{"id":1117,"date":"2016-11-26T16:44:15","date_gmt":"2016-11-26T15:44:15","guid":{"rendered":"http:\/\/guidospeckmann.de\/?p=1117"},"modified":"2016-12-27T16:45:46","modified_gmt":"2016-12-27T15:45:46","slug":"toedlich-unsichtbar-subventioniert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidospeckmann.de\/?p=1117","title":{"rendered":"T\u00f6dlich, unsichtbar, subventioniert"},"content":{"rendered":"<h2>Durch Luftverschmutzung sterben in Europa j\u00e4hrlich rund 467\u2005000 Menschen<\/h2>\n<p>Es ist ein unsichtbarer, staatlich subventionierter Tod, der jedes Jahr in Europa ungef\u00e4hr 467 000 Menschen vorzeitig ereilt. Die Opfer sterben an dem, was bei Dieselautos aus dem Auspuff oder bei Kohlekraft- und Industriewerken aus den Schloten kommt: Stickstoffoxide und Feinstaub.<!--more--><\/p>\n<p>Diese Zahl nennt die Europ\u00e4ische Umweltagentur (EUA) in ihrem am Mittwoch in Kopenhagen ver\u00f6ffentlichten j\u00e4hrlichen Bericht zur Luftqualit\u00e4t, der sich auf Messungen in mehr als 400 St\u00e4dten aus dem Jahr 2014 st\u00fctzt. Demnach mussten 85 Prozent der st\u00e4dtischen Bev\u00f6lkerung eine Feinstaubbelastung in Kauf nehmen. Der Weltgesundheitsorganisation zufolge ist diese sch\u00e4dlich, weil sie zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Asthma und Lungenkrebs f\u00fchrt oder diese Erkrankungen verschlimmert.<\/p>\n<p>Insgesamt sei die Qualit\u00e4t der Luft jedoch besser geworden. \u00bbWir sehen eine langsame Verbesserung der Luftqualit\u00e4t, wo Kohlekraftwerke geschlossen und mehr auf erneuerbare Energien gesetzt wird\u00ab, sagte der Leiter der Untersuchung, Martin Adams. Ihm zufolge seien in der Industrie deutliche Reduzierungen der Emission messbar, w\u00e4hrend andere Bereiche wie die privaten Haushalte vernachl\u00e4ssigt w\u00fcrden. Fraglich ist jedoch, ob der R\u00fcckgang im Industriebereich auch auf die Verlagerung von schmutzigen Industrien in die L\u00e4nder des Globalen S\u00fcdens zur\u00fcckgeht. Zwar verbessert sich dann die Luftqualit\u00e4t in Europa. F\u00fcr den hiesigen, keineswegs geringer werdenden Konsum leiden indes andernorts die Menschen unter den Emissionen. Ein klassischer Fall von Externalisierung von Umweltbelastungen.<\/p>\n<p>Der Verkehr ist Adams zufolge in Deutschland, Gro\u00dfbritannien, den Niederlanden und Griechenland zum gro\u00dfen Teil f\u00fcr die schlechte Luft verantwortlich. Daher forderte er die L\u00e4nder auf, st\u00e4rker auf Ma\u00dfnahmen wie Fahrverbote zu setzen und alte Autos aus den Innenst\u00e4dten zu verbannen.<\/p>\n<p>Als weitere Hauptursache f\u00fcr Luftverschmutzung wird von der EUA die Landwirtschaft genannt. F\u00fcr die Nahrungsmittelproduktion durch Feldwirtschaft und Nutztierhaltung werden D\u00fcnger und andere chemische Hilfsmittel eingesetzt, die einen negativen Einfluss auf die Luftqualit\u00e4t haben. Zu pr\u00e4zisieren w\u00e4re, dass es sich nicht um die Landwirtschaft an sich handelt, sondern um jene in ihrer industriellen und auf m\u00f6glichst gro\u00dfe Ertr\u00e4ge abzielenden Form.<\/p>\n<p>EUA-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Hans Bruyninckx zog aus dem j\u00fcngsten Bericht noch weitergehende Konsequenzen. Er forderte einen grundlegenden und innovativen Wandel unserer Mobilit\u00e4ts-, Energie- und Nahrungsmittelsysteme.<\/p>\n<p>Ob dazu die am Mittwoch im Europaparlament verabschiedeten versch\u00e4rften Grenzwerte zur Luftqualit\u00e4t ausreichen, ist eher zweifelhaft. Diesen zufolge soll etwa der Aussto\u00df von Feinstaub bis zum Jahr 2030 um 49 Prozent reduziert werden gegen\u00fcber dem Aussto\u00df im Jahr 2005. Die von Dieselfahrzeugen ausgesto\u00dfenen Stickoxide sollen um 63 Prozent sinken. Umweltzonen und die Grenzwerte f\u00fcr in der Luft vorhandenen Feinstaub sind von der Gesetzes\u00e4nderung nicht betroffen.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnen zumindest kritisieren die ge\u00e4nderten Grenzwerte und stimmten gegen die \u00dcberarbeitung der Richtlinie. Begr\u00fcndung: zu niedrige Grenzwerte und die Ausklammerung wichtiger Schadstoffe. Martin H\u00e4usling, umweltpolitischer Sprecher der Gr\u00fcnen\/EFA-Fraktion, sagte: \u00bbDie Richtlinie enth\u00e4lt etliche Schlupfl\u00f6cher, die es den Mitgliedstaaten erlauben, sich der Verantwortung zu entziehen.\u00ab Die Minderungsziele f\u00fcr Ammoniak w\u00fcrden herabgesetzt und Methan sei aus dem Schadstoffkatalog sogar gestrichen worden. \u00bbDabei ist wissenschaftlich erwiesen\u00ab, so H\u00e4usling, \u00bbdass Ammoniak-Emissionen, die zu 95 Prozent aus der Landwirtschaft kommen, ein wichtiger Vorl\u00e4uferstoff von Feinstaub sind, damit f\u00fcr dicke Luft in den St\u00e4dten sorgt und zur Bodenversauerung beitr\u00e4gt\u00ab. Ihm zufolge profitiert insbesondere die Automobilindustrie von den abgeschw\u00e4chten Reduktionszielen.<\/p>\n<p>Die Autoindustrie gerade in Deutschland profitiert zudem von der Rekordsubventionierung umweltsch\u00e4dlichen Verhaltens &#8211; man k\u00f6nnte auch sagen von staatlichen F\u00f6rderungen, die zum Tod von Menschen f\u00fchren. Vor etwa einem Monat hatte das Umweltbundesamt die Summe von 50 Milliarden Euro pro Jahr genant. Den gr\u00f6\u00dften Anteil haben seit Jahren die Unterst\u00fctzungen im Verkehrssektor &#8211; Stichwort Steuerverg\u00fcnstigungen auf Diesel, Pendlerpauschale, Dienstwagenprivileg, und Steuerbefreiung von Kerosin.<\/p>\n<p>Der Verkehrssektor machte auch am Mittwoch von sich reden. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat nach neuen Tests drei Dieselmodelle von Fiat, Renault und Daimler beanstandet. Bei von der DUH in Auftrag gegebenen Messungen seien hohe Grenzwert\u00fcberschreitungen bei Stickoxiden (NOx) festgestellt worden.<\/p>\n<p>Derweil reifen in Wolfsburg &#8211; dem Sitz des Diesel-S\u00fcnders schlechthin &#8211; \u00dcberlegungen, den US-Markt f\u00fcr VW-Dieselmodelle komplett abzuschreiben. \u00bbWir gehen derzeit davon aus, dass wir in den USA keine neuen Dieselfahrzeuge mehr anbieten\u00ab, sagte Markenchef Herbert Diess der Zeitung \u00bbHandelsblatt\u00ab. Grund daf\u00fcr seien die gesetzlichen Rahmenbedingungen. Diese sind bekanntlich strenger als hierzulande. Gut f\u00fcr die USA, schlecht f\u00fcr Europa.<\/p>\n<p>aus: <a href=\"https:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/1033239.toedlich-unsichtbar-subventioniert.html?sstr=Guido|Speckmann\">neues deutschland<\/a>, 24.11.2016<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Durch Luftverschmutzung sterben in Europa j\u00e4hrlich rund 467\u2005000 Menschen Es ist ein unsichtbarer, staatlich subventionierter Tod, der jedes Jahr in Europa ungef\u00e4hr 467 000 Menschen vorzeitig ereilt. 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