{"id":1128,"date":"2017-01-21T16:47:26","date_gmt":"2017-01-21T15:47:26","guid":{"rendered":"http:\/\/guidospeckmann.de\/?p=1128"},"modified":"2017-11-03T11:36:58","modified_gmt":"2017-11-03T10:36:58","slug":"wenn-die-elite-den-markt-anprangert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidospeckmann.de\/?p=1128","title":{"rendered":"Wenn die Elite den Markt anprangert"},"content":{"rendered":"<h2>\u00dcber Kapitalismuskritik auf dem Weltwirtschaftsforum und was das f\u00fcr die Linke bedeutet<\/h2>\n<p>Verkehrte Welt: Hedgefonds-Manager, Verm\u00f6gensverwalter, Banker und Konzernbosse kritisieren das Kurzfristdenken in der \u00d6konomie und fordern eine bessere Verteilung von Wachstumsgewinnen sowie eine Reform des \u00bbMarkt-Kapitalismus\u00ab. Das kapitalistische Wirtschaftsmodell funktioniere nicht mehr f\u00fcr die Menschen, meint Klaus Schwab, Gr\u00fcnder und Leiter des Weltwirtschaftsforums in Davos. Schuld daran seien \u00bbdie allgegenw\u00e4rtige Korruption, kurzfristiges Denken und die ungleiche Verteilung der Wachstumsertr\u00e4ge\u00ab. <!--more-->So steht es im soeben ver\u00f6ffentlichten Global Risk Report 2017. Dieser wird von der globalen Elite jedes Jahr erstellt und dient dem derzeit tagenden Forum als Diskussionsgrundlage.<\/p>\n<div class=\"Content-Ad\">Ist die Unternehmerklasse pl\u00f6tzlich ins Lager der Kapitalismuskritiker \u00fcbergelaufen? Pl\u00f6tzlich nicht wirklich. Bereits im Juli erschien in der \u00bbFinancial Times\u00ab eine ganzseitige Anzeige, in der unter anderem Vertreter des gr\u00f6\u00dften Verm\u00f6gensverwalter Blackrock, der Investmentbank JP Morgan und von General Motors Kritik am jetzigen Wirtschaftsmodell \u00fcbten: \u00bbUnsere Finanzm\u00e4rkte sind mittlerweile zu besessen von viertelj\u00e4hrlichen Gewinnprognosen.\u00ab Ihr Ziel: eine gute Unternehmensf\u00fchrung, die unter anderem durch eine Abkehr vom Schielen auf den schnellen Profit erreicht werden soll. Die Anzeige war Teil einer Kampagne, die 13 der einflussreichsten Konzernchefs und Investoren nach langen Diskussionen in einem Papier ver\u00f6ffentlicht hatten. Und das war nicht das erste Mal, dass sich das Big Business in den USA in diesem Sinne zu Wort meldete und ein Kapitalismus-Modell anmahnte, dass Bev\u00f6lkerungsschichten ein- anstatt ausschlie\u00dft.<\/div>\n<p>Auch in Deutschland gibt es dieses Bewusstsein, doch man muss etwas weiter zur\u00fcckgehen. Bis ins das Jahr 2008, als die Lehman Brothers-Bank die globale \u00d6konomie mit in die Tiefe riss. Eingefleischte Marktradikale waren \u00fcber Nacht f\u00fcr staatliche Sozialisierungen &#8211; allerdings der Verluste. Konservative begannen zu glauben, dass die Linke doch recht hat. F\u00fcr die Linke wurde das ein Problem, weil sie ihr Alleinstellungsmerkmal Kapitalismuskritik verlor. In der \u00bbFrankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung\u00ab hie\u00df es: \u00bbDeshalb klingen die Appelle der IG Metall, in denen grenzenlose Profitgier gegei\u00dfelt wird, nicht mehr anders als die Beitr\u00e4ge eines Volksbankenfunktion\u00e4rs, der bei Maybrit Illner dem Gewinnstreben abschw\u00f6rt. Die CSU kommt inzwischen mit ihren Anti-Manager-Tiraden daher wie Attac im Trachtenanzug und gewinnt damit Popularit\u00e4t.\u00ab<\/p>\n<p>Den Davos-Bericht kann man somit als j\u00fcngstes Indiz f\u00fcr eine Hegemoniekrise des neoliberalen Kapitalismus deuten. Er ist Ausdruck des wachsenden Bewusstseins der Elite, dass ein Business as usual nicht mehr weiterf\u00fchrt. Das belegen j\u00fcngst auch Befragungen von hohen Managern: Unter ihnen ist die Skepsis an der Globalisierung gewachsen. Hinzu kommt das schwindende Vertrauen der Menschen weltweit in die Elite &#8211; siehe Brexit-Votum und die Wahl Donald Trumps zum US-Pr\u00e4sidenten. Freilich geht es den Kapitaleigent\u00fcmern und Politikern in Davos nicht um eine fundamentale Kritik des Kapitalismus, sondern vielmehr um seine langfristige Bewahrung. Offenkundig aber sind manche unter ihnen bereit, daf\u00fcr Reformen und Umverteilung in Kauf zu nehmen, die ihre Profitmargen kurzfristig schm\u00e4lern.<\/p>\n<p>Die kapitalismuskritische Linke steht indes vor einem Problem: Wie unterscheidet sich ihre Kapitalismuskritik von der liberalen oder rechtspopulistischen? M\u00fcsste nicht dann, wenn das b\u00fcrgerliche Lager selbst die Ausw\u00fcchse und Fehlentwicklungen des Kapitalismus kritisiert, die Linke ihre Kritik radikalisieren? Im w\u00f6rtlichen Sinne von an die Wurzel gehen, wie es die Marxsche Kritik der politischen \u00d6konomie mit ihrer Kritik des \u00bbidealen Durchschnitts\u00ab beansprucht zu sein. Es k\u00f6nnte sich als Fehler herausstellen, was Teile der Linken in den vergangen Jahrzehnten einte: die Kritik der neoliberale Form des Kapitalismus. Denn dar\u00fcber ist die Kritik des Kapitalismus an sich in den Hintergrund geraten. Das sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe. Die Alternative zum Neoliberalismus ist beispielsweise ein sozialstaatlich regulierter Kapitalismus, die zum Kapitalismus eine Produktionsweise, an der das Eigentum an den wichtigsten Produktionsmitteln aufgehoben ist. Zugespitzt formuliert: Die Kritik des Neoliberalismus seitens der Linken war ein Fehler. Worauf es ankommt, ist die Verbindung der Kritik einer historisch-spezifischen Form des Kapitalismus mit jener des \u00bbidealen Durchschnitts\u00ab.<\/p>\n<p>aus: <a href=\"https:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/1039042.wenn-die-elite-den-markt-anprangert.html?sstr=Speckmann\">neues deutschland<\/a>, 19.01.2017<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber Kapitalismuskritik auf dem Weltwirtschaftsforum und was das f\u00fcr die Linke bedeutet Verkehrte Welt: Hedgefonds-Manager, Verm\u00f6gensverwalter, Banker und Konzernbosse kritisieren das Kurzfristdenken in der \u00d6konomie und fordern eine bessere Verteilung von Wachstumsgewinnen sowie eine Reform des \u00bbMarkt-Kapitalismus\u00ab. 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