Was bringen Ökosteuern?

Die sozialen Unruhen in Frankreich diskreditieren nicht das Instrument der CO2-Bepreisung, sondern eine Art der Umsetzung«, ist sich Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer der NGO Germanwatch sicher. Auch andere Klimaschützer_innen zeigen sich besorgt, dass der Protest der Gelbwesten, der sich bekanntlich an der Ökosteuer auf Benzin und Diesel entzündete, ein richtiges Instrument zur Förderung der Verkehrswende in Verruf bringe. Doch stimmt das? Weiterlesen

Eine andere ökonomische Lehre ist möglich

Helge Peukert hat Wirtschafts-Lehrbücher analysiert. Und fast nur Marktkonformismus gefunden

Paul Samuelson hat eines der erfolgreichsten Lehrbücher der Wirtschaftswissenschaften verfasst – von ihm ist folgender Satz überliefert: „Solange ich volkswirtschaftliche Lehrbücher schreiben kann, kümmere ich mich nicht sehr darum, wer die Gesetze eines Landes schreibt oder die Staatsverträge ausarbeitet.“ Aber was steht eigentlich in diesen Lehrbüchern angehender Ökonomen und Ökonominnen? Hat die Krise vor zehn Jahren etwas an den Inhalten geändert? Systematisch untersucht hat das der Wirtschaftswissenschaftler Helge Peukert, ein Vorkämpfer für die „Pluralisierung“ seiner Disziplin. Weiterlesen

Wer oder was ist Blackrock?

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschland-Tochter von Blackrock, Friedrich Merz, sagte, als er seine Kandidatur für den CDU-Vorsitz verkündete: Blackrock verwalte treuhänderisch Einlagen von Hunderttausenden privaten Kunden. Sein Parteikollege Christian Freiherr von Stetten machte daraus im Interview mit dem Deutschlandfunk: »Blackrock ist ein Vermögensverwalter, das heißt, Hunderttausende von Arbeitnehmern haben diesem Konzern ihr Vermögen gegeben, um anschließend, wenn sie in Rente gehen, auch ein gutes Auskommen zu haben.« Weiterlesen

Rendite vom Staat

Das Hamburger Lichthof Theater klärt unterhaltsam auf, wie Cum-Ex-Steuerdeals funktionieren

Theater darf das, eine Aussage nehmen, aufgreifen, weiterführen. Auf dass das Geschehen in anderem Licht erscheint – und dadurch verständlich wird. Mitte Oktober machten neue Enthüllungen zu den sogenannten Cum-Ex- und Cum-Cum-Steuerdeals Schlagzeilen. Cum was? Wer an eine bestimmte englische Bedeutung des Wortes denkt, liegt falsch. Aber obszön kann man es dennoch nennen. Weiterlesen

»Jedem seine eigene Scheiße«

Adam Toozes Buch »Crashed« wirft ein anderes Licht auf die Krisenfolgen von 2008

Als Angela Merkel Ende Oktober ihren Verzicht auf weitere Kandidaturen für den CDU-Vorsitz sowie das Kanzleramt bekannt gab, hoben linksliberale Kommentatoren ihre Verdienste um Europa hervor. Natürlich: Die Vergleichsfolien sind Orban, Kurz oder die rechtskonservative PiS-Regierung in Polen. Aber man sollte sich in Erinnerung rufen, dass Merkels Agieren infolge der Finanzkrise von 2008 und der sogenannten Eurokrise keineswegs eines Lobes würdig ist. Weiterlesen

Währungskrisen in Schwellenländern

»Sie haben ihren Dollar, wir haben unseren Gott.« Was der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan zur Bekämpfung des Absturzes der türkischen Lira anzubieten hat, wird den Vermögensverwaltern kaum mehr als ein müdes Lächeln abringen. Nicht viel besser sieht es bei einem Präsidenten aus, dessen Land Argentinien ebenfalls mit einem drastischen Wertverlust seiner Währung konfrontiert ist. Mauricio Marcri schwor seine Mitbürger_innen mit den Worten »Dies muss die letzte Krise sein« auf einen neuen Sparkurs ein. Weiterlesen

Finanzkapitalistische Spielanordnung

Der Wiener Ökonom Stephan Schulmeister rechnet in seinem neuen Buch mit dem neoliberalen Mainstream ab

Ökonomen seien überdurchschnittlich egoistisch. Das schreibt Stephan Schulmeister mit Verweis auf Studien, die Haltungen und Verhalten von Ökonomen mit jenen anderer Gruppen verglichen haben. Der pensionierte langjährige Mitarbeiter des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung meint hiermit freilich nicht sich oder andere kritische Ökonomen, sondern neoliberale Wirtschaftswissenschaftler. Für diese sei der Markt zu einem Subjekt geworden, dem sich der Mensch zu unterwerfen habe. Anteilnahme für das Schicksal der Menschen bringe die Mainstream-Ökonomie nicht auf. Weiterlesen

Aufstieg der Schattenbanken

Das Phänomen ist schon älter, das Wort dafür existiert aber noch nicht lange. Erst 2007 prägte der Ökonom und Investmentmanager Paul McCulley den Begriff Schattenbanken. Einer breiteren Öffentlichkeit ist er indes kaum bekannt. Dabei sieht nicht nur die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, im Schattenbankensystem eine potenzielle Ursache für eine nächste Finanzkrise. Weiterlesen

Auch Zahlen sind politisch

Oliver Schlaudt kritisiert die scheinbare Objektivität von Statistiken

»Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.« Dieser Satz ist längst zum geflügelten Wort geworden. Doch um Statistiken oder Zahlen, die durch Fälschung entstehen und mit denen Akteure einen politischen Zweck verfolgen, geht es in dem neuen Buch von Oliver Schlaudt nur am Rande. Den über ökonomische Fragen schreibenden Philosophen interessieren jene Zahlen, bei denen alles mit rechten Dingen zugeht. Denn: Auch dann sind Zahlen politische Zahlen, so Schlaudts Hauptthese. Weiterlesen

Vollgeld – was ist das denn?

»Eigentlich ist es gut, dass die Menschen der Nation unser Banken- und Geldsystem nicht verstehen. Würden sie es nämlich, so hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh«, sagte einst der Industrielle Henry Ford. Rund 70 Jahre nach seinem Tod hat sich am ersten Teil seiner Aussage wenig geändert. Umfragen zufolge glaubt eine große Mehrheit der Bevölkerung, dass nur Staaten oder Zentralbanken Geld schöpfen können. Nur wenige wussten, dass private Banken ebenfalls Geld erzeugen. Die meisten Menschen – und alle Lehrbücher der Mainstream-Ökonomie unterstützen sie darin – wähnen sich daher in einem Geldsystem, das mit der Realität wenig zu tun hat. Weiterlesen