Kontinuum und Exzess

„Wir machen genau das, was ihr Alten am Stammtisch und am Familientisch sagt, aber nicht zu tun wagt.“ Dieses Zitat eines jungen Rechtsextremen (vgl. Alheim/Heger: 52) verweist darauf, dass das gesellschaftlich weitverbreitete fremdenfeindliche Vorurteil der Gewalttat vorausgeht. Doch in der Öffentlichkeit wie in der Politik herrscht zwar stets nach einem besonders schlimmen Pogrom große einhellige Empörung, die allerdings nach wenigen Tagen wieder verschwindet. Die alltägliche Diskriminierungspraxis hingegen, die den Boden für die Gewaltexzesse bereitet, wird weitgehend ignoriert. Weiterlesen

Regierungsoffizielle Lügen

„Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, heute Abend hat die NATO mit Luftschlägen gegen militärische Ziele in Jugoslawien begonnen. Damit will das Bündnis weitere schwere und systematische Verletzungen der Menschenrechte unterbinden und eine humanitäre Katastrophe im Kosovo verhindern. Der jugoslawische Präsident Milosevic führt dort einen erbarmungslosen Krieg. Wir führen keinen Krieg. Aber wir sind aufgerufen, eine friedliche Lösung im Kosovo auch mit militärischen Mitteln durchzusetzen.“ Weiterlesen

Rassismus-Konjunkturen

»British jobs for british workers« – dieser Slogan von streikenden britischen Arbeitern könnte in der Rückschau möglicherweise das erste Signal dessen sein, was zum Beispiel die renommierte Zeitschrift Foreign Policy als mögliche politische Konsequenz – neben Demonstrationen, Streiks, Unruhen, Plünderungen und Regierungswechsel – infolge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise prophezeit: rassistische Ausschreitungen gegen Migrantinnen und Migranten. Denn die historische Erfahrung zeigt: In wirtschaftlichen Krisensituationen mit zunehmender Arbeitslosigkeit nehmen Sündenbock-Mentalität, Fremdenfeindlichkeit, Nationalismus und Rassismus zu (Stöss 2007: 45). Weiterlesen