{"id":1081,"date":"2016-03-25T16:43:43","date_gmt":"2016-03-25T15:43:43","guid":{"rendered":"http:\/\/guidospeckmann.de\/?p=1081"},"modified":"2016-06-06T16:45:42","modified_gmt":"2016-06-06T14:45:42","slug":"emissionshandel-verschafft-konzernen-milliardengewinne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidospeckmann.de\/?p=1081","title":{"rendered":"Emissionshandel verschafft Konzernen Milliardengewinne"},"content":{"rendered":"<h4><strong>Der Emissionshandel verschafft den klimasch\u00e4dlichsten Industrien Milliardengewinne. Der CO2-Aussto\u00df in diesen Branchen steigt. War das nicht eigentlich anderes gedacht?<\/strong><\/h4>\n<p>Zwei Meldungen der letzten Woche, beide gingen unter im Strom des H\u00e4ppchenjournalismus. Der einen Meldung zufolge bescherte der Emissionshandel der deutschen Industrie in den vergangenen Jahren Zusatzgewinne in H\u00f6he von 4,5 Milliarden Euro. Der anderen Nachricht zufolge ist im Jahr 2015 der Aussto\u00df von Treibhausgasen in Deutschland leicht gestiegen.<!--more--><\/p>\n<p>Das eine hat durchaus etwas mit dem anderen zu tun. Doch zun\u00e4chst noch ein n\u00e4herer Blick auf die Nachrichten. Das niederl\u00e4ndische Forschungsinstitut CE Delft ver\u00f6ffentlichte im Auftrag der Umweltorganisation <a href=\"http:\/\/carbonmarketwatch.org\/policy-brief-carbon-leakage\" target=\"_blank\">Carbon Market Watch<\/a> eine <a href=\"http:\/\/www.cedelft.eu\/publicatie\/calculation_of_additional_profits_of_sectors_and_firms_from_the_eu_ets\/1763\" target=\"_blank\">Studie<\/a>, aus der hervorgeht, dass die energieintensiven und damit klimasch\u00e4dlichen europ\u00e4ischen Industrien im Zeitraum von 2008 bis 2014 Zusatzgewinne von mehr als 24 Milliarden Euro machten, die auf das europ\u00e4ische Emissionshandelssystem (EHS) zur\u00fcckzuf\u00fchren sind. Spitzenreiter im Einstreichen der Extraprofite ist der europ\u00e4ische Stahlsektor. Auf ihn allein entfallen acht Milliarden Euro Zusatzgewinne. Danach folgen die Zement- und die Petrochemiebranche. Die Untersuchung beziffert die Extragewinne auch f\u00fcr einzelne Unternehmen. So hat zum Beispiel Thyssen-Krupp 673 Millionen Euro eingestrichen.<\/p>\n<p>Emissionshandel? Wurde der nicht eingef\u00fchrt, um den CO2-Aussto\u00df zu reduzieren, der f\u00fcr den Klimawandel verantwortlich ist? Richtig. Seit 2005 gibt es in der Europ\u00e4ischen Union das Emissionshandelssystem EHS. Es ist das wichtigste klimapolitische Instrument und soll den Aussto\u00df von CO2 deutlich senken. J\u00fcngste Zielmarke ist eine Reduktion bis 2030 um 40 Prozent im Vergleich zum Basisjahr 1990. Die Idee dahinter scheint simpel: Dadurch, dass die Emission von CO2 in die Atmosph\u00e4re mit einem Preis belegt wird, erhalten die Unternehmen einen Anreiz, in emissions\u00e4rmere Technologien zu investieren. So k\u00f6nnten sie Kosten sparen und gleichzeitig das Klima schonen.<\/p>\n<p>Doch das funktioniert nicht so recht. Zum einen weil zu viele Zertifikate kostenlos ausgegeben werden, sodass die Unternehmen keinen Anreiz haben, in den Klimaschutz zu investieren. \u00dcbersch\u00fcssigen Papiere k\u00f6nnen sie am Markt verkaufen. Zum anderen weil es gerade f\u00fcr die erw\u00e4hnten energieintensiven Branchen zus\u00e4tzliche Ausnahmen gibt. Die PolitikerInnen und Unternehmen f\u00fcrchten, sonst im globalen Konkurrenzkampf zu unterliegen. Und drittens schlagen die Unternehmen die vermeintlichen Zusatzkosten f\u00fcr die Investitionen in den Klimaschutz einfach auf den Preis f\u00fcr ihre KundInnen drauf. Die CE Delft-Studie beziffert die Zusatzgewinne aus dieser Praxis auf 15,3 Milliarden Euro f\u00fcr den Zeitruam von 2008 bis 2014.<\/p>\n<p>Die Erhebung ist \u00fcbrigens nicht die erste, die diese Praxis aufzeigt. Angaben des Bundesumweltministeriums zufolge haben Unternehmen im Jahr 2005 Gewinne zwischen sechs und acht Milliarden Euro zulasten der StromverbraucherInnen gemacht. F\u00fcr die zweite EHS-Handelsperiode von 2008 bis 2012 wurde dieser Gewinn gar auf 23 bis 71 Milliarden Euro gesch\u00e4tzt.