{"id":1204,"date":"2017-11-15T19:45:26","date_gmt":"2017-11-15T18:45:26","guid":{"rendered":"http:\/\/guidospeckmann.de\/?p=1204"},"modified":"2017-12-01T19:47:28","modified_gmt":"2017-12-01T18:47:28","slug":"die-konzerne-schwimmen-in-geld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidospeckmann.de\/?p=1204","title":{"rendered":"Die Konzerne schwimmen in Geld"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr die magische 13.000-Z\u00e4hler-Marke reichte es bis zum Redaktionsschluss noch nicht. Der Deutsche Aktienindex (Dax) hat im Oktober neue Rekorde aufgestellt. Kurzzeitig knackte er sogar die magische H\u00f6he von 13.000 Punkten, auch wenn die 13.000-er Marke f\u00fcr den Dax eine \u00bbharte Nuss\u00ab bleibt, wie sich ein B\u00f6rsenexperte es ausdr\u00fcckte. Das Allzeithoch des B\u00f6rsenindex, in dem die 30 gr\u00f6\u00dften und umsatzst\u00e4rksten deutschen Unternehmen erfasst sind, spiegelt wider, was f\u00fcr den Preis einer Aktie allgemein gilt: <!--more-->Je h\u00f6her er ist, desto mehr verspricht sich der Halter der Unternehmensanleihe bei der j\u00e4hrlichen Dividendenaussch\u00fcttung. Oder einfach ausgedr\u00fcckt: Je h\u00f6her der Aktienkurs eines Konzerns, desto h\u00f6her der Profit in der Zukunft.<\/p>\n<p>In der Tat haben die 30 Dax-Unternehmen bereits im letzten Jahr Rekordgewinne erzielen k\u00f6nnen. Und die bisherigen Quartalsberichte deuten darauf hin, dass das 2017 nicht anders sein wird. Ein weiteres Indiz daf\u00fcr sind die hohen Aktienr\u00fcckk\u00e4ufe der Dax-Konzerne. Diese st\u00fctzen die Kurse und belohnen die Aktion\u00e4r_innen. Die Konzerne schwimmen in Geld.<\/p>\n<p>Gleichwohl gibt es Hinweise, dass es mit dem Aufw\u00e4rtstrend bald wieder vorbei sein k\u00f6nnte. Das ist einerseits banal. Kapitalistische \u00d6konomien befinden sich nie in einem Gleichgewicht, wovon die b\u00fcrgerliche \u00d6konomie ausgeht. Krisen sind ihr immanent. Marxist_innen sehen das Potenzial zur Krise bereits in der Warenproduktion angelegt. Denn ein Warenbesitzer kann sich niemals sicher sein, ob sein Produkt auf dem Markt auf zahlungskr\u00e4ftige Nachfrage sto\u00dfen wird. Finden die Waren keine K\u00e4ufer, kann eine Krise entstehen. Das k\u00f6nnen schwere globale Krisen sein oder schw\u00e4chere wie rezessive und depressive Phasen eines Konjunkturzyklus. Eines ist gewiss: Die n\u00e4chste Krise kommt bestimmt.<\/p>\n<p>In dieser Allgemeinheit ist diese Aussage jedoch andererseits recht wertlos. Was ist das Spezifische des derzeitigen Booms der Aktienkurse? Was deutet darauf hin, dass der Dax-Boom bald durch eine neue Krise beendet wird?<\/p>\n<p>Schauen wir auf die sogenannten Fundamentaldaten, das hei\u00dft die Prognosen zum Wirtschaftswachstum. Diesen zufolge soll die globale \u00d6konomie in den kommenden Monaten weiter wachsen. Das bedeutet f\u00fcr die global agierenden und stark exportorientierten deutschen Konzerne weiterhin gute Renditeaussichten. Zumal sie durch die deutsche Wirtschafts- und Sozialpolitik (Druck auf L\u00f6hne durch Hartz IV oder Leiharbeit bspw.) flankiert werden. Deutsche Waren verdr\u00e4ngen die anderer Anbieter_innen.<\/p>\n<p>Hinzu kommt die Niedrigzinspolitik der Europ\u00e4ischen Zentralbank. Die M\u00e4rkte werden mit billigem Kapital \u2013 der Zins ist der Preis f\u00fcr das Kapital \u2013 geflutet. Ein Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik ist trotz lauter Forderungen so bald nicht zu erwarten. Denn das Ziel einer Inflationsrate von knapp zwei Prozent im Euroraum ist nicht erreicht. Solange die Zinsen niedrig sind, gibt es kaum Alternativen zum Investment in Aktien. Die Folge: Es str\u00f6mt Geld in die Aktienm\u00e4rkte. Die Kurse steigen auch aus dem Grund, weil die Investor_innen es erwarten \u2013 nicht, weil die Fundamentaldaten eines Unternehmens oder einer Volkswirtschaft das nahelegen.<\/p>\n<p>In diesem Fall spricht man von rational spekulativen Blasen. Rational, weil der Investor annimmt, die Aktien zu einem h\u00f6heren Wert verkaufen zu k\u00f6nnen. Blase, weil die Kurse wenig mit konjunkturellen Basisdaten zu tun haben. Ein spekulativ getriebener Kurs freilich birgt die Gefahr, dass die Blase platzt \u2013 und die B\u00f6rse crasht. Derzeit gehen \u00d6konomen davon aus, dass der hohe Dax-Kurs zu einem Drittel auf spekulatives Kapital zur\u00fcckzuf\u00fchren ist.<\/p>\n<p>Au\u00dfer\u00f6konomische Risiken, wie geopolitische Konflikte, spielen \u00fcberdies eine Rolle. Der Atomkonflikt mit Nordkorea ist daf\u00fcr ein Beispiel, aber auch m\u00f6gliche Wahlerfolge von nationalistisch-populistischen Parteien in Europa, die den Aufl\u00f6sungsprozess der EU beschleunigen k\u00f6nnten. Eine j\u00fcngst von der Deutschen Bank publizierte Studie deutet letztere Gefahr sogar als Fr\u00fchwarnsignal f\u00fcr Krisen im Finanzsystem.<\/p>\n<p>Aber die Hauptthese der bemerkenswerten Studie lautet, dass binnen zwei Jahren mit einem neuen schweren Schock an den Finanzm\u00e4rkten zu rechnen ist. Begr\u00fcndung: Die Aufgabe der Goldbindung des Dollars und von festen Wechselkursen (Ende des Bretton-Woods-Systems 1973) habe die Frequenz von Finanzkrisen erh\u00f6ht. Drohende Krisen w\u00fcrden kontinuierlich mit monet\u00e4ren Stimuli bek\u00e4mpft, das reinigende Gewitter nicht zugelassen. Daraus folgt, dass Probleme in andere Bereiche des Finanzsystems verschoben w\u00fcrden, um sich dann in gr\u00f6\u00dferen und unkontrollierbaren Krisen zu entladen.<\/p>\n<p>So gesehen ist die Kursrallye des Dax nur Ausdruck eines verschobenen Problems des globalen Finanzkapitalismus, der sich eben mit dem Ende des Bretton-Woods-Systems und der neoliberalen Offensive herausgebildet hat.<\/p>\n<p>aus: analyse &amp; kritik <a href=\"https:\/\/www.akweb.de\/ak_s\/ak631\/index.htm\">Nr. 631<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr die magische 13.000-Z\u00e4hler-Marke reichte es bis zum Redaktionsschluss noch nicht. Der Deutsche Aktienindex (Dax) hat im Oktober neue Rekorde aufgestellt. 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