{"id":1235,"date":"2018-04-02T14:51:37","date_gmt":"2018-04-02T12:51:37","guid":{"rendered":"http:\/\/guidospeckmann.de\/?p=1235"},"modified":"2018-04-20T14:51:47","modified_gmt":"2018-04-20T12:51:47","slug":"auf-den-zusammenhang-kommt-es-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidospeckmann.de\/?p=1235","title":{"rendered":"Auf den Zusammenhang kommt es an"},"content":{"rendered":"<p><strong> Protektionismus und Freihandel k\u00f6nnen nicht isoliert bewertet werden. Eine Antwort auf Steffen Stierle und Wiljo Heinen (\u00bbnd\u00ab vom 9. und 21.3.)<\/strong><\/p>\n<p>Ein blindes Huhn findet auch einmal ein Korn, hei\u00dft es. Ist das Korn des US-Pr\u00e4sidenten eine neue Zollschranke? Einige Linke k\u00f6nnen den Handelsbeschr\u00e4nkungen von Donald Trump durchaus etwas Positives abgewinnen. So <a href=\"https:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/1081836.handelskrieg-mit-den-usa-kriegsende-in-sichtweite.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">meint Steffen Stierle<\/a>, darin ein Ende des neoliberalen Globalisierungsmodells an seine Grenzen sto\u00dfen zu sehen. Die einzig tragf\u00e4hige wirtschaftspolitische Konsequenz sei eine R\u00fcckbesinnung auf den Binnenmarkt. <!--more--><a href=\"https:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/1083030.strafzoelle-und-freihandel-auf-den-trump-gekommen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wiljo Heinen entgegnet dem<\/a>: Das deutsche Kapital werde nicht menschenfreundlicher, wenn es nur unter sich konkurriere, seine Gier nach Profit nicht geringer, wenn es nur zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen zu realisieren sei. Heinen h\u00e4lt nichts von Strafz\u00f6llen zur Beschr\u00e4nkung des Freihandels. Dieser allerdings wird von ihm zu unkritisch gesehen, wenn er schreibt: \u00bbIch lebe in einer Welt, die ohne internationalen Freihandel nicht denkbar w\u00e4re.\u00ab Doch weil die Welt so ist, wie sie ist, ist sie noch lange nicht vern\u00fcnftig eingerichtet.<\/p>\n<p>Der Debatte zur Handelspolitik mangelt es insgesamt an der isolierten Gegen\u00fcberstellung von Freihandel und Protektionismus. Letzteres wird meist als negativ dargestellt. Da ist auch etwas dran, wenn darunter nur das Schlie\u00dfen von Grenzen verstanden wird. In einer immer noch wesentlich durch Nationalstaaten gepr\u00e4gten Welt birgt das die Gefahr, dass sich protektionistische Bestrebungen nationalistisch und rassistisch artikulieren.<\/p>\n<p>Der Begriff Protektionismus kann aber auch mit den Worten von Marx bedeuten: Schutz vor \u00bballen destruktiven Erscheinungen, welche die freie Konkurrenz in dem Innern eines Landes zeitigt\u00ab und sich in \u00bbnoch riesigerem Umfang auf dem Weltmarkt\u00ab wiederholt. In diesem Sinne k\u00f6nnten protektionistische Ma\u00dfnahmen durchaus Sinn machen. Die entscheidende Frage dabei ist: Wer setzt den Schutz vor der globalen Universalisierung des kapitalistischen Marktes mit Z\u00f6llen, Einfuhrbeschr\u00e4nkungen etc. durch? Und in wessen Interesse tut er dies?<\/p>\n<p>Trump sagt, er will Jobs in der Stahlindustrie, die durch unfaire Handelspraktiken der Europ\u00e4er und Chinesen vernichtet worden seien, zur\u00fcckgewinnen. Doch ist das realistisch? Wohl kaum. Zwar m\u00f6gen infolge der Zollschranken ein paar neue Jobs im Rust Belt, der gr\u00f6\u00dften und \u00e4ltesten US-Industrieregion, entstehen. Aber die Stahlbranche wird bei Weitem nicht die Besch\u00e4ftigtenzahl von 200.000 erreichen, die sie vor 30 Jahren hatte. Das liegt daran, dass die Produktivit\u00e4t enorm gestiegen ist. Heute produzieren 85.000 Arbeiter das, was die 200.000 damals schufen. Die Jobverluste sind also neben weiteren Faktoren auf die erh\u00f6hte Produktivit\u00e4t und weniger auf gestiegene Importe in die USA zur\u00fcckzuf\u00fchren. Hinzu kommt: Es k\u00f6nnten Jobs in stahlverarbeitenden Wirtschaftsbereichen durch h\u00f6here Preise f\u00fcr Importe verloren gehen.<\/p>\n<p>Von Trumps Ma\u00dfnahmen profitieren also in erster Linie bestimmte Fraktionen des Kapitals in den Vereinigten Staaten. US-Stahlkonzerne d\u00fcrften sich \u00fcber h\u00f6here Renditen freuen. Das schlie\u00dft jedoch nicht aus, dass andere Kapitalfraktionen von Trumps Wirtschaftspolitik insgesamt noch in weitaus st\u00e4rkerem Ma\u00dfe profitieren. Durch seine Steuersenkungen profitieren die Superreichen und alle Gro\u00dfkonzerne. Seine Deregulierung der Finanzm\u00e4rkte n\u00fctzt dem Finanzkapital. F\u00fcr die Lohnabh\u00e4