<\/p>\n<h3>Zwar wird weniger CO2 ausgesto\u00dfen\u2026<\/h3>\n<p>Das EHS ist also ein prima Gesch\u00e4ft f\u00fcr die Konzerne. Aber wird das eigentliche Ziel \u2013 die Eind\u00e4mmung des Klimawandels \u2013 erreicht? Die eingangs erw\u00e4hnte Meldung deutete bereits Zweifel an. Dieser zufolge haben hohe Stromexporte, eine k\u00fchlere Witterung und g\u00fcnstigere Kraftstoffpreise 2015 in Deutschland zu einem leichten Anstieg der Treibhausgas-Emissionen gef\u00fchrt. Demnach stiegen die Emissionen im Vergleich zum Vorjahreswert um sechs Millionen Tonnen auf insgesamt 908 Millionen Tonnen Kohlendioxid-\u00c4quivalente, wie das Bundesumweltministerium und das Umweltbundesamt mitteilten. Das entspricht einem Plus um 0,7 Prozent. In der Industrie stieg der Aussto\u00df von Treibhausgasen im vergangenen Jahr um 0,8 Millionen Tonnen Kohlendioxid-\u00c4quivalente. Die Kohlendioxid-\u00c4quivalente bezeichnen die Klimawirksamkeit der Treibhausgase. Insgesamt gesehen ist Deutschland vom dem Ziel, die Klimagase bis 2020 im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent zu reduzieren noch ein gutes St\u00fcck entfernt. Die Reduktion betr\u00e4gt derzeit 27,2 Prozent.<\/p>\n<p>Das sind allgemeine Zahlen, es l\u00e4sst sich jedoch auch einsch\u00e4tzen, welche Auswirkungen das Instrument EHS hatte. So sind zwischen 2005 und 2007 die CO2-Emissionen im EHS-Sektor um 1,9 Prozent gestiegen, w\u00e4hrend sich die Gesamtbilanz verbesserte. F\u00fcr Deutschland lauten die Zahlen: R\u00fcckgang um zwei Prozent insgesamt, Zunahme im EHS-Bereich um 2,7 Prozent.<\/p>\n<h3>\u2026 aber nicht in Branchen, die mit Emissionen handeln<\/h3>\n<p>Auch die Minderung der europ\u00e4ischen Treibhausgase in den folgenden Jahren ist auf andere Faktoren als das EHS zur\u00fcckzuf\u00fchren. Zum einen ist die Rezession infolge der Wirtschaftskrise hierf\u00fcr verantwortlich, zum anderen liegt die Verminderung des Aussto\u00dfes im Jahr 2011 um 2,5 Prozent laut der Europ\u00e4ischen Umweltagentur EEA vor allem am milden Winter und der Erschlie\u00dfung erneuerbarer Energien. Ihr Anteil am Energiemix ist auch im vergangen Jahr gestiegen.<\/p>\n<p>Hinzu kommt das Problem der sogenannten importierten Emissionen. Diese entstehen durch Verlagerungen von Produktionsst\u00e4tten in den globalen S\u00fcden und die Einf\u00fchrung der dort gefertigten Waren nach Europa. Die dabei entstandenen Emissionen werden nicht auf das Konto der EU gebucht. Eine Studie, die im US-Wissenschaftsfachblatt Proceedings of the National Academy of Sciences ver\u00f6ffentlicht wurde, sch\u00e4tzt, dass in einigen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern die Emissionen durch ausgelagerte Produktion mehr als 30 Prozent ausmachen.<\/p>\n<h3>Das Emissionshandelssystem ist verkehrt und sch\u00e4dlich<\/h3>\n<p>Ein vernichtendes Zeugnis stellte dem EHS vor wenigen Jahren eine Studie der Schweizer Bank UBS aus. Der Studie zufolge k\u00f6nnten die Inhaber der Zertifikate bis 2025 ganze 210 Milliarden Euro Extragewinne aus dem Verkauf \u00fcbersch\u00fcssiger Rechte erzielen, w\u00e4hrend der Beitrag zum Klimaschutz gegen Null tendiere. W\u00fcrde dieses Geld direkt in klimaschonende Technologien investiert, etwa in Kraftwerke oder Windr\u00e4der, w\u00e4re eine Verminderung der Emissionen um 40 Prozent m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Nichts spricht also f\u00fcr das EHS, es ist ein verkehrtes Instrument. Ironischerweise hat das die EU auch schon mal so gesehen. Bei den Verhandlungen zum Kyoto-Protokoll wehrte sich die EU zun\u00e4chst gegen den marktwirtschaftlichen Klimaschutz, den die USA bef\u00fcrworteten. Inzwischen ist das auf Schaffung neuer M\u00e4rkte basierende Klimaschutzmodell der EU zum Vorbild f\u00fcr viele Staaten geworden. Auch sie haben Emissionshandelssysteme eingef\u00fchrt. Sie passen nur zu gut in den Mainstream, der sich von Marktkr\u00e4ften und Wachstum selbst die L\u00f6sung \u00f6kologischer Probleme erhofft. Zwar hat die EU mittlerweile Reformen angesto\u00dfen, um das EHS zu reformieren. Doch die sind so zaghaft, dass sich nicht wirklich etwas \u00e4ndert.<\/p>\n<p>aus: <a href=\"https:\/\/oxiblog.de\/emissionshandel\/\">Oxiblog.de<\/a>, 22.03.2016<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Emissionshandel verschafft den klimasch\u00e4dlichsten Industrien Milliardengewinne. Der CO2-Aussto\u00df in diesen Branchen steigt. War das nicht eigentlich anderes gedacht? 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