Der Feind steht links

Wäre es nur wahr, was die FAZ in ihrer Montagsausgabe schreibt! Linksextreme Einstellungsmuster sind in Deutschland weit verbreitet. Vier Prozent der Befragten hätten ein nahezu geschlossenes linksextremes Weltbild, weitere 13 Prozent stimmten einzelnen Aspekten linksextremen Denkens überwiegend zu. »Das linksextreme Personenpotential liegt insofern bei 17 Prozent – im Westen bei 14 und im Osten bei 28 Prozent«, fassen Klaus Schroeder und Monika Deutz-Schroeder vom Forschungsverbund SED-Staat ihre Forschungen zusammen.

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Ein Volk verkappter Sozialisten?

Hinter Kapitalismus- und Globalisierungskritik verbirgt sich häufig rechtes Gedankengut.
Meinungsumfragen, wie zuletzt von Allensbach, zeigen: Die deutsche Bevölkerung hegt eine ausgeprägte Skepsis gegenüber Marktwirtschaft und Kapitalismus. Doch das ist kein Grund zur Freude.

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Vom Wertkonservatismus zum neoliberalen Konkurrenzdenken

„Es deutet sich daher an, dass konservativ motivierte Abwertungsmuster in der älteren Generation langsam von ökonomistisch motivierter Ungleichwertigkeit in der jüngeren Generation abgelöst werden.“ (Klein 2012: 41)

Wo sind eigentlich all die alten CDU/CSU-Haudegen à la Peter Gauweiler, Alfred Dregger, Manfred Kanther, Roland Koch und Jörg Schönbohm geblieben, die noch bis vor nicht allzu langer Zeit das Profil der konservativen Unionsparteien mitgeprägt hatten? Was kann noch als konservatives Profilierungsthema gelten, nachdem bereits die Wehrpflicht und die Befürwortung der Atomenergie den Umschwüngen der öffentlichen Meinung geopfert werden musste? (Gegenwärtig scheint es die so genannte Herdprämie zu sein – doch selbst die ist in der CDU heftig umstritten.) Weiterlesen

Explosiver Dauerzustand

Die zehnte Folge von »Deutsche Zustände«[1] ist vorerst die letzte. Das seit 2002 laufende Langzeitprojekt unter der Regie von Wilhelm Heitmeyer ist mit seinen 23.000 befragten Personen die bisher weltweit größte und am längsten laufende Untersuchung ihrer Art. Ob es eine Fortsetzung ohne den emeritierten Heitmeyer geben wird, ist derzeit noch unklar. Es wird auf die Mobilisierung von Drittmitteln ankommen. Weiterlesen

Konterkarierung des Tabus

Die Entdeckung der Terrorzelle »Nationalsozialistischer Untergrund« vor wenigen Wochen hat zu Recht für ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit gesorgt. Diese scheint indes so hoch gewesen zu sein, dass andere mit dem Thema zusammenhängende Ereignisse, kaum beachtet wurden. So verhallte die Veröffentlichung des vom Bundestag in Auftrag gegebenen Berichts »Antisemitismus in Deutschland – Erscheinungsformen, Bedingungen, Präventionsansätze« weitgehend ungehört, wie etwa Timo Reinfrank von der Amadeu-Antonio-Stiftung feststellt. Weiterlesen

„Irritierend hoch?!“

Bereits vor zwei Jahren – auf dem Höhepunkt der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise – brachte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung ihre klammheimliche Freude über die mangelnde Attraktivität der Linken zum Ausdruck: „Deshalb klingen die Appelle der IG Metall, in denen grenzenlose Profitgier gegeißelt wird, nicht mehr anders als die Beiträge eines Volksbankenfunktionärs, der bei Maybrit Illner dem Gewinnstreben abschwört. Die CSU kommt inzwischen mit ihren Anti-Manager-Tiraden daher wie Attac im Trachtenanzug und gewinnt damit Popularität.“ (FAS, 5.4.2009) Weiterlesen

Rohe Bürgerlichkeit

Deutsche Zustände, Folge 9, hrsg. von Wilhelm Heitmeyer, Suhrkamp, Berlin 2010, 348 S., 15,00 Euro

Der Veröffentlichung der jüngsten Studie der Friedrich Ebert-Stiftung »Die Mitte in der Krise. Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2010« folgten zwei weitere Untersuchungen mit ähnlichen Fragestellungen: Zum einen stellten Münsteraner Religionssoziologen ihre Resultate einer repräsentativen Untersuchung in fünf europäischen Ländern zu religiöser Vielfalt vor. Zum anderen wurde der neue Band des Langzeitprojekts zum so genannten Syndrom der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit (GMF) »Deutsche Zustände« publiziert. Ein gemeinsames zentrales Ergebnis aller drei Studien ist, dass die Islamfeindlichkeit in Deutschland signifikant zugenommen hat. Weiterlesen

Politische Deprivation und rechter Antikapitalismus

Als eine »ausgesprochene linke Kampfschrift gegen liberale und konservative Auffassungen und die hiesige Gesellschaftsordnung« bezeichnete der Politikwissenschaftler und Leiter des Forschungsverbundes SED-Staat, Klaus Schroeder, die Studie »Die Mitte in der Krise. Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2010« (Tagesspiegel, 21.10.2010). Andere Reaktionen auf die von der Friedrich Ebert-Stiftung herausgegebene Erhebung stellten die gestiegene Verbreitung von ausländerfeindlichen Einstellungen und die mehrheitsfähige Islamfeindlichkeit heraus (vgl. dazu auch den Kasten). Weiterlesen

Bohrende Fragen

Holger Knothe, Eine andere Welt ist möglich – ohne Antisemitismus?. Antisemitismus und Globalisierungskritik bei Attac, transcript-Verlag, Bielefeld 2009, 213 S., 24,80 Euro; Marcus Meier, »Gewerkschaftsmäßig könnten die sich ja vor allem für Deutsche einsetzen«. Rechte Orientierungen unter jungen Gewerkschaftsmitgliedern, Peter Lang-Verlag, Frankfurt/M. u.a. 2010, 212 S., 34,80 Euro.

 Antisemitismus bei Attac? Rechte Einstellungen bei jungen Gewerkschaftern? Man stutzt – handelt es sich doch bei beiden Organisationen um Akteure, die dem linken politischen Spektrum zugeordnet werden, während Antisemitismus und rechte Einstellungen per se mit linken Einstellungen und Programmatiken unvereinbar sind – sollte man zumindest annehmen. Die hier zu besprechenden Bücher zeigen, dass es nicht ganz so einfach ist.

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Kalter Kaffee?

Im Jahre 1994 waren einer Umfrage zufolge 44% der befragten Deutschen der Ansicht, dass die deutsche Geschichte ein Nationalgefühl und nationale Symbole weitgehend verbiete. Dieses Ergebnis erscheint spätestens seit der Fußball-WM von 2006 als unvorstellbar: Seit dem so genannten Partyotismus ist die schwarz-rot-goldene Flagge wieder allgegenwärtig. Das findet gegenwärtig seine Fortsetzung während der WM in Südafrika: Kaum noch ein Werbespot kommt ohne die Kombination von schwarz-rot-gold und Fußball aus; in den Städten ist die deutsche Fahne wieder unübersehbar präsent. Dabei fällt auf: Je hässlicher die Häuserfassaden, desto mehr Flaggen hängen aus den Fenstern. Weiterlesen