Auf den Zusammenhang kommt es an

Protektionismus und Freihandel können nicht isoliert bewertet werden. Eine Antwort auf Steffen Stierle und Wiljo Heinen (»nd« vom 9. und 21.3.)

Ein blindes Huhn findet auch einmal ein Korn, heißt es. Ist das Korn des US-Präsidenten eine neue Zollschranke? Einige Linke können den Handelsbeschränkungen von Donald Trump durchaus etwas Positives abgewinnen. So meint Steffen Stierle, darin ein Ende des neoliberalen Globalisierungsmodells an seine Grenzen stoßen zu sehen. Die einzig tragfähige wirtschaftspolitische Konsequenz sei eine Rückbesinnung auf den Binnenmarkt. Weiterlesen

Aus vier macht zwölf!

Schon vor dem jüngsten Facebook-Skandal wurde über die Zerschlagung der großen Tech-Konzerne debattiert

Im November 2016 sagte Facebook-Chef Mark Zuckerberg: »Ich persönlich glaube, die Überzeugung, dass Fake-Nachrichten auf Facebook die Wahl in irgendeiner Art und Weise beeinflusst haben könnten, ist verrückt.« Schon damals, als heftig über die vermeintliche Manipulation der US-amerikanischen Präsidentschaftswahl durch russische Hacker mithilfe des sozialen Mediums debattiert wurde, mutete diese Äußerung seltsam an. Weiterlesen

Droht ein Handelskrieg?

Selten klaffen Rhetorik und Realität so auseinander wie beim Thema Freihandel und Protektionismus. Eindrücklich zu sehen war das jüngst an den Reaktionen auf die Einführung von US-Zöllen auf Aluminium und Stahl. Gerade die deutschen Medien ereiferten sich über den bösen nationalistischen Protektionisten Trump, der dem freien Handel den Todesstoß versetzt habe. Weiterlesen

Aus dem Lot geraten

Peter Stamm erzählt eine doppelte Doppelgängergeschichte

Stellen Sie sich vor, Sie würden an einem Ort, an dem Sie vor Jahrzehnten gelebt haben, eine Person treffen, die haargenau Ihrem früheren Ich gleicht. Das würde Sie vermutlich nicht nur irritieren, es könnte auch Ihr seelisches Gleichgewicht ins Wanken bringen. Vor allem, wenn Sie Ihrem früheren Ich immer wieder an den Ihnen bekannten Orten begegnen. Weiterlesen

Ich ist der Mittelteil von Nichts

Im sechsten Band seines Romanzyklus’ »Ortsumgehung« führt Andreas Maier sein Alter Ego an die Universität

Pusteln am ganzen Körper und aufgedunsene Gliedmaßen lassen den Protagonisten in Andreas Maiers neuestem Roman aussehen wie ein Michelinmännchen. Zudem plagen ihn Magenkrämpfe, jedes Mal, wenn er von der Frankfurter Uni zurück ins heimische Friedberg pendelt. Eine typische allergische Reaktion sei das, sagt ihm eine Ärztin. Auf die Frage, worauf er denn allergisch reagiere, bekommt jener Andreas zu hören: auf sich selbst. Er solle weniger nachdenken und nicht dauernd alles problematisieren. Weiterlesen

Freie Fahrt für alle?

Die Diskussion zum kostenlosem Nahverkehr bietet Chancen, die Kritik der Autogesellschaft zu radikalisieren

Mit dieser regen Debatte wird die kommissarische Bundesregierung nicht gerechnet haben. Ihre Überlegungen zum kostenfreien Nahverkehr haben eine Diskussion über Alternativen zur individuellen Mobilität angestoßen. Dabei ist das in einem Brief an die EU-Kommission angestellte Gedankenspiel bescheiden und vage. Zeitweilig und nur in fünf Modellstädten könnte der ÖPNV bald kostenfrei sein. Weiterlesen

Wie mächtig ist die Autoindustrie?

Ihre Macht scheint unerschütterlich. Diesel-Skandal, die Bildung eines Kartells oder jüngst die bekannt gewordenen Abgasversuche an Affen und Menschen – von der Bundesregierung hat die deutsche Autoindustrie nicht mit ernsthaften politischen Konsequenzen zu rechnen. Zynisch könnte man sagen: Was ist an den Versuchen mit Stickoxiden an der Uni Aachen auch so schlimm? Immerhin wurden die Probanden bezahlt. Die Fußgänger_innen und Radfahrer_innen in Stuttgart, München und Köln bekommen kein Geld für den Realversuch, für die sie Daimler, VW und BMW tagtäglich und seit Jahrzehnten missbrauchen.

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Marxisten wollen uns nicht die Zahnbürsten wegnehmen

Ein strukturell pervertiertes System aus kommerziellen Beziehungen und Besitz sei der Kapitalismus, schreibt Papst Franziskus in seiner Enzyklika »Laudato si«. Was als radikale Kapitalismuskritik erscheint, zielt beim Oberhaupt der katholischen Kirche einzig auf die ungerechte Verteilung in der globalisierten neoliberalen Ökonomie. Auch die Kritik des viel beachteten Buches »Das Kapital im 21. Jahrhundert« von Thomas Piketty hebt auf die Verteilungsfrage ab. Nicht gestellt wird die Frage, ob in einer von Privateigentum dominierten Eigentumsform Ungleichheit überhaupt vermeidbar ist. Weiterlesen

Dinge mit anderen Augen sehen

Karl Ove Knausgård schreibt Briefe an seine ungeborene Tochter

Sein sechsbändiges autobiografisches Romanwerk »Min Kamp« brachte ihm weltweiten Erfolg. Doch was folgt nach diesem gefeierten Magnum Opus? Der norwegische Autor Karl Ove Knausgård hatte eine so schöne wie überzeugende Idee: Er schreibt Briefe an sein viertes, zunächst noch ungeborenes Kind. In diesen will er der Tochter die Welt zeigen, »wie sie ist und wie sie uns umgibt, die ganze Zeit«. Weiterlesen

Fallmanager für alle

Die EU will sozialer werden – und setzt doch nur ihren neoliberalen Kurs fort

Säulen können tragende Elemente sein – oder nur der Dekoration dienen. Die Mitte November verabschiedete »Europäische Säule der sozialen Rechte« kommt auf den ersten Blick als tragendes Element daher und entpuppt sich auf den zweiten nicht einmal als dekoratives Element. Weiterlesen