Hinsehen und hinhören!

Frauenhass und Homophobie sind im Pop bereits seit Jahren sichtbar: Jens Balzers neues Buch »Pop und Populismus«

Mit den Wahlerfolgen der AfD hat sich der Umgangston in der deutschen Politik weiter verschärft. Bösartige, hasserfüllte Rhetorik hat mit dem Siegeszug der Rechtspopulisten Eingang in die politische Debattenkultur gefunden. Findet diese Unkultur ihre Entsprechung auch in der aktuellen Popmusik? Dieser Frage geht der Berliner Popkritiker Jens Balzer in seinem neuen Buch »Pop und Populismus« nach. Wenig überraschend bejaht er diese Frage. Am Mittwochabend stellte er sein Buch in den Räumen der Hamburger Körber-Stiftung vor. Weiterlesen

Ich, ich, ich

Lauren Greenfield fotografiert Reiche und Promis. Die Hamburger Deichtorhallen zeigen ihr Werk

Freudlos und leer: So wirken viele Gesichter der Superreichen auf den Fotografien der US-amerikanischen Fotografin Lauren Greenfield, die zurzeit in der Hamburger Ausstellung «Generation Wealth» zu sehen sind. Reich zu sein, macht eben doch nicht glücklich. Und reich zu sein in Beverly Hills oder Hollywood bedeutet, einem extremen Wettbewerb ausgesetzt zu sein. Wer hat die meisten Kontakte zu den wichtigsten Schauspielern, Produzenten und Regisseuren? Wer hat die schönsten Frauen, das meiste Geld, die tollste und größte Villa? Weiterlesen

»Heute dient Musik der Berieselung«

Buchautor Lukas Linek über gewandelte Hörgewohnheiten im Zeitalter des Streamings

Napster, iTunes und Spotify haben den Musikkonsum radikal gewandelt. Durch Downloads, Streaming und Smartphones ist fast jeder aufgenommene Song jederzeit und überall verfügbar. Das hat Auswirkungen nicht nur auf Hörer*innen und Musiker*innen, sondern auch auf die Musikindustrie und Tonqualität der Musik. Parallel dazu erfährt die totgeglaubte Schallplatte eine Renaissance. Lukas Linek hat sich in seinem Buch »Zwischen Schallplatten und Streamingdiensten. Wie Digital Natives Musik rezipieren« (Buechner-Verlag, 142 Seiten, 18 EUR) unter anderem mit diesen Fragen beschäftigt. Linek studierte Publizistik- und Kommunikationswissenschaft mit Fokus auf Musikwirtschaft und neue Medien an der Universität Wien. Als audiophiler Liebhaber von hochwertigen Aufnahmen arbeitet er in der Welt der Hi-Fi. Weiterlesen

Die tägliche Qual der Enge

In Hamburg wird die erste große Retrospektive des Fotografen Michael Wolf gezeigt

Die Enge der globalen Megastädte – besser als im Werk des deutsch-amerikanischen Fotografen Michael Wolf kann sie nicht veranschaulicht werden. Am eindrücklichsten geschieht das in seiner Serie »Tokyo Compression«. Die Fotografien zeigen an die Scheiben von U-Bahnen gepresste Gesichter von Pendlern in Tokio. In der Rushhour ist es in den Wagen so eng, dass Kondenswasser die Scheiben hinabläuft. Der Gesichtsausdruck der eingezwängten Menschen ist resigniert, erschöpft, manche haben die Augen geschlossen, als ob sich so die tägliche Höllenfahrt leichter ertragen ließe. Weiterlesen

Mein Freund Paro

Das Hamburger Museum der Arbeit stellt vor, wie Digitalisierung, Roboter und künstliche Intelligenz unsere Arbeit erledigen. Die Zukunft wird auch lustig.

Machen Sie den Test! Können Sie Bilder oder Musikstücke, die von künstlicher Intelligenz (KI) erschaffen wurden, von menschlichen Kunstwerken unterscheiden? Ich mache den Test – und bestehe ihn nicht. Aber das kann auch daran liegen, dass mir die musikwissenschaftliche Expertise fehlt, um einen Bach- von einem KI-Choral zu unterscheiden. Oder daran, dass die zu hörenden Mainstream-Pop-Stücke nichts für meine Ohren sind. Weiterlesen

Einmal getragen und weg

»68. Pop und Protest« im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe

Die 68er-Bewegung als Geburtshelferin der Wegwerfgesellschaft und als Vorreiterin der neoliberalen Ideologie des Individualismus? Das zumindest ist eine Frage, die ein anderes Licht auf die Chiffre »68« zu werfen vermag. Denn das 50. Jubiläum hat im Unterschied zum 40. kaum kontroverse Debatten ausgelöst. Während vor zehn Jahren Götz Aly mit seinen Thesen zur Parallelität von NS- und 68er-Bewegung die Schlagzeilen beherrschte, stand im Jahr 2018 ein eher pflichtschuldiges Erinnern an die Ereignisse vor 50 Jahren im Vordergrund. Weiterlesen

Erledigen die Roboter bald unsere Arbeit?

Die Ausstellung »Out of Office« im Hamburger Museum der Arbeit

Noch mal Glück gehabt: Die Wahrscheinlichkeit, dass in Zukunft ein Roboter durch die hier zu besprechende Ausstellung stampft und eine Ausstellungsbesprechung schreibt, ist nicht hoch. Nur 20 Prozent der journalistischen Tätigkeiten können durch einen Roboter ersetzt werden. Bei anderen Berufen sieht es düsterer aus. Kassiererinnen können schon heute durch Computer wegrationalisiert werden, bei Bankangestellten ist es nur wenig besser. Weiterlesen

In der Hand von Investoren

Die Ausstellung »Schöner wohnen in Altona« wagt auch einen flüchtigen Blick auf Eigentumsverhältnisse

»Besser hätten wir nicht untergebracht werden können, mit eigenem Bad und Blick auf Kuhwiesen,« sagt ein Rentner, der seit Jahrzehnten in der Plattenbau-Großsiedlung Osdorfer Born im Hamburger Bezirk Altona lebt. Und seine Frau ergänzt: »Die Leute, die sagen, der Osdorfer Born sei hässlich, die kommen ja nicht von hier. Die wohnen ganz weit weg.« Weiterlesen

Im Unbewussten gibt es keine Eigentumsschranken

Der Sozialpsychologe Gerhard Vinnai im Interview über Notwendigkeit und Schwierigkeit der Kritik des Privateigentums

Gerhard Vinnai war bis 2005 Professor für analytische Sozialpsychologie an der Universität Bremen. Sein besonderes Interesse gilt der Verbindung von Psychologie und kritischer Gesellschaftstheorie. In den 1970er Jahren wurde er mit Büchern zur neomarxistischen Sportsoziologie bekannt. Sein neuestes Buch heißt »Die Tücken des Privateigentums. Der Einfluss auf die Psyche und notwendige Alternativen« (VSA-Verlag). Weiterlesen

Fertig werden mit der ökonomischen Scheiße

Der erste Blick fällt auf eine ungeheure Menge von weißen Konservendosen, fein säuberlich aufgereiht in Regalen, wie man sie aus Supermärkten kennt. Natürlich, diese Installation soll an den ersten Satz eines weltweit bekannten Buches erinnern: »Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine ungeheure Warensammlung, die einzelne Ware als seine Elementarform«, heißt es in »Das Kapital« von Karl Marx. Weiterlesen