{"id":1042,"date":"2016-03-30T16:50:40","date_gmt":"2016-03-30T14:50:40","guid":{"rendered":"http:\/\/guidospeckmann.de\/?p=1042"},"modified":"2016-03-30T16:50:40","modified_gmt":"2016-03-30T14:50:40","slug":"ein-haerterer-kapitalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidospeckmann.de\/?p=1042","title":{"rendered":"Ein h\u00e4rterer Kapitalismus"},"content":{"rendered":"<p><em>Tom Slee: Deins ist Meins. Die unbequemen Wahrheiten der Sharing Economy. Verlag Antje Kunstmann, 270 S., geb., 22,95 \u20ac.<\/em><\/p>\n<p>Die F\u00e4higkeit des Kapitalismus, sich zu wandeln, anzupassen, Kritik zu integrieren und aus guten Ideen immer wieder neue blendend laufende Gesch\u00e4ftsmodelle zu machen, ist &#8211; neutral gesehen &#8211; bewundernswert. Die Produktionsweise wandelt sich best\u00e4ndig &#8211; und bleibt doch immer dieselbe. Eines der j\u00fcngsten Beispiele ist die Sharing Economy.<!--more--> Die gute Idee: Konsumenten ist der Besitz eines Autos oder einer Bohrmaschine gleichg\u00fcltig geworden. Sie wollen die Gegenst\u00e4nde nutzen, wenn sie ein neues Regal von Ikea holen und es an der Wand befestigen. Vorteil: Der Ressourcenverbrauch ist niedriger und Menschen kommen sich \u00fcber das Teilen n\u00e4her, Gemeinschaft wird gestiftet. Letzteres betrifft vor allem Internet-Portale wie Couchsurfing oder Airbnb. Auf diesen kann man seine Wohnung mit anderen Menschen teilen, die gerade auf Urlaub in der Stadt sind.<\/p>\n<p>Doch \u00fcber die Nachteile der Sharing Economy wird l\u00e4ngst in den Medien berichtet. Der Taxidienstleister Uber steht mit seiner Deregulierung des herk\u00f6mmlichen Taxigewerbes im Zentrum der Kritik. Aber auch Airbnb zieht den Unmut auf sich, weil \u00fcber ihn professionell Ferienwohnungen vermietet werden. Der finanzielle Anreiz ist so hoch, dass in St\u00e4dten wie Berlin immer mehr Wohnungen umgewandelt werden.<\/p>\n<p>Der in Kanada lebende Brite Tom Slee hat nun eines der ersten kritischen B\u00fccher \u00fcber die Sharing Economy vorgelegt. Seine Hauptkritik kann man so zusammenfassen: Wenn Risikokapital in die Sharing-Projekte str\u00f6mt, ist das sch\u00f6ne Versprechen, zuk\u00fcnftig Eigentum und Dienstleistungen unter Gleichen zu teilen und tauschen, schnell gebrochen. Das Sharing entpuppt sich mit den \u00bbDollarschocks\u00ab als eine Bewegung der Deregulierung und der Ausweitung des Marktprinzips auf weitere Lebensbereiche. \u00bbDie Sharing Economy hat sich\u00ab, so fasst Slee zusammen, \u00bbrasch in eine kommunitaristische Fassade f\u00fcr eine marktliberale Bewegung verwandelt, die einer antidemokratischen Agenda der Deregulierung anh\u00e4ngt.\u00ab<\/p>\n<p>Er zeigt diese Entwicklung anhand der besagten Portale und weiterer wie zum Beispiel Task-rabbit im Detail nach. F\u00fcr Airbnb hat er eigens eine Software geschrieben, die die Angebote auf dem Portal analysiert. Das Ergebnis: \u00bbEin erheblicher Teil des Gesch\u00e4fts von Airbnb ist professionalisiert &#8211; entweder Inserate von Wohnungen, die jemand nur besitzt, um sie zu vermieten, oder Gastgeber, die mehrere Wohnungen besitzen &#8211; und konzentriert sich auf die bei Touristen besonders beliebten Teile der Stadt.\u00ab Eklatant der Widerspruch zur Selbstdarstellung: \u00bbUnsere Community besteht aus leidenschaftlichen Nutzern, die darauf brennen, die Welt durch das Teilen von Raum zu bereichern.\u00ab<\/p>\n<p>Hinter dieser sch\u00f6nen Fassade steckt, das zeigt Slee anschaulich und \u00fcberzeugend, eine noch h\u00e4rtere Form des Kapitalismus &#8211; mit neuen Tagel\u00f6hnern und schlecht bezahlten Gelegenheitsjobs. Innerhalb weniger Jahre sei durch das Eindringen des die Gemeinschaft entfremdenden Kapitals aus dem \u00bbmeins ist deins\u00ab ein \u00bbdeins ist meins\u00ab geworden.<\/p>\n<p>aus: <a href=\"http:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/1006522.ein-haerterer-kapitalismus.html?sstr=Speckmann\">neues deutschland<\/a>, 29.03.2016<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tom Slee: Deins ist Meins. Die unbequemen Wahrheiten der Sharing Economy. Verlag Antje Kunstmann, 270 S., geb., 22,95 \u20ac. 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