{"id":1089,"date":"2016-06-22T20:31:49","date_gmt":"2016-06-22T18:31:49","guid":{"rendered":"http:\/\/guidospeckmann.de\/?p=1089"},"modified":"2016-07-11T20:36:34","modified_gmt":"2016-07-11T18:36:34","slug":"mehr-geld-fuer-die-vermoegensmaerkte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidospeckmann.de\/?p=1089","title":{"rendered":"Mehr Geld f\u00fcr die Verm\u00f6gensm\u00e4rkte"},"content":{"rendered":"<div class=\"Article-Header\">\n<h2>Obwohl die EZB 2012 die Eurozone vor einer Vertiefung der Krise bewahrt hat, ist ihre Politik des billigen Geldes h\u00f6chst problematisch<\/h2>\n<\/div>\n<div class=\"Content\">\n<div class=\"Lead\">Ziel der EZB ist die Bek\u00e4mpfung der Deflation. Doch ihre Wirtschaftspolitik konterkariert diese Bem\u00fchungen. Und ihre Geldpolitik sorgt ausschlie\u00dflich auf den Verm\u00f6gensm\u00e4rkten f\u00fcr Inflation.<\/div>\n<\/div>\n<p><!--more--><\/p>\n<div class=\"Lead\">Jenseits des diffizilen juristischen Streits: Was ist von der Krisenpolitik der Europ\u00e4ischen Zentralbank (EZB) zu halten? Die Antworten hierauf gehen weit auseinander &#8211; mitunter auch in der Linken. Grob gesagt stehen sich zwei Positionen gegen\u00fcber. Die einen halten der EZB zumindest zugute, durch ihre geldpolitische Lockerung ein weiteres Abrutschen in die Rezession verhindert zu haben und durch die Anleihenk\u00e4ufe immerhin f\u00fcr einen gewissen Ausgleichsmechanismus zwischen den konkurrierenden Nationalstaaten unter dem Dach einer gemeinsamen W\u00e4hrung zu sorgen. Die anderen kritisieren, dass die Nullzinspolitik und das Aufkaufen von Staats- und Unternehmensanleihen zu einer Verm\u00f6genspreisinflation &#8211; und damit zu weiteren Instabilit\u00e4ten auf den Finanzm\u00e4rkten f\u00fchrt.<\/div>\n<div class=\"Lead\">\n<p>Doch worin besteht die Krisenpolitik der EZB eigentlich? Salopp formuliert darin, alle \u00bbGeldschleusen\u00ab zu \u00f6ffnen, die bis dato geschlossen waren, sprich die M\u00e4rkte mit Euros zu fluten. Alles in der Hoffnung, dass dies die Banken dazu anregt, Kredite an Unternehmen zu vergeben, die dann in die Ausweitung ihrer Produktion investieren, Arbeitspl\u00e4tze schaffen und letztlich wieder f\u00fcr Wachstum sorgen. Konkret senkte die EZB ihren Leitzins schrittweise bis auf Null. Sie f\u00fchrte sogar Strafgeb\u00fchren f\u00fcr Banken ein, die bei ihr Geld parken. \u00dcberdies unterst\u00fctzte EZB-Pr\u00e4sident Mario Draghi die Banken mit Notkrediten zu Mini-Zinsen &#8211; und im Mai 2010 begann die Zentralbank erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen auf den Sekund\u00e4rm\u00e4rkten, was als Vorl\u00e4ufer des Outright Monetary Transactions-Programms (OMT) gelten kann, \u00fcber welches das Bundesverfassungsgericht jetzt urteilte.<\/p>\n<p>Diese Politik ist nicht denkbar ohne die globale Finanzkrise von 2008\/09. Sie markiert f\u00fcr die Notenbanken in den fortgeschrittenen kapitalistischen L\u00e4ndern eine Z\u00e4sur, zumal in Europa. Die Krise wiederum ist nicht ohne den strukturellen Trend zur \u00dcberakkumulation von Kapital zu verstehen. Die Verwertungsbedingungen des Kapitals in der realen Produktion sind so gering, dass es in die Finanzsph\u00e4re str\u00f6mt. Auf den deregulierten Finanzm\u00e4rkten kommt es jedoch immer wieder zu Krisen, die auch auf die Produktionssph\u00e4re zur\u00fcckschlagen. 2008 sprang der Staat den implodierenden Banken zur Seite und vergesellschaftete deren Schulden &#8211; um den Preis der Ausdehnung seines eigenen Schuldenstandes.<\/p>\n<p>Das war ein Grund f\u00fcr die Staatsschuldenkrise in der Eurozone. Als diese sich trotz der beschriebenen EZB-Ma\u00dfnahmen 2012 weiter zuspitzte, beendete Draghi diese durch die Ank\u00fcndigung des OMT-Programms. Doch viel mehr Positives l\u00e4sst sich nicht erkennen. In ihrem aktuellen Monatsbericht versucht die Bundesbank, die Effekte der expansiven EZB-Politik abzusch\u00e4tzen. Unterschiedlichen Simulationsrechnungen zufolge k\u00f6nnten die Billionenprogramme entweder sehr kleine oder mittelgro\u00dfe Effekte auf das Wirtschaftswachstum und die Inflationsrate im Euroraum haben. Die Bundesbank weist selbst auf die Unsicherheit ihrer Berechnungen hin. Da die Inflationsrate jedoch seit zwei Jahren mit um die null Prozent deutlich unter dem angestrebten Ziel von zwei Prozent Inflation liegt, ist offenkundig, dass die EZB dieses Ziel nicht erreicht hat. Auch das Wirtschaftswachstum bleibt hinter den Erwartungen zur\u00fcck. Hinzu kommen die starken regionalen Unterschiede.<\/p>\n<p>Der Grund hierf\u00fcr liegt nicht zuletzt darin, dass die EZB ihre eigene Politik durch die faktische Anordnung von harten Austerit\u00e4tsprogrammen konterkariert &#8211; als Mitglied der Troika in Griechenland oder durch rigide Spar- und Sozialabbauprogramme, die Italien, Portugal und Irland im Gegenzug f\u00fcr Unterst\u00fctzung in der Anleihekrise umsetzen mussten. Auf diese Weise wird die Kaufkraft breiter Bev\u00f6lkerungsschichten beschnitten. So lange indes keine Umverteilung von oben nach unten durch ein anderes Steuersystem und staatliche Ausgabenprogramme eingeleitet wird, wird die expansive Geldpolitik nicht zu mehr Investitionen f\u00fchren. Im Gegenteil, die Inflation entsteht dort, wo sie &#8211; siehe 2008 &#8211; die Krisengefahr erh\u00f6ht: auf den Verm\u00f6gensm\u00e4rkten.<\/p>\n<p>Der expansive geldpolitische Kurs der EZB mag die Eurozone somit kurzfristig vor Schlimmerem bewahrt haben. Doch langfristig ist der Kurs h\u00f6chst problematisch &#8211; es sei denn, er wird durch eine expansive Fiskalpolitik, Umverteilung sowie eine gemeinsame europ\u00e4ische Sozial- und Wirtschaftsunion erg\u00e4nzt, die auf dem Solidarprinzip anstatt auf nationalen Egoismen fu\u00dft.<\/p>\n<p>aus: <a href=\"https:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/1016094.mehr-geld-fuer-die-vermoegensmaerkte.html?sstr=Speckmann\">neues deutschland<\/a>, 22.06.2016<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Obwohl die EZB 2012 die Eurozone vor einer Vertiefung der Krise bewahrt hat, ist ihre Politik des billigen Geldes h\u00f6chst problematisch Ziel der EZB ist die Bek\u00e4mpfung der Deflation. 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