Im Unbewussten gibt es keine Eigentumsschranken

Der Sozialpsychologe Gerhard Vinnai im Interview über Notwendigkeit und Schwierigkeit der Kritik des Privateigentums

Gerhard Vinnai war bis 2005 Professor für analytische Sozialpsychologie an der Universität Bremen. Sein besonderes Interesse gilt der Verbindung von Psychologie und kritischer Gesellschaftstheorie. In den 1970er Jahren wurde er mit Büchern zur neomarxistischen Sportsoziologie bekannt. Sein neuestes Buch heißt »Die Tücken des Privateigentums. Der Einfluss auf die Psyche und notwendige Alternativen« (VSA-Verlag). Weiterlesen

Fertig werden mit der ökonomischen Scheiße

Der erste Blick fällt auf eine ungeheure Menge von weißen Konservendosen, fein säuberlich aufgereiht in Regalen, wie man sie aus Supermärkten kennt. Natürlich, diese Installation soll an den ersten Satz eines weltweit bekannten Buches erinnern: »Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine ungeheure Warensammlung, die einzelne Ware als seine Elementarform«, heißt es in »Das Kapital« von Karl Marx. Weiterlesen

Fuck-You-Money

Die Serie »Billions« gibt Einblicke in das exklusive Milieu der Finanzbranche

Die Dramaserie »Billions« beginnt mit einem Paukenschlag, mit einer SM-Szene. Ein Mann liegt gefesselt am Boden und lässt sich von einer Domina eine Zigarette auf der Brust ausdrücken – und dann von ihr anpinkeln. Erst später in der ersten Folge erfahren wir, um welche Personen es sich gehandelt hat: um den New Yorker Staatsanwalt Chuck Rhoades und seine Frau Wendy. Doch »Billions«, deren letzte Folge der ersten Staffel vergangene Woche ausgestrahlt wurde, ist keine SM-Serie, sondern eine über das, was Franz Müntefering einst Heuschrecken genannt hat: das Hedgefonds- und Private-Equity-Milieu, konkret der Mikrokosmos der New Yorker Finanzwelt. Weiterlesen

Mehr Spaß am Untergang

Die Hamburger Ausstellung »Geniale Dilletanten« historisiert die Subkultur der 1980er Jahre

Als Anfang der 1980er Jahre vornehmlich in der alten Bundesrepublik eine subkulturelle Kulturszene eine Explosion der Kreativität verursachte, hätten sich ihre Protagonisten wohl nicht träumen lassen, wenige Jahrzehnte später in der hochkulturellen Institution schlechthin – dem Museum – historisiert zu werden. Doch so ist es gekommen. Weiterlesen

Wir haben nicht vor, etwas Konstruktives zu tun

Deutsches Theater Berlin: »Väter und Söhne« von Brian Friel nach dem Roman von Iwan Turgenjew

Der russisch-britische Philosoph Isaiah Berlin schrieb über den 1861 erschienenen Roman »Väter und Söhne« von Iwan Turgenjew: Das Buch sei ein entscheidendes Dokument für das Verständnis der russischen Vergangenheit und unserer Gegenwart. Um 1861 wurde in Russland die Leibeigenschaft aufgehoben und wurden Reformen angestoßen. Weiterlesen

Auf der Suche nach Zukunft und Sinn

Er sorgte für den Hype des Literaturjahres. Doch ist der Erfolg von Karl Ove Knausgård Ausdruck einer neuen Spießigkeit?

Man kann alles erzählen, nur nicht sein wirkliches Leben«, schrieb Max Frisch. Karl Ove Knausgård kann nichts erzählen, nur sein wirkliches Leben – könnte man meinen. Der norwegischer Erfolgsautor – Übersetzungen in 30 Sprachen, hervorragende Verkaufszahlen – hat aus seiner Unfähigkeit, ein richtiger Schriftsteller zu werden, eine Tugend gemacht. Weiterlesen

Warum geht es mir so dreckig?

Entfremdungskritik wird wieder geübt. Doch sie müsste neue Impulse aufnehmen.

In seinem jüngsten Buch fordert der wohl einflussreichste lebende Marxist, David Harvey, seine Leser auf, sich eine Welt vorzustellen, in der der Tauschwert, das Streben nach Geldmacht und entfremdete Verhaltensweisen wie kompensatorischer Konsum eingeschränkt wären. Weiterlesen

Fetisch Vinyl

Ein Buch über Hamburger Schallplattenläden

Bei der Lektüre dieses außergewöhnlichen, mit vielen schönen Fotos ausgestatteten Buches wird man etwas wehmütig. Die Welt des von Musik besessenen Schallplattenliebhabers ist bedroht. Durch das Internet, durch Spotify und Soundcloud ist Musik grenzenlos verfügbar geworden. Wer will noch 20 Euro für eine LP ausgeben, wenn alles für lau oder per Flatrate verfügbar ist? Weiterlesen

Mit Geschmäckle

Über das neu Kulturgutschutzgesetz

Sie sparten nicht mit scharfen Worten: Von »kalter Enteignung«, »einer Guillotine des deutschen Kunsthandels« war vonseiten der Kunsthändler, Galeristen und Sammler die Rede, als Mitte Juli ein unautorisierter erster Entwurf zur Novellierung des seit 1955 geltenden Kulturgutschutzgesetzes bekannt wurde. Weiterlesen

Eingeborene des Marktes

Der Journalist Hanno Rauterberg beleuchtet in seinem neuen Buch die Rolle des Künstlers im Neoliberalismus

Immer Geld strömt auf den Kunstmarkt. Das hat Folgen für die Künstler. Sie begeben sich in neue Abhängigkeiten, designen Unterhemden für Schiesser. Hanno Rauterberg untersucht diese Wandlungen in seinem neuen Buch. Weiterlesen