{"id":1079,"date":"2016-05-30T16:40:52","date_gmt":"2016-05-30T14:40:52","guid":{"rendered":"http:\/\/guidospeckmann.de\/?p=1079"},"modified":"2016-06-06T16:43:24","modified_gmt":"2016-06-06T14:43:24","slug":"monsanto-uebernahme-wie-bayer-sich-verkalkuliert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidospeckmann.de\/?p=1079","title":{"rendered":"Monsanto-\u00dcbernahme: Wie Bayer sich verkalkuliert"},"content":{"rendered":"<h1 class=\"title\">Bayer will den Agrarkonzern Monsanto \u00fcbernehmen. Das Ziel: die Ausweitung der industrialisierten Landwirtschaft. Doch nur kleinb\u00e4uerliche Strukturen k\u00f6nnen die Ern\u00e4hrung der wachsenden Menschheit garantieren.<\/h1>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Sch\u00e4tzungen besagen, dass 2050 mehr als neun Milliarden Menschen auf der Erde leben werden. Gegenw\u00e4rtig sind es nicht ganz sieben. Drei Milliarden EsserInnen mehr \u2013 wie sollen die ern\u00e4hrt werden? Zumal die Zahl der Hungernden derzeit bereits bei rund 800 Millionen liegt. Der Chemiegigant Bayer aus Leverkusen hat seine Antwort mit dem \u00dcbernahme-Angebot an den umstrittenen US-Konzern Monsanto gegeben: mit industrialisierter Landwirtschaft, Effizienz, chemischer D\u00fcngung und Gentechnik. Und zwar nicht nur in den entwickelten Staaten des Globalen Nordens, sondern auch in denen des S\u00fcdens.<\/p>\n<p>In Teilen Afrikas, in Argentinien und Brasilien ist es bereits so weit. Mit gro\u00dfem Kapitaleinsatz aus Europa, den USA und China werden Fl\u00e4chen aufgekauft, gerodet und in riesige Monokulturfl\u00e4chen umgewandelt. Von diesem \u00f6kologisch verheerenden \u00bbkontrollierten Raubbau\u00ab (Kathrin Hartmann) profitieren die Agro-Konzerne und die KonsumentInnen in den kapitalistisch fortgeschrittenen L\u00e4ndern. Indes: Nach wie vor stammen 70 Prozent der weltweiten Ernte nicht aus der gr\u00fcnen Palm\u00f6l-H\u00f6lle auf Borneo, nicht von den Soja-Plantagen S\u00fcdamerikas und nicht aus dem Mittleren Westen der USA, sondern sie werden von \u2013 mehrheitlich weiblichen \u2013 Kleinbauern und Kleinb\u00e4uerinnen eingebracht.<\/p>\n<h3>Wer kann die Weltern\u00e4hrung sichern?<\/h3>\n<p>K\u00f6nnen die Kleinb\u00e4uerinnen und -bauern auch in Zukunft ihre zentrale Stellung in der Nahrungsmittelproduktion behaupten? Oder ist nur die industrialisierte Landwirtschaft in der Lage, den Bedarf an Kalorien von neun Milliarden Menschen zu produzieren? Zweifel an letzterem hat selbst die politisch angepasste Weltern\u00e4hrungsbeh\u00f6rde FAO. Ihre ExpertInnen sind der Ansicht, dass am ehesten eine Mischung aus kleinb\u00e4uerlicher und industrialisierter Landwirtschaft die Herausforderungen wird meistern k\u00f6nnen. \u00bbEine rein biologische Weltlandwirtschaft propagieren sie zwar nicht. Doch dem Erhalt und der F\u00f6rderung kleinb\u00e4uerlicher Strukturen, regionaler Ern\u00e4hrungskreisl\u00e4ufe und traditioneller Pflanzenvielfalt schreiben sie eine Schl\u00fcsselrolle f\u00fcr die k\u00fcnftige Weltern\u00e4hrung zu\u00ab, <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/unternehmen\/monsanto-uebernahme-sind-industriebetriebe-die-falsche-landwirtschaft-14251189-p2.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2\" target=\"_blank\">fasst die <em>FAZ<\/em> zusammen<\/a>. FAO-Direktor Jos\u00e9 Graziano da Silva sagte, dass die Entwicklung nach der sogenannten gr\u00fcnen Revolution der 1960er Jahre, die durch hohen Technik- und Chemieeinsatz gepr\u00e4gt war, wieder in Richtung Regionalit\u00e4t und \u00d6kologie gehe.<\/p>\n<p>Der <a href=\"http:\/\/www.weltagrarbericht.de\/\" target=\"_blank\">Weltagrarbericht<\/a> von 2008, dessen Schlussfolgerungen immerhin von 60 Regierungen unterschrieben wurden, ist da noch deutlicher. Eine radikale, nachhaltige und \u00f6kologische Reform der Landwirtschaft w\u00e4re in der Lage, Ertragssteigerungen zu erzielen, die f\u00fcr die Versorgung der prognostizierten neun Milliarde Menschen im Jahr 2050 allemal ausreichend w\u00e4ren. Daf\u00fcr ist allerdings nicht mehr und nicht weniger als die Abkehr vom industriellen Agrobusiness notwendig. An diesem Bericht waren \u00fcber 400 WissenschaftlerInnen im Auftrag von Weltbank und den Vereinten Nationen beteiligt. Auch der Konzern Monsanto arbeitete zun\u00e4chst mit, stellte diese T\u00e4tigkeit jedoch sp\u00e4ter ein.<\/p>\n<h3>Industrielle Landwirtschaft in der Sackgasse<\/h3>\n<p>Im \u00dcbrigen hat sich die industrielle Landwirtschaft bereits heute in eine Sackgasse man\u00f6vriert \u2013 sozial wie \u00f6kologisch. Mit dem massiven D\u00fcnger- und Pestizideinsatz, dem gigantischen Wasser- und Energieverbrauch kann die Produktivit\u00e4t nur f\u00fcr kurze Zeit erh\u00f6ht werden. Irgendwann nehmen Bodenfruchtbarkeit und Biodiversit\u00e4t ab, die Bodenerosion setzt ein, und das Grundwasser wird verschmutzt. Studien zeigen \u00fcberdies, dass die Energiebilanz der konventionellen Landwirtschaft insgesamt gesehen negativ ist. \u00bbDie Landwirtschaft ist von der Energielieferantin zur Energiekonsumentin geworden: Um eine Kalorie Nahrungsenergie herzustellen, wird heute im Schnitt mehr als eine Kalorie fossiler Energie aufgewandt\u00ab, schreibt der Schweizer Wissenschaftsjournalist Marcel H\u00e4nggi in seinem Buch \u00bbAusgepowert. Das Ende des \u00d6lzeitalters als Chance\u00ab.<\/p>\n<p>Und noch ein weiterer Gesichtspunkt ist zu ber\u00fccksichtigen: Die Ausweitung der industriellen Landwirtschaft von Bayer und Monsanto zerst\u00f6rt kleinb\u00e4uerliche Strukturen im S\u00fcden. Die \u00fcberfl\u00fcssige Bev\u00f6lkerung wandert in die St\u00e4dte ab \u2013 oder versucht, \u00fcber das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Fluchtursachenbek\u00e4mpfung, die die Bundesregierung immer wieder fordert, wird zum Lippenbekenntnis, wenn der deutsche Konzern Bayer sich im globalen kapitalistischen Wettbewerb mit der \u00dcbernahme von Monsanto behaupten m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Bayers Rechnung k\u00f6nnte sich ohnehin als Fehlkalkualation erweisen. Denn sie setzt voraus, dass die zus\u00e4tzlichen Menschen auf der Erde sich die industriell gefertigten Lebensmittel auch leisten k\u00f6nnen. Doch schon heute ist der Hunger keine Frage des Angebots \u2013 Lebensmittel gibt es genug \u2013 , sondern ein Verteilungsproblem.<\/p>\n<p>aus: <a href=\"https:\/\/oxiblog.de\/monsanto-uebernahme\/\">Oxiblog.de<\/a>, 27.05.2016<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bayer will den Agrarkonzern Monsanto \u00fcbernehmen. Das Ziel: die Ausweitung der industrialisierten Landwirtschaft. 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