{"id":1115,"date":"2016-11-13T16:40:43","date_gmt":"2016-11-13T15:40:43","guid":{"rendered":"http:\/\/guidospeckmann.de\/?p=1115"},"modified":"2016-12-27T16:43:47","modified_gmt":"2016-12-27T15:43:47","slug":"keine-krisen-an-der-uni","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidospeckmann.de\/?p=1115","title":{"rendered":"Keine Krisen an der Uni"},"content":{"rendered":"<h2>Neue Studie bem\u00e4ngelt theoretische Monokultur in den Wirtschaftswissenschaften<\/h2>\n<p>Wie begossene Pudel standen sie vor knapp zehn Jahren da. Kaum ein Volkswirt hatte die Finanz- und die Weltwirtschaftskrise vorausgesehen. Das lag nicht etwa am Unverm\u00f6gen der zahlreichen gut bezahlten Wissenschaftler an den Universit\u00e4ten und Instituten, sondern weil diese in ihrer \u00fcberwiegenden Mehrheit bis heute einer einzelnen \u00f6konomischen Lehre anh\u00e4ngen: der neoklassischen. <!--more-->Und diese, so nur ein Kritikpunkt einer bereits 2000 in Paris entstandenen studentischen Initiative, sei unf\u00e4hig, Krisen vorauszusagen. Zum Beispiel weil Krisen in der Neoklassik, auf die auch der Neoliberalismus aufbaut, keine Rolle spielen. Vielmehr werde von einem Gleichgewichtszustand ausgegangen. \u00dcberdies ist die relative Verselbstst\u00e4ndigung der deregulierten Finanzm\u00e4rkte &#8211; Ausl\u00f6ser der Krise 2008 &#8211; nicht Gegenstand der Forschung.<\/p>\n<p>Inzwischen ist aus der studentischen Kritik eine kleine internationale Bewegung geworden. In \u00fcber 30 L\u00e4ndern gibt es Studierendengruppen; 2014 brachte ein Aufruf das Unbehagen am Zustand der Volkswirtschaftslehre, die auch als tr\u00fcbsinnige Wissenschaft bezeichnet wird, weil in ihr eine Verbesserung des Lebensstandards keine Rolle spielt, auf den Punkt. In Deutschland firmiert die Initiative unter dem Namen \u00bbNetzwerk Plurale \u00d6konomik\u00ab und hat ihren Sitz in Heidelberg. Am Donnerstag ver\u00f6ffentlichte der Verein, finanziert von der Hans-B\u00f6ckler-Stiftung und in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern von der Universit\u00e4t Kassel, eine Bestandsaufnahme der Pluralit\u00e4t in der volkswirtschaftlichen Lehre in Deutschland.<\/p>\n<p>Das Ergebnis der sogenannten EconPLUS-Studie ist wenig schmeichelhaft. Der Kritik von Studierenden und auch seitens der \u00d6ffentlichkeit an der theoretischen Monokultur im H\u00f6rsaal stimmen die Professoren, Dozenten und Lehrbeauftragten (588 an 54 deutschen Unis wurden befragt) zwar mit gro\u00dfer Mehrheit zu. 84 Prozent der Befragten w\u00e4ren tendenziell sogar bereit, ihre Lehre plural auszurichten. Allein: Daraus folgt mitnichten, dass diese auch keynesianische, marxistische oder \u00f6kologische Zug\u00e4nge in ihren Lehrveranstaltungen vermitteln (weitaus offener f\u00fcr solche Ans\u00e4tze sind \u00fcbrigens Frauen).<\/p>\n<p>Als Gr\u00fcnde werden in der Studie der Umfang des Pflichtstoffs, personelle Engp\u00e4sse und die \u00bbleistungsorientierte Organisationsroutinen der modernen Universit\u00e4t\u00ab angegeben. Studienautor Frank Beckenbach von der Uni Kassel nennt noch einen weiteren Grund: \u00bbWelcher Lehrende wird bereit sein, sich \u00fcber die Vorgaben der Modulhandb\u00fccher hinwegzusetzen?\u00ab Gerade Dozenten mit befristeten Vertr\u00e4gen w\u00fcrden in diesem Fall mit Klagen von Studierenden rechnen, die auf das Einhalten der Modulvorgaben pochen k\u00f6nnten. Beckenbach wirft daher die Frage auf, \u00bbinwieweit die eindeutig einseitige und verbindliche Vorgabe von speziellen Sichtweisen innerhalb der Modulhandb\u00fccher nicht der verfassungsrechtlich gebotenen Freiheit in Forschung und Lehre widerspricht.\u00ab \u00dcberlegungen, dagegen zu klagen, gibt es aber derzeit nicht, sagt Christoph Gran, Mitglied des Netzwerkes Plurale \u00d6konomik auf nd-Nachfrage.<\/p>\n<p>Die Auswertung von Modulhandb\u00fcchern ist der zweite Schwerpunkt von EconPLUS. Die Ergebnisse unterstreichen die Ergebnisse der Umfrage unter den Lehrenden. Ganz klar l\u00e4sst sich ein neoklassischer Mainstream identifizieren. Deshalb res\u00fcmiert Gran: \u00bbDie Studierenden bekommen nur wenige M\u00f6glichkeiten, \u00fcber den Tellerrand der traditionellen \u00d6konomik in die Vielfalt der Theorieans\u00e4tze zu blicken.\u00ab<\/p>\n<p>aus: neues deutschland, 11.11.2016<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.pluralowatch.de\/econplus\" target=\"_blank\">www.pluralowatch.de\/econplus<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neue Studie bem\u00e4ngelt theoretische Monokultur in den Wirtschaftswissenschaften Wie begossene Pudel standen sie vor knapp zehn Jahren da. Kaum ein Volkswirt hatte die Finanz- und die Weltwirtschaftskrise vorausgesehen. 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