitbürger_innen mit den Worten »Dies muss die letzte Krise sein« auf einen neuen Sparkurs ein. Weiterlesen

Finanzkapitalistische Spielanordnung

Der Wiener Ökonom Stephan Schulmeister rechnet in seinem neuen Buch mit dem neoliberalen Mainstream ab

Ökonomen seien überdurchschnittlich egoistisch. Das schreibt Stephan Schulmeister mit Verweis auf Studien, die Haltungen und Verhalten von Ökonomen mit jenen anderer Gruppen verglichen haben. Der pensionierte langjährige Mitarbeiter des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung meint hiermit freilich nicht sich oder andere kritische Ökonomen, sondern neoliberale Wirtschaftswissenschaftler. Für diese sei der Markt zu einem Subjekt geworden, dem sich der Mensch zu unterwerfen habe. Anteilnahme für das Schicksal der Menschen bringe die Mainstream-Ökonomie nicht auf. Weiterlesen

Das Bürgertum verroht

Schon vor Chemnitz gab es die Debatte, ob wie uns in Deutschland in einer «präfaschistischen Phase» befinden

Was wir hier sehen, ist das Gesicht des Faschismus und durch Nichts zu rechtfertigen«, twitterte der sächsische Grüne Jürgen Kasek am Montag anlässlich der Hetzjagden auf Migranten, Journalisten und Antifaschisten in Chemnitz. Und er ergänzte: »Angesichts der vielen Neonazis und Hitlergrüße soll bitte heute keiner davon sprechen, dass es hier besorgte Bürger wären. Es sind Nazis.« Weiterlesen

Aufstieg der Schattenbanken

Das Phänomen ist schon älter, das Wort dafür existiert aber noch nicht lange. Erst 2007 prägte der Ökonom und Investmentmanager Paul McCulley den Begriff Schattenbanken. Einer breiteren Öffentlichkeit ist er indes kaum bekannt. Dabei sieht nicht nur die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, im Schattenbankensystem eine potenzielle Ursache für eine nächste Finanzkrise. Weiterlesen

Abtrünnige Chefdeuter

Wie die Totalitarismustheorie die 68er mit dem Kapitalismus versöhnte

Links gestartet, weit rechts gelandet: Über die 68er-Revolte reden, heißt auch, über die 68er-Renegaten zu sprechen. Also über jene revolutionären Wortführer von einst, die sich nach der gescheiterten Revolution – aus welchen Gründen auch immer – von den mehr oder minder marxistischen Zielen verabschiedeten und liberal, konservativ oder gar extrem rechts wurden. Über einzelne, die von Links- nach Rechtsaußen wanderten, ist schon häufig geschrieben worden. Das gilt etwa für Horst Mahler. Weiterlesen

Pornostars, Punks & Postboten

Virginie Despentes: »Das Leben des Vernon Subutex 2«

Die eine kann damit leben, der andere verfault innerlich am Groll über seine Mittelmäßigkeit: Auch im zweiten Teil von Virginie Despentes’ viel gelobter Trilogie »Das Leben des Vernon Subutex« leiden die Protagonisten am verpfuschten Leben. Aber im Gegensatz zum ersten Teil gönnt ihnen die ehemalige Punkerin und Pornofilmkritikerin, die heutige Feministin sowie Schriftstellerin hier eine Auszeit. Weiterlesen

Auch Zahlen sind politisch

Oliver Schlaudt kritisiert die scheinbare Objektivität von Statistiken

»Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.« Dieser Satz ist längst zum geflügelten Wort geworden. Doch um Statistiken oder Zahlen, die durch Fälschung entstehen und mit denen Akteure einen politischen Zweck verfolgen, geht es in dem neuen Buch von Oliver Schlaudt nur am Rande. Den über ökonomische Fragen schreibenden Philosophen interessieren jene Zahlen, bei denen alles mit rechten Dingen zugeht. Denn: Auch dann sind Zahlen politische Zahlen, so Schlaudts Hauptthese. Weiterlesen

Demokratie im Rückwärtsgang

Johannes Agnolis »Transformation der Demokratie« gilt als APO-Bibel – und ist noch heute lesenswert

»Was macht der Agnoli da, der unterhält sich mit diesen Leuten über Fußball, statt über die Revolution.« In einem Interview aus dem Jahr 1990 gibt der Politikwissenschaftler Johannes Agnoli diese Anekdote zum Besten, die sich im Republikanischen Club, einem Verein der Außerparlamentarischen Opposition (APO), auf dem Höhepunkt der Revolte von 1968 in Berlin zutrug. Die Gründer des Clubs, unter ihnen Hans Magnus Enzensberger, verstanden sich als Intellektuelle. Ein Fußballspiel anzuschauen, das »war da praktisch verboten«, so der Fußballfan Agnoli im Rückblick. Weiterlesen

Vollgeld – was ist das denn?

»Eigentlich ist es gut, dass die Menschen der Nation unser Banken- und Geldsystem nicht verstehen. Würden sie es nämlich, so hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh«, sagte einst der Industrielle Henry Ford. Rund 70 Jahre nach seinem Tod hat sich am ersten Teil seiner Aussage wenig geändert. Umfragen zufolge glaubt eine große Mehrheit der Bevölkerung, dass nur Staaten oder Zentralbanken Geld schöpfen können. Nur wenige wussten, dass private Banken ebenfalls Geld erzeugen. Die meisten Menschen – und alle Lehrbücher der Mainstream-Ökonomie unterstützen sie darin – wähnen sich daher in einem Geldsystem, das mit der Realität wenig zu tun hat. Weiterlesen

Wo Trump Recht hat: Freihandel als Ideologie

Auge um Auge, Zahn um Zahn: Nach diesem alttestamentarischen Grundsatz geht es derzeit im Handelskonflikt zwischen den USA und China zu. Als US-Präsident Donald Trump Anfang April 25prozentige Strafzölle auf chinesische Hightechgüter in Höhe von 50 Mrd. US-Dollar ankündigte, kam aus Peking umgehend die Retourkutsche. Auf Waren aus den USA, vornehmlich Agrarprodukte, würden dann ebenfalls Abgaben in dieser Höhe fällig werden. Daraufhin beklagte sich Trump über „unfaire Vergeltungsmaßnahmen Chinas“ und wies seinen US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer an, neue Sonderabgaben auf Einfuhren aus der Volksrepublik im Wert von gar 100 Mrd. Dollar zu prüfen. Weiterlesen