Genossin Hilla Palm

Mit »Wir werden erwartet« schließt Ulla Hahn ihren autobiografischen Romanzyklus ab

Uwe Timm, Peter Schütt, Franz-Josef Degenhardt und Erika Runge – sie alle waren Mitglieder in der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP). Manche bis zum Tod, andere bis 1989, einige nur wenige Jahre. Zu Letzteren gehört auch die in Hamburg lebende, als Lyrikerin bekannt gewordene Ulla Hahn. Ihr neuer Roman »Wir werden erwartet«, der vierte und abschließende eines erfolgreichen und zum Teil verfilmten autobiografischen Romanzyklus, handelt von ihren Jahren als Parteikommunistin. Weiterlesen

Milliarden Mini-Imperialisten

Das Konzept der »imperialen Lebensweise« will erklären, warum sich trotz zahlreicher Krisen nicht viel ändert

Alltag – das ist das, was wir täglich machen, ohne es zu hinterfragen. Viele fahren mit dem Auto zur Arbeit, telefonieren dabei mit dem neuesten Smartphone, fliegen mehrmals im Jahr mit dem Flugzeug in den Urlaub, essen in der Mittagspause einen Burger, kaufen bei Primark Kleidung oder im Bioladen Lebensmittel. Diese täglich milliardenfach vollzogenen Handlungen basieren aber auf stofflich-materiellen und sozialen Voraussetzungen, über die wir uns nur selten Gedanken machen. Weiterlesen

Glücklich ist, wer vergisst

Christoph Heins neuer Roman »Trutz« handelt vom Erinnern und Vergessen im Jahrhundert der Extreme

Glücklich sei nur, wer vergessen könne, heißt es in einem Operettenlied, dessen Partitur die junge Geta Gejm in einer Sammlung von Klavierauszügen findet. Dieses Lied studiert sie überglücklich ein, um es fortan ihren Eltern, ihrem Bruder Rem und seinem Freund Maykl Trutz vorzuspielen. Es ist ein Akt der Rebellion. Denn ihr Vater ist Waldemar Gejm, ein Mathematiker und Sprachwissenschaftler in der Sowjetunion, der sich der vergessenen Wissenschaft des Erinnerns verschrieben hat: der sogenannten Mnemonik. Weiterlesen

Humor aus dem Leitz-Ordner

Zu Besuch bei Gerhard Henschel, dem Autor der Martin-Schlosser-Romane

Nacht für Nacht im Keller eines Einfamilienhauses in einer niedersächsischen Kleinstadt südlich von Lüneburg: Der Schriftsteller Gerhard Henschel legt Leonard Cohen oder William Byrd auf, setzt sich an seinen Schreibtisch und fängt an zu schreiben. »Nach drei bis vier Stunden habe ich anderthalb Buchseiten fertig, nach anderthalb Jahren einen weiteren Roman«, erzählt Henschel. Seine Romanchronik sucht in der Literaturgeschichte ihresgleichen. Anhand des Lebens seines Protagonisten Martin Schlosser – Henschels Alter Ego – entfaltet der 1962 Geborene eine Chronik der Bundesrepublik Deutschland. Soeben ist der siebte Teil seines autobiografischen Mammutprojektes erschienen. Er trägt den Titel »Arbeiterroman« – und beginnt so: Weiterlesen

Die andere Bibel

Der Vorreiter der westdeutschen Umweltforschung wendet sich mit moralischen Forderungen an die Individuen

Die Widersprüche dessen, was man allgemein Fortschritt nennt – sie lassen sich so veranschaulichen: Im Ruhrgebiet sind 70 000 Hektar durch einsturzgefährdete Steinkohle-Untertagebaue so weit abgesunken, dass das Oberflächenwasser sie fluten würde – wenn das Wasser nicht ständig abgepumpt würde. Dafür ist eine enorme Menge an Energie notwendig. Weiterlesen

Sinn und Unsinn des linken Populismus

Nach dem Brexit-Votum freuten sich Wilders, Le Pen und Höcke. Wie aber ist darauf zu reagieren?

Ist die Linke in Deutschland zu wenig populistisch? Stünde sie mit Oskar Lafontaine an der Spitze der Linkspartei heute besser da? Wäre gar der Aufstieg der Alternative für Deutschland (AfD) zu verhindern gewesen? Es gibt linke Publizisten, die das bejahen, und Politiker, die ab und an einen populistischen Testballon steigen lassen. Weiterlesen

Karikatur des Kapitalmarktes

Neue Bücher zum Verhältnis von Kunst und Kapital

Im November 2015 wurde das Bild »Liegender Akt« des italienischen Malers Amedeo Modigliani für 170,4 Millionen US-Dollar im New Yorker Auktionshaus Christie’s versteigert. Eine stattliche Summe! Nur für Picassos »Die Frauen von Algier« wurde noch tiefer in die Schatulle gegriffen. Der neue Besitzer zahlte für dieses Werk 179,4 Millionen US-Dollar. Selbst Künstler, die von dem boomenden Kunstmarkt profitieren, äußern sich inzwischen skeptisch über die nach oben schießenden Preise. Weiterlesen

Wer ist hier der Barbar?

Alain Badious Streitschrift gegen den globalen Kapitalismus nach den Morden von Paris

Der bei jungen Hipstern beliebte kommunistische Modedenker Alain Badiou hat eine Streitschrift wider dem Kapitalismus veröffentlicht. Diese ist dann am stärksten, wenn sie die Doppelmoral des Westens offenlegt.

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Die kommende Ökonomie

Der Journalist und radikale Sozialdemokrat Paul Mason stellt sein Buch »Postkapitalismus« vor

Einen würdigen Nachfolger von Karl Marx nannte die britische Zeitung »The Guardian« Paul Mason in einer Rezension seines Buches »Postkapitalismus«. Seine Thesen stellt der Journalist auf einer Veranstaltung in Berlin zur Diskussion. Weiterlesen

Das Geldphantasma

Paul Schreyer: Wer regiert das Geld? Banken, Demokratie und Täuschung. Westend Verlag, Frankfurt/Main 2016, 224 S., € 17,99

Sind Sie der Meinung, dass Zentralbanken oder Regierungen Geld produzieren? Falls ja, so befinden Sie sich in guter Gesellschaft. 84 Prozent der Frankfurter und 73 Prozent der Schweizer sind Umfragen zufolge dieser Ansicht. Selbst 71 Prozent der britischen Parlamentsabgeordneten haben die Überzeugung, dass allein die Regierung Geld schöpft. Das Problem ist nur: Sie wähnen sich in einem Geldsystem, das ein Phantasma ist. Weiterlesen