Vom Wertkonservatismus zum neoliberalen Konkurrenzdenken

„Es deutet sich daher an, dass konservativ motivierte Abwertungsmuster in der älteren Generation langsam von ökonomistisch motivierter Ungleichwertigkeit in der jüngeren Generation abgelöst werden.“ (Klein 2012: 41)

Wo sind eigentlich all die alten CDU/CSU-Haudegen à la Peter Gauweiler, Alfred Dregger, Manfred Kanther, Roland Koch und Jörg Schönbohm geblieben, die noch bis vor nicht allzu langer Zeit das Profil der konservativen Unionsparteien mitgeprägt hatten? Was kann noch als konservatives Profilierungsthema gelten, nachdem bereits die Wehrpflicht und die Befürwortung der Atomenergie den Umschwüngen der öffentlichen Meinung geopfert werden musste? (Gegenwärtig scheint es die so genannte Herdprämie zu sein – doch selbst die ist in der CDU heftig umstritten.)

Haben sich die klassisch konservativen Unionspolitiker mithin unterkriegen lassen von Angela Merkel und von dem, was des Öfteren als „Sozialdemokratisierung“ der CDU bezeichnet wird? Haben wir es gar mit einem „Linksruck auf leisen Sohlen“ des konservativen Lagers zu tun, wie der Journalist Werner A. Perger (2008) bereits kurz vor Ausbruch der globalen Finanzkrise meinte? Und ist nicht sogar infolge eben jener Weltwirtschaftskrise der Befund noch zuzuspitzen? Was ist von konservativen Politikern und Feuilletonisten zu halten, die sich nunmehr für eine internationale Finanztransaktionssteuer einsetzen (eine Forderung, für die Attac einst belächelt wurde), die Gier der Banker anprangern und zu glauben beginnen, dass die Linke vielleicht ja doch Recht hatte? Hat der Konservatismus jegliches Profil verloren, ist er vom Strom eines allgemeinen Fortschritts mitgerissen worden?

Oder drückt sich in diesen Phänomenen lediglich das Bewusstsein darüber aus, dass klassisch konservative Werte in der bundesdeutschen Bevölkerung immer weniger verbreitet sind – und somit ein weiteres Setzen auf diese unweigerlich zu Misserfolgen an den Wahlurnen führen würde? Die Werteforschung jedenfalls hat bereits seit Beginn der 1970er Jahre ein Bild gezeichnet, das von einer Abnahme von Pflichtwerten wie etwa Gehorsam und Unterordnung und einem Bedeutungsgewinn von individualistischer Selbstentfaltung geprägt ist (vgl. Iser/Schmid 2003: 61).

Um letztere Fragen – die Verbreitung und Wandlung von konservativen Meinungen in Deutschland – soll es im Folgenden gehen. Anhand eines kursorischen Überblicks über die bisherige überwiegend sozialpsychologische Forschung zum Thema wird dazu zunächst dargelegt, was unter diesen zu verstehen ist. Da indes die explizite empirische Forschung zum Sujet konservative Meinungen in der deutschen Bevölkerung seit geraumer Zeit keine Fortsetzung gefunden zu haben scheint, werden die empirischen Untersuchungen der Bielefelder Forschungsgruppe um Wilhelm Heitmeyer sowie die so genannten „Mitte“-Studien der Friedrich-Ebert-Stiftung als Grundlage genommen. Die zu überprüfende Hypothese lautet, dass klassisch konservative Einstellungen im Rückgang begriffen sind. Das allerdings kann nicht umstandslos als Zeichen der Liberalisierung gedeutet werden, da sich im Zuge der Ökonomisierung infolge der Wandlung des fordistischen Kapitalismus zu einem neoliberalen Finanzmarkt-Kapitalismus neue Formen der Abwertung von Menschen etabliert haben: nämlich die sozialdarwinistische, an ökonomistischen Kriterien orientierte Ideologie der Ungleichwertigkeit.


Die K-Skala: Überblick über die empirische Forschung

Nachdem es bereits in den 1930er Jahren Beschreibungen von konservativen Einstellungen gegeben hatte, setzte die sozialwissenschaftliche Erforschung mit der Entwicklung der so genannten Konservatismus-Skala von Wilson und Patterson (1968) ein. Ihre Arbeit ist als Fortführung des Ansatzes der autoritären Persönlichkeit von Erich Fromm und vor allem von Adorno, Frenkel-Brunswick, Lewinson und Sanford zu verstehen (vgl. Schumann 2001: 115-121).

Wilson und Patterson erstellten eine 50 Items umfassende Skala für den englischsprachigen Raum. Diese Skala unterschied sich zu herkömmlichen Skalen aufgrund ihrer Itemform. Nicht ausformulierte Statements wurden aufgelistet, sondern einzelne Schlagworte. Sie waren der Ansicht, dass Items in Satzform oft zu lang und uneindeutig formuliert sind. Zu gleichen Teilen aus liberalen (z.B. Pyjamaparties) und konservativen Schlagworten (Volkstum) bestehend werde durch die willkürliche Anordnung die Ja-Sage-Tendenz verringert. Die Anweisung für die Befragten lautet: „Was bevorzugen Sie bzw. wovon sind Sie überzeugt?“ „… Geben sie einfach ihre erste Reaktion wieder…“ Geantwortet werden kann mit „ja“, „nein“, und „weiß nicht“. So weit zur Methodik.

Inhaltlich haben Wilson und Patterson die Items aus verschiedenen Bereichen zusammengesetzt, die sie als charakteristisch für extrem konservative Menschen ansahen. Im Einzelnen sind dies die Folgenden: religiöser Dogmatismus, rechtsgerichtete politische Orientierung, Betonung strenger Regeln und Bestrafungen, Militarismus, Ethnozentrismus und Intoleranz gegenüber Minderheiten, Bevorzugung konventioneller Kunst, Kleidung und Institutionen, anti-hedonistische Ansichten und Einschränkung im sexuellen Verhalten sowie Widerstand gegenüber wissenschaftlichem Fortschritt.

Schneider und Minkmar (1972) haben die für den englischen Sprachraum erstellte Konservatismus-Skala von Wilson und Patterson für die deutschen Verhältnisse angepasst. Ihre Kriterien hierbei waren Zeitgemäßheit, Allgemeinverständlichkeit und Kulturspezifität. Schneider und Minkmar erachteten vier Faktoren als charakteristisch für konservative Ansichten: Erstens die Betonung von Zucht und Ordnung sowie nationalistischen Werte, zweitens negative und repressive Haltungen gegenüber Minderheiten. Diese beiden Faktoren wurden auch als Komponenten eines autoritären Persönlichkeitssyndroms zusammengefasst. Zum dritten und vierten Faktor zählten sie Items, die die Haltung gegenüber dem christlichen Glauben und christlichen Wertvorstellungen bzw. die Freizügigkeit in sexuellen Belangen zum Ausdruck brachten.

Schneider und Minkmars Modifizierung im Hinblick auf deutsche Verhältnisse folgten noch weitere. Zu nennen wäre z.B. jene von Schiebel u.a. (1984) und schließlich die m.W. letzte von König/Frank (2000). Letztere allerdings bezieht sich auf den österreichischen Raum. Es handelt sich dabei im Wesentlichen um Anpassungen an die jeweilige Gegenwart. So wurden beispielsweise die Einstellungen zu Punks oder zu Graffiti als Kunst abgefragt. Das österreichische Forschungsprojekt legte folgende sechs Bereiche zugrunde, von welchen es annahm, dass sie das Merkmal „Konservatismus“ prägten: die Ablehnung von Ausländern und Minderheiten; die Verneinung der Emanzipation der Frau; die Bevorzugung strenger Erziehung und Ablehnung freizügiger Lebenshaltung; Ablehnung sexueller Freizügigkeit und das Festhalten an religiösen Geboten; Verschlossenheit gegenüber Neuem und gegenüber der Wissenschaft sowie Befürwortung strenger Justiz und wenig liberaler Politik.[1]


Autoritarismus

Bei der Re-Lektüre der einzelnen Folgen von „Deutsche Zustände“ sowie der „Mitte“-Studien der Friedrich-Ebert-Stiftung im Hinblick auf die Frage, was diese über die Verbreitung von konservativen Einstellungen heute aussagen, wird das Hauptaugenmerk auf die in den Konservatismus-Skalen häufig genannten Faktoren Autoritarismus, Fremdenfeindlichkeit, Nationalismus und Patriotismus sowie Sexismus gelegt. Dem Phänomen Autoritarismus wird dabei besonderes Gewicht beigemessen, weil autoritäre Einstellungen und Konservatismus häufig als eng verwandt, gelegentlich sogar als nahezu identisch angesehen werden. Auch die Erfinder der Konservatismus-Skala Wilson und Patterson neigten dazu; für Adorno waren konservative Einstellungen nur ein indirektes Maß für autoritäre Tendenzen. Josef Schenk (1980) widmete sich in einem Forschungsprojekt den Unterschieden und Gemeinsamkeiten von Konservatismus und Autoritarismus. Sein Ergebnis: Es gibt eine hohe Korrelation zwischen beiden Phänomenen, dennoch seien sie nicht gleichzusetzen.

Auch von den AutorenInnen von „Deutsche Zustände“ wird auf die enge Verwandtschaft von Autoritarismus und konservativen Vorstellungen hingewiesen. So schreiben Zick/Henry (2009: 201) in ihrem Beitrag über den deutsch-deutschen Autoritarismus, dass sich Zusammenhänge mit konservativen Vorstellungen zeigen. „Wer autoritär eingestellt ist, präferiert zugleich politisch eher rechte Sichtweisen, spricht sich eher für Hierarchien zwischen gesellschaftlichen Gruppen aus, weist einen ausgeprägten Nationalstolz auf, und schließlich geht Autoritarismus ausgesprochen stark mit einer ökonomistischen Wertorientierung einher.“

In den „Deutschen Zuständen“ wird regelmäßig durch eine Kurzskala der Autoritarismus gemessen. Diese besteht aus vier Aussagen, zu denen die Befragten auf vier Stufen ihre Zustimmung oder Ablehnung angegeben können. Die Aussagen lauten (in Klammern die Werte der Zustimmung in Prozent aus den Jahren 2002 und 2009): „Verbrechen sollten härter bestraft werden“ (87,5; 87,0); „Um Recht und Ordnung zu bewahren, sollte man härter gegen Außenseiter und Unruhestifter vorgehen“ (80,1; 77,45); 3); „Zu den wichtigsten Eigenschaften, die jemand haben sollte, gehören Gehorsam und Respekt vor dem Vorgesetzten“ (63,8; 69,15) und „Wir sollten dankbar sein für führende Köpfe, die uns sagen, was wir tun sollen“ (31,3; 37,85) (vgl. ebd.: 196 und Heitmeyer/Heyder 2002: 60).

Zick und Henry zufolge würden alle diese Aussagen konventionelle Wertvorstellungen zum Ausdruck bringen. Ein Blick auf die oben angeführten Items zur Konservatismus-Skala sowie die Verwendung des Begriffes „konventionelle Wertvorstellungen“ deutet in der Tat auf den engen Zusammenhang von Autoritarismus und Konservatismus hin. Hatten Heitmeyer/Heyder (2002: 60) durch den Vergleich mit weiter zurückliegenden Untersuchungen noch die eindeutige Tendenz erkennen können, dass die Werte seit 1996 angestiegen sind (wobei ein präziser Vergleich aufgrund unterschiedlicher Skalierung nicht möglich war), so ist im Vergleich der Werte von 2002 bis 2009 zwar eine Zunahme der autoritären Unterwürfigkeit (Statements 3 und 4) zu konstatieren, während die autoritäre Aggression indes etwas gesunken ist. Nichtsdestotrotz finden, so das Fazit von Zick/Henry (2009: 201), autoritäre Aussagen hohe Zustimmung in der deutschen Bevölkerung. „Autoritarismus ist dabei im Osten der Republik seit Jahren ausgeprägter. Es geht aber in beiden Landesteilen, zum Teil im Westen sogar stärker, mit Verunsicherungen und einer konservativen Weltsicht einher. Das gilt auch unabhängig vom jeweiligen Status. Diese Zusammenhänge sprechen dafür, daß Autoritarismus in Deutschland eine Form des Konventionalismus repräsentiert. Der Rückgriff auf eine solch konventionelle Weltsicht kann in Situationen einen Ausweg darstellen, die geprägt sind von Unsicherheit und Orientierungslosigkeit.“ Er löse des Weiteren ein Gefühl der Stärke aus, wie es sich beispielsweise im Nationalstolz ausdrücke.

In der Studie „Vom Rand zur Mitte. Rechtsextreme Einstellungen und ihre Einflussfaktoren in Deutschland“ (FES 2006) werden ebenfalls mittels eines Kurzfragebogens Autoritarismus-Werte in der deutschen Bevölkerung ermittelt. Dies erfolgt mittels folgender vier Statements (in Klammern jeweils die Zustimmung in Prozent für Ost- und Westdeutschland): „Wichtigste Eigenschaft: Unbedingter Gehorsam gegenüber der Autorität (47/46); „Kriminalität und sexuelle Unmoral lassen es unumgänglich erscheinen, mit gewissen Leuten härter zu verfahren“ (80/74); „Dankbarkeit für führende Köpfe“ (41/46) sowie „Gehorsam gegenüber den Eltern dem Kind dienlich“ (47;39) (vgl. ebd.: 2006: 66). Diese Statements weisen ebenfalls Parallelen zu den Statements in den oben angeführten Konservatismus-Skalen auf. Auffallend ist die hohe Zustimmung zu den Werten sowie die auch in den „Deutschen Zuständen“ ermittelte höhere Befürwortung autoritärer Meinungen in den neuen Bundesländern.

Die Statements in dem Fragebogen der „Deutschen Zustände“ und denen der Mitte-Studie sind recht ähnlich. Aus diesem Grund kann vermutet werden, dass die autoritären Einstellungen sich im Zeitverlauf von 2006 und 2009 z.T. verstärkt haben. Da jedoch bedauerlicherweise in der Erhebung „Die Mitte in der Krise“ (FES 2010) kein Autoritarismus-Kurztest durchgeführt wurde, kann keine sichere Aussage über den Verlauf in dieser Zeitspanne getroffen werden.

Die zehnte und letzte Folge von „Deutsche Zustände“, die mit Befragungs-Resultaten aus dem vergangenen Jahr 2011 aufwartet, führt lediglich für zwei Statements aus der Autoritarismus-Kurzskala Ergebnisse an, nimmt zugleich indes einen Vergleich mit dem Jahr 2003 vor. Demzufolge stimmten in diesem Jahr 87,2 Prozent der deutschen Bevölkerung zu, wenn nach der härteren Bestrafung von Verbrechen gefragt wurde. Im Jahr 2011 waren es noch 78,9 Prozent. Die Befürwortung des Item „Um Recht und Ordnung zu bewahren, sollte man härter gegen Außenseiter und Unruhestifter vorgehen“ sank von 80,5 Prozent im Jahr 2003 auf 67,3 Prozent im vergangenen Jahr. Hier wird also erneut der bereits konstatierte Rückgang von Meinungen, die autoritäre Aggressionen zum Ausdruck bringen, sichtbar (vgl. Klein/Heitmeyer 2012: 94).


Ablehnung von Ausländern und Minderheiten
Die in den Konservatismus-Skalen angeführte Ablehnung von Ausländern und Minderheiten ist in den Erhebungen über die „Deutschen Zustände“ und die „Mitte“-Studien am ehesten mit Fremden- bzw. Ausländerfeindlichkeit zu vergleichen. In letzteren wird sie anhand von diesen drei Statements gemessen (in Klammern die Zustimmungswerte in Prozent aus den Jahren 2006 und 2010): „Die Ausländer kommen hierher, um unseren Sozialstaat auszunutzen“ (37/34); „Wenn Arbeitsplätze knapp werden, sollte man die Ausländer wieder in ihre Heimat zurückschicken“ (34,9/31,7) sowie „Die Bundesrepublik ist durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet“ (39,1/35,6) (vgl. FES 2006: 37; FES 2010: 78). Wie im Falle der autoritären Aggression ist auch hier eine leicht abnehmende Tendenz zu beobachten. Allerdings: Wenn man den längeren Zeitraum von 2002 bis 2010 betrachtet, ist seit 2008 wieder eine ansteigende Tendenz zu beobachten. „Die Ausländerfeindlichkeit“, so heißt es, „hat sich in Gesamtdeutschland von 2008 zu 2010 – ebenfalls signifikant – nach oben entwickelt (von 21,2% zu 24,7%) und ist damit wieder fast so hoch wie in den älteren Studien.“ (FES 2010: 91f.) Der Ost-West-Unterschied von deutlich über zehn Prozentpunkten sei dabei im Vergleich zu 2008 in etwa gleich geblieben, da sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland die Zustimmung zu ausländerfeindlichen Aussagen gestiegen sei. Bemerkenswert sei aber der sich abzeichnende Aufwärtstrend in Ostdeutschland, dem Auf- und Abwärtsbewegungen in Westdeutschland gegenüberstehen (vgl. ebd.).

Damit korrespondierend stellen die Heitmeyer-Studien im Vergleich der Jahre 2003 und 2011 ebenfalls einen Rückgang der Fremdenfeindlichkeit fest. Stimmten 2003 noch 59,1 Prozent der befragten Personen der Aussage zu, es lebten zu viele Ausländer in Deutschland, so waren es 2011 noch 47,1 Prozent. Meinten 2003 noch 51 Prozent, die in Deutschland lebenden Ausländer seien eine Belastung für das soziale Netz, so waren acht Jahre später noch 44,7 Prozent „eher und voll und ganz“ dieser Ansicht (vgl. Klein/Heitmeyer 2012: 94). Gleichwohl: Dies sind immer noch erschreckend hohe Werte.


Exkurs: Allgemeine Entwicklung der Ideologien der Ungleichwertigkeit

Die von der Heitmeyer-Gruppe so genannten Ideologien der Ungleichwertigkeit bzw. das Syndrom der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit (GMF) – dazu gehören neben der Ausländerfeindlichkeit noch Antisemitismus, Rassismus, Sexismus, Etabliertenvorrechte, Islamfeindlichkeit, Homophobie und die Abwertung von Behinderten, Obdachlosen, Sinti u. Roma, Asylbewerbern sowie Langzeitarbeitslosen – haben sich im vergangenen Jahrzehnt insgesamt fast durchweg verringert. Allerdings gibt es Ausnahmen: Die Verbreitung von Rassismus und die Abwertung von Langzeitarbeitslosen haben sich leicht erhöht. Antisemitische, sexistische und homophobe Statements indes erfahren z.T. signifikant weniger Zuspruch in der deutschen Bevölkerung. Ein Beispiel sei angeführt. Dem Statement „Es ist ekelhaft, wenn Homosexuelle sich in der Öffentlichkeit küssen“ stimmten 2002 34,8% zu, während es 2011 „nur“ noch 25,3% sind.

Die überwiegende Tendenz also scheint auf eine Liberalisierung der Deutschen Zustände hinzuweisen, so stellen die Wissenschaftler fest, dass das rechtspopulistische Potenzial kleiner geworden ist (DeJ 2011: 11). In diesem Sinne wurde die Präsentation der neuesten Folge beispielsweise in der Süddeutschen Zeitung (12.10.2011) interpretiert: „Wer diese Trends betrachtet“, heißt es dort, „blickt auf eine Gesellschaft, die in diesem Jahrzehnt zumindest partiell weniger menschenfeindlich geworden ist. Markante dramatische Entwicklungen … zeigen sich bei den Antworten der Befragten eben nicht.“

Das Resümee, wonach „in den westeuropäischen Ländern sich Normen der Toleranz etablieren [konnten]“ und „lange Zeit gehegte Vorurteile gegenüber Schwarzen, Juden, Frauen und Homosexuellen zunehmend geächtet [werden]“, spricht in der Tat für „einen Modernisierungs- und Lernprozeß, der in den osteuropäischen Ländern erst langsam einsetzt“ (Zick u.a. 2010: 57).


Patriotismus, Nationalismus, Chauvinismus

Chauvinismus liegt Decker u.a. (FES 2010: 23) zufolge die Annahme einer deutschen Überlegenheit gegenüber anderen Staaten zugrunde. Basis sei der Glaube an eine Vorrangstellung der eigenen Gruppe (z.B. durch Zugehörigkeit zu einer Nation). Ermittelt wird dieses starke Nationalgefühl mittels folgender Aussagen (in Klammern erneut die Zustimmung in Prozent für die Jahre 2006 und 2010): „Wir sollten endlich wieder Mut zu einem starken Nationalgefühl haben“ (39,5/37,6); „Was unser Land heute braucht, ist ein hartes und energisches Durchsetzen deutscher Interessen gegenüber dem Ausland“ (30,8/30,6) sowie „Das oberste Ziel der deutschen Politik sollte es sein, Deutschland die Macht und Geltung zu verschaffen, die ihm zusteht“ (31,2/26,8) (vgl. FES 2006: 36; FES 2010: 77). Erneut ist – wenngleich weniger signifikant – eine Abnahme der Befürwortung chauvinistischer Positionen feststellbar. Die West-Ost-Differenzierung zeigt sich im Jahr 2010 dabei als fast vernachlässigbar. Das war vier Jahre zuvor noch etwas anders: Die Ostdeutschen zeigten sich zu diesem Zeitpunkt noch weniger chauvinistisch.

In den „Deutschen Zuständen“ ist in zwei Folgen eine explizite Auseinandersetzung mit Patriotismus und Nationalismus zu finden. In Folge 1 kommen die Autoren Heyder/Schmidt (2002: 80) zu dem uns hier nur am Rande interessierenden Resultat, dass die Identifikation mit der Nation dann die Abwertung von Fremden, Ausländern und Juden erhöht, wenn die eigene Nation idealisiert wird. Solange die Identifikation mit der Nation eine wertbezogene, an Demokratie orientierte Bindung darstelle, führe sie im eigenen Land nicht zu einer Erhöhung der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit.

Angesichts der Fußball-Weltmeisterschaft im Jahre 2006 findet sich zum zweiten der an Heyder/Schmidt anknüpfende, aber die Korrelation von Patriotismus und Fremdenfeindlichkeit differenzierter darstellende Beitrag „Nationalismus und Patriotismus als Ursache von Fremdenfeindlichkeit“ (Becker u.a. 2006: 131-149).[2] Dieser gibt Aufschlüsse über die Verbreitung von patriotischen und nationalistischen Meinungen in der deutschen Bevölkerung. Nationalismus wird im Zeitraum von 2002 bis 2006 mit den Aussagen „Ich bin stolz darauf, Deutsche/Deutscher zu sein“ und „Sind Sie 1 überhaupt nicht stolz – 4 sehr stolz auf die deutsche Geschichte?“ ermittelt. Je größer die Mittelwerte, desto stärker ist die Identifikation bzw. der Nationalismus. Die Mittelwerte variieren zwischen 2,90 und 3.12 bzw. 2.25 und 2.34. Das heißt: Überwiegend sind die Befragten stolz darauf, ein(e) Deutsche(r) zu sein und – weniger ausgeprägt – auch stolz auf die deutsche Geschichte.[3]

Patriotismus wurde mit den Aussagen „Sind sie 1 überhaupt nicht stolz – 4 sehr stolz auf die Demokratie in Deutschland?“ und „Sind sie 1 überhaupt nicht stolz – 4 sehr stolz auf die soziale Sicherheit in Deutschland?“ ausfindig gemacht. Die Mittelwerte variieren hier nur wenig zwischen 2.81 und 2.89 resp. 2.55 und 2.73 (vgl. ebd.: 138f.)

Ein Entwicklungstrend ist anhand dieser Zahlen für Nationalismus und Patriotismus bis zur WM 2006 nicht festzustellen. Einen Monat nach der WM zeigen die Zahlen der erneuten Befragung jedoch eine Zunahme der nationalistischen und eine Abnahme der patriotischen Werte (vgl. ebd.: 145). Mittlerweile haben auch andere Untersuchungen diese Trendänderung infolge der Fußballweltmeisterschaft bestätigt.[4]


Ablehnung der Emanzipation von Frauen

In der „Mitte“-Studie von 2006 wird mittels vier Aussagen die Verbreitung von Sexismus in der deutschen Bevölkerung ermittelt. Diese Statements lehnen sich an den Sexismus-Fragebogen aus „Deutsche Zustände“ an (vgl. Endrikat 2003). Die vier Items – zwei fragen nach der Einschätzung der Frauendiskriminierung, zwei nach Rollenstereotypen – lauten (in Klammern die Zustimmung zum Statement in Prozent in Ost/West): „Die Diskriminierung von Frauen ist in Deutschland immer noch ein Problem“ (63/49); „Die jetzige Beschäftigungspolitik benachteiligt die Frauen“ (74/56); „Die Frauen sollen sich wieder mehr auf die Rolle der Ehefrau und Mutter besinnen“ (25/43) und „Für eine Frau sollte es wichtiger sein, ihrem Mann bei seiner Karriere zu helfen als selbst Karriere zu machen“ (17/35) (vgl. FES 2006: 66f.). Augenfällig ist, dass das traditionelle Rollenverständnis deutlich mehr positive Resonanz im Westen Deutschlands findet und dort ein geringeres Problembewusstsein über die Lage der Frauen existiert.

Bedauerlicherweise ist in „Die Mitte in der Krise“ von 2010 nicht gesondert auf das Thema eingegangen worden. Um ein aktuelleres Bild zeichnen zu können, wird deshalb zum Vergleich auf die europäische Vergleichsstudie der Friedrich Ebert-Stiftung „Die Abwertung der Anderen“ (FES 2011) zurückgegriffen.

In dieser wird der Sexismus lediglich mit zwei Aussagen bemessen. Eine – jene nach der Rolle der Frau als Ehefrau und Mutter – ist identisch mit der Studie aus dem Jahr 2006. Dieser Meinung stimmen in der Befragung aus 2011 52,7 Prozent zu. Der Aussage „Wenn Arbeitsplätze knapp sind, sollten Männer mehr Recht auf eine Arbeit haben als Frauen“ stimmen 12 Prozent zu (FES 2011: 72).

In der abschließenden Folge der „Deutschen Zustände“ (Heitmeyer 2012: 38) stimmen im Jahr 2011 lediglich 18,5 Prozent der Meinung über die Rolle der Frauen als Ehefrau und Mutter zu. Zwei Jahre zuvor waren es 20,7 Prozent.

Das Statement, wonach die Frau eher ihrem Mann bei der Karriere helfen sollte, findet bei 11,5 Prozent der Befragten eher oder eine volle und ganze Zustimmung. Ein Vergleich mit dem Aufsatz von Endrikat (2003: 124) in Folge 1 der „Deutschen Zustände“ zeigt, dass die Zustimmungswerte zu diesen klassisch sexistischen Aussagen sehr deutlich gesunken sind – bei der ersteren Aussage um ca. 11 Prozent, bei der zweiten sogar um rund 15 Prozent. Es fällt freilich auf, dass die neuesten Zahlen über die Verbreitung sexistischer Meinungen in den beiden Studien zum Teil sehr weit auseinanderklaffen. Woran das liegt, muss offenbleiben.


Fazit und Diskussion

Die Verbreitung einiger der in den Konservatismus-Skalen genannten Kernelemente von konservativen Anschauungen konnten anhand der empirischen Untersuchungen der „Mitte“-Studien der Friedrich-Ebert-Stiftung und der von Wilhelm Heitmeyer durchgeführten Langzeituntersuchung „Deutsche Zustände“ aufgezeigt werden. Das gilt allerdings nicht für die Frage der sexuellen Freizügigkeit und die nach dem Festhalten an religiösen Geboten, die traditionell ebenfalls zu konservativen Ansichten dazugehören. Nichtsdestotrotz ergibt sich ein Bild, das das zum Teil hohe Ausmaß von konservativen Orientierungen in der Bevölkerung der Bundesrepublik zeichnet. Allerdings ist die Tendenz eher abnehmend. Das dürfte gerade auch für die beiden Bereiche gelten, die hier mangels Daten nicht dargestellt worden sind: sexuelle Freizügigkeit und christlicher Glaube. Ausnahmen bestätigen die Regel: Nationalismus und ein positives Nationalgefühl scheinen seit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 mehr Zuspruch zu erfahren. Dieser Trend bestätigt somit die diesem Artikel als Zitat vorangestellte Vermutung vom Rückgang von klassisch konservativ motivierten Abwertungsmustern. Dafür spricht auch, dass konventionelle Abwertungsmuster in jüngeren Altersschichten weniger verbreitet sind, wenngleich dieser Unterschied nicht so signifikant ist.[5]

Aber: Das ist kein Argument dafür, sich beruhigt zurückzulehnen mit dem Hinweis, Deutschland werde doch immer liberaler und menschenfreundlicher. Für diese Annahme lassen sich vier Gründen angeben.

Erstens, so resümieren Klein/Zick (2010: 132), zeige sich in der bundesdeutschen Bevölkerung eine deutliche Tendenz zur Ablehnung des Egalitarismus. Des Weiteren scheint sich die Ablehnung der Idee der Gleichwertigkeit aller Menschen nunmehr vor allem aus ökonomistischen Motiven heraus zu speisen. Vor dem Hintergrund eines flexiblen Kapitalismus sei, so Klein (2012: 40), eine Inwertsetzung des Sozialen zu beobachten – mit gravierenden Auswirkungen für die Lebenswelt der Individuen und Gemeinschaften. „Infolge der Dominanz neoliberaler Politikstrategien wird sozialer Ungleichheit nicht mehr primär durch staatliche Integrationsleistungen begegnet, sondern durch Praktiken der Disziplinierung.“ Das an den Tugenden der Kreativität, Flexibilität und Eigenverantwortung orientierte „unternehmerische Selbst“ scheine immer stärker zum dominanten Konzept der Lebensführung zu werden. Das Ergebnis sei, so Klein weiter, „eine hochgradig beschleunigte und ökonomistisch determinierte Sphäre des Sozialen. Daraus folgt – mit Blick auf die Markierung von Ungleichwertigkeit in der Gesellschaft –, dass weniger konkurrenz- und leistungsfähige Gruppen zunehmend mit Abwertung konfrontiert sein werden.“ (ebd.: 41)

In dieses Bild passt zweitens – zum Teil – auch die Beobachtung von Eberhard Seidel über die gegenwärtige Generation 35 plus, also jene Generation, die in den Hochzeiten des neoliberalen Kapitalismus sozialisiert wurde. Seit ein paar Jahren würde diese realisieren, dass der lange sicher geglaubte Lebensstandard der westdeutschen Mittelschichten bedroht sei. „Aggressiv grenzt sich dieses Milieu heute nach unten ab. Statt einer solidarischen, gemeinsamen Perspektive beschwört es eine Renaissance konservativ-bürgerlicher und bisweilen auch religiös-fundamentaler Werte. Es achtet auf Distinktion, häufig in Form kulturalistischer Islamdebatten. Es schickt seine Kinder auf (christliche) Privatschulen und strebt nach Homogenität – frei von sozialer und ethnischer Durchmischung.“ (Seidel 2012) Zum Teil, weil hier die Ökonomisierung lediglich in Form des Verlustes von materiellem Wohlstand angedeutet wird, und der Fokus mehr auf den daraus resultierenden – durchaus eher klassisch konservativen Mustern folgenden – Distinktionsbemühungen und Abwertungsmustern liegt.

Was Seidel in Bezug auf die Generation Golf schreibt, deckt sich, wenngleich nicht vollständig, mit den Ergebnissen der jüngsten 16. Shell-Jugendstudie (Shell Deutschland Holding 2010). Hatte bereits die 14. Studie aus dem Jahr 2002 den Wiederaufstieg der so genannten Sekundärtugenden in der Bevölkerung der 15- bis 25-Jährigen seit den 1990er Jahren nachweisen können, so erlebten „gerade die arbeits- und versorgungsbezogenen Orientierungen (…) seit den 1980er Jahren die stärkste Renaissance, die noch ausgeprägter war als die gleichzeitige Wiederaufwertung desjenigen Teils des älteren Wertebestands, der sich auf die Anerkennung der gesellschaftlichen Regeln und Umgangsformen bezieht.“ (ebd.: 195) Dies kann durchaus auch als Ausdruck ökonomistischer Orientierungen interpretiert werden.[6]

Das dritte Argument, das gegen eine vorschnelle Entwarnung trotz tendenziell rückläufiger konservativer Einstellungen spricht, hängt mit den vorigen zusammen. In den letzten beiden Folgen von „Deutsche Zustände“ wurde die Herausbildung einer so genannten rohen Bürgerlichkeit festgestellt: „Zivilisierte, tolerante, differenzierende Einstellungen, die in höheren Einkommensgruppen einmal anzutreffen waren, scheinen sich in unzivilisierte, intolerante – ja: verrohte – zu verwandeln.“ (Heitmeyer 2012: 35) Vor allem wenn jene Gruppen dem Mantra des „Unternehmerischen Selbst“ anhingen, habe dies eine hohe Erklärungskraft in Bezug auf die Abwertung vorgeblich „nutzloser“ Gruppen. Gerade aber der Einfluss, den höhere Einkommensgruppen, also Teile der Eliten, auf das soziale und politische Klima haben, ist nicht zu unterschätzen („Klassenkampf von oben“).

Der vierte Grund: Untersuchungsgegenstand dieses Beitrags sind konservative Einstellungen in Deutschland. Sowohl die Studien der „Deutschen Zustände“ als auch die „Mitte“-Studien legen aber ihr Hauptaugenmerk auf Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, rechtspopulistisches Potenzial und rechtsextreme Einstellungen, wozu auch rassistische Meinungen gehören. Gerade diese erfahren seit Ausbruch der Krise von 2008 wieder eine ansteigende Verbreitung. Diese Elemente, wie die Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und rechtsextreme Einstellungen im Allgemeinen, so die Kernaussage beider Studien, sind ein Bestandteil der politischen Mitte – das heißt gerade auch des politisch rechten bzw. konservativen Lagers. Überdies heißt es ausdrücklich, dass die Betonung konservativer Werte wie Tradition und Konformität die Elemente des Syndroms der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit verstärkt. Ein weiteres Argument für diese These bestehe in der Ähnlichkeit der Werte Konformität und Tradition zum Konzept des Autoritarismus (vgl. Iser/Schmidt 2003: 70). Gerade aber der Autoritarismus wird als wesentliches Erklärungskonzept für die Abwertung von Minderheiten und Fremden sowie für extrem rechte Einstellungen herangezogen.

Nimmt man zusätzlich die Ebene des deutschen Parteiensystems in Betracht, so sehen Heitmeyer und Co. zwar ein rückläufiges rechtspopulistisches Potenzial (9,2 Prozent). Weil aber gleichzeitig die politische Entfremdung und Apathie zunehme, die parteipolitische Integrationskraft schwinde und Protest- wie Gewaltbereitschaft ansteigen, stelle das rechtspopulistische Potenzial ein größeres Problem dar (vgl. DeJ 2011: 14).

Eine Neukonzeption der Konservatismus-Skala wäre insofern durchaus ein lohnenswertes Unterfangen. Mit ihr könnten differenziert die gemeinsame Schnittmenge zu extrem rechten und Menschengruppen abwertenden Einstellungen sowie die Unterschiede zu diesen ermittelt werden.


Literatur

Ahlheim, Klaus/Heger, Bardo (2008): Nation und Exklusion. Der Stolz der Deutschen und seine Nebenwirkungen, Schwalbach/Ts.

Becker, Julia u.a. (2007): Nationalismus und Patriotismus als Ursache von Fremdenfeindlichkeit, in: Deutsche Zustände, Folge 5, hrsg. von W. Heitmeyer, Frankfurt/Main, S. 131-149.

DEJ (2011): Das entsicherte Jahrzehnt. Presseinformation zur Präsentation der Langzeituntersuchung. Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Online: http://www.uni-bielefeld.de/ikg/Handout_Fassung_Montag_1212.pdf

Endrikat, Kirsten (2003): Ganz normaler Sexismus. Reizende Einschnürung in ein Rollenkorsett, in: Deutsche Zustände, Folge 2, hrsg. von W. Heitmeyer, Frankfurt/Main, S. 121-141.

FES (2006): Oliver Decker u.a., Vom Rand zur Mitte. Rechtsextreme Einstellungen und ihre Einflussfaktoren in Deutschland, online: www.fes-gegen-rechtsextremismus.de/inhalte/Publikationen_FES.php

FES (2010): Oliver Decker u.a., Die Mitte in der Krise. Rechtsextreme Einstellungen Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2010, online: www.fes-gegen-rechtsextremismus.de/inhalte/Publikationen_FES.php

FES (2011): Andreas Zick u.a., Die Abwertung der Anderen. Eine europäische Zustandsbeschreibung zu Intoleranz, Vorurteilen und Diskriminierung, online: www.fes-gegen-rechtsextremismus.de/inhalte/Publikationen_FES.php

Heitmeyer, Wilhelm (2012): Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF) in einem entsicherten Jahrzehnt, in: Deutsche Zustände, Folge 10, hrsg. v. ders., Berlin 2012, S. 15-41.

Heitmeyer, Wilhelm/Heyder, Aribert (2002): Autoritäre Haltungen. Rabiate Forderungen in unsicheren Zeiten, in: Deutsche Zustände, Folge 1, hrsg. von W. Heitmeyer, Frankfurt/Main, S. 59-69.

Heyder, Aribert/Schmidt, Peter (2002): Deutscher Stolz. Patriotismus wäre besser, in: Deutsche Zustände, Folge 1, hrsg. v. W. Heitmeyer, Frankfurt/Main, S. 71-82.

Iser, Julia/Schmidt, Peter (2003): Was Tradition und Konformität anrichten können, in: Deutsche Zustände, Folge 2, hrsg. v. W. Heitmeyer, Frankfurt/Main, S. 61-74.

Klein, Anna (2012), Von der Ungleichheit zur Menschenfeindlichkeit, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, H. 4, S. 39-42.

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[1]   Als Ergebnis ihrer Befragung von 120 jungen und 120 älteren Personen aus Wien und Niederösterreich halten König und Frank fest, dass „junge Wiener am liberalsten im Gegensatz zu älteren Personen bzw. Niederösterreichern eingestellt sind, wobei auch diese Tendenz zum Liberalismus zeigen.“

[2]   Patriotismus wird hier nämlich als zwei Aspekte umfassend betrachtet: einerseits die Bindung an das eigene Land und andererseits eine generelle Wertschätzung von Demokratie und sozialer Sicherheit. Während der zweite Aspekt in der Tat mit einer Abnahme von GMF einhergehe, fördere die erstere nationalistische Einstellungen, die zu einer Erhöhung der Abwertung von anderen Gruppen führe. Daher, so Becker u.a. (2007: 146), „verursacht nicht die patriotische Identifikation mit Deutschland eine Abnahme der Vorurteile, sondern die generelle Wertschätzung demokratischer Prinzipien.“

3]   Das unterstreicht auch die Studie „Nation und Exklusion“ (2008) von Klaus Ahlheim und Bardo Heger: Die Zustimmungswerte zu der Aussage „Ich bin ziemlich oder sehr stolz, ein Deutscher zu sein“ sind von 1996 bis 2006 von 63 auf 73 Prozent gestiegen.

[4]   Vgl. etwa die Artikel „83 Prozent sind stolz darauf, Deutsche zu sein“ (www.welt.de/politik/article3696088/83-Prozent-sind-stolz-darauf-Deutsche-zu-sein.html) und „Die Deutschen lieben ihr Land – irgendwie“ (www.welt.de/politik/article3649214/Die-Deutschen-lieben-ihr-Land-irgendwie.html)

[5]   Vor rund zehn Jahren lautete der Befund zu dieser Frage in den „Deutschen Zuständen“, dass Ältere zwar Tradition und Konformität höher schätzten, aber der Unterschied zu Jüngeren nur geringfügig sei. „Von einem Werteverfall, wie er in der öffentlichen Debatte über lange Zeit beklagt wurde, kann bei der jüngeren Generation in Deutschland angesichts der geringen Unterschiede zur älteren Generation aber kaum die Rede sein.“ (Iser/Schmidt 2003: 67)

[6]   Und gerade nicht ausschließlich als Renaissance klassischer (klein-)bürgerlicher Werte, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Die Renaissance dieser Werte vollziehe sich vielmehr in modernisierender Gestalt, die verglichen mit jenen der 1950er Jahre viel mehr Freiräume des Individuellen zulassen (vgl. Shell Deutschland Holding 2010: 195).

(aus: Z.Zeitschrift Marxistische Erneuerung, Nr. 90, Junit 2012)

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