Im Unbewussten gibt es keine Eigentumsschranken

Der Sozialpsychologe Gerhard Vinnai im Interview über Notwendigkeit und Schwierigkeit der Kritik des Privateigentums

Gerhard Vinnai war bis 2005 Professor für analytische Sozialpsychologie an der Universität Bremen. Sein besonderes Interesse gilt der Verbindung von Psychologie und kritischer Gesellschaftstheorie. In den 1970er Jahren wurde er mit Büchern zur neomarxistischen Sportsoziologie bekannt. Sein neuestes Buch heißt »Die Tücken des Privateigentums. Der Einfluss auf die Psyche und notwendige Alternativen« (VSA-Verlag). Weiterlesen

Der IWF als moralischer ideeller Gesamtkapitalist

Lange war er ein Feindbild der Linken: Mit seinen berühmt-berüchtigten Strukturanpassungsprogrammen zwang der Internationale Währungsfonds (IWF) Ökonomien neoliberale Reformen auf – ohne Rücksicht auf soziale Verluste. Doch seit geraumer Zeit bekommt dieses Bild Risse. Zunehmend sorgt sich die Institution mit Sitz in Washington um die Stabilität des globalen Kapitalismus. Und als Bedrohung für diese hat sie die wachsende soziale Ungleichheit ausgemacht. Weiterlesen

Mission gescheitert

Zehn Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise lassen EU-Politiker wichtige Reformen fallen

Die Lehren sind vergessen. So scheint es zumindest, wenn man sich drei europäische Vorhaben ansieht, mit denen eine Wiederholung des Finanzcrashs von 2008 verhindert werden sollte. Eine Finanztransaktionssteuer (FTS) sollte Tempo aus den Finanzmärkten nehmen, eine Trennung von Investment- und Kreditgeschäft sollte Banken anhalten, sorgsamer mit dem Geld ihrer Kunden umzugehen. Und Regeln für Verbriefungen sollten verhindern, dass diese Finanzinstrumente wie 2007 zum Ausgangspunkt einer tiefen Wirtschaftskrise werden. Weiterlesen

Die Paradise Paper werden wenig ändern

Erst der Offshore Leak, dann der Lux Leak, letztes Jahr die Panama-Papiere und jetzt die Paradise Papers: Immer neue Berichte belegen, dass Steuervermeidung und- hinterziehung mithilfe von Schattenfinanzplätzen, verharmlosend Steueroasen genannt, immense Ausmaße erreicht haben. Laut OECD entgehen den Staaten allein durch die Steuervermeidung von Unternehmen jedes Jahr weltweit 100 bis 240 Milliarden US-Dollar, für Deutschland wird der Betrag auf 17 Milliarden Euro jährlich geschätzt. Weiterlesen

Die Konzerne schwimmen in Geld

Für die magische 13.000-Zähler-Marke reichte es bis zum Redaktionsschluss noch nicht. Der Deutsche Aktienindex (Dax) hat im Oktober neue Rekorde aufgestellt. Kurzzeitig knackte er sogar die magische Höhe von 13.000 Punkten, auch wenn die 13.000-er Marke für den Dax eine »harte Nuss« bleibt, wie sich ein Börsenexperte es ausdrückte. Das Allzeithoch des Börsenindex, in dem die 30 größten und umsatzstärksten deutschen Unternehmen erfasst sind, spiegelt wider, was für den Preis einer Aktie allgemein gilt: Weiterlesen

Fertig werden mit der ökonomischen Scheiße

Der erste Blick fällt auf eine ungeheure Menge von weißen Konservendosen, fein säuberlich aufgereiht in Regalen, wie man sie aus Supermärkten kennt. Natürlich, diese Installation soll an den ersten Satz eines weltweit bekannten Buches erinnern: »Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine ungeheure Warensammlung, die einzelne Ware als seine Elementarform«, heißt es in »Das Kapital« von Karl Marx. Weiterlesen

Milliarden Mini-Imperialisten

Das Konzept der »imperialen Lebensweise« will erklären, warum sich trotz zahlreicher Krisen nicht viel ändert

Alltag – das ist das, was wir täglich machen, ohne es zu hinterfragen. Viele fahren mit dem Auto zur Arbeit, telefonieren dabei mit dem neuesten Smartphone, fliegen mehrmals im Jahr mit dem Flugzeug in den Urlaub, essen in der Mittagspause einen Burger, kaufen bei Primark Kleidung oder im Bioladen Lebensmittel. Diese täglich milliardenfach vollzogenen Handlungen basieren aber auf stofflich-materiellen und sozialen Voraussetzungen, über die wir uns nur selten Gedanken machen. Weiterlesen

Konsumenten zweiter Klasse

Über Vorwürfen der Visegrad-Staaten an Lebensmittelkonzerne, im Osten Europas schlechtere Nahrungsmittel zu vertreiben

Zuzutrauen wäre es beiden: Große Lebensmittelkonzerne stellen im Kapitalismus Nutella, Knorr-Tütensuppen oder Coca-Cola nicht in erster Linie her, um Bedürfnisse der Konsumenten zu befriedigen. Das ist Mittel zum Zweck der Profiterzielung. Insofern ist denkbar, dass Unilever, Ferrero oder der Getränkekonzern ihre Produkte in osteuropäischen Ländern mit weniger Kakao, einem geringeren Fleischanteil oder anderem Zucker vertreiben. Das kann Kosteneinsparungen in Millionenhöhe bringen. Weiterlesen

Wenn die Elite den Markt anprangert

Über Kapitalismuskritik auf dem Weltwirtschaftsforum und was das für die Linke bedeutet

Verkehrte Welt: Hedgefonds-Manager, Vermögensverwalter, Banker und Konzernbosse kritisieren das Kurzfristdenken in der Ökonomie und fordern eine bessere Verteilung von Wachstumsgewinnen sowie eine Reform des »Markt-Kapitalismus«. Das kapitalistische Wirtschaftsmodell funktioniere nicht mehr für die Menschen, meint Klaus Schwab, Gründer und Leiter des Weltwirtschaftsforums in Davos. Schuld daran seien »die allgegenwärtige Korruption, kurzfristiges Denken und die ungleiche Verteilung der Wachstumserträge«. Weiterlesen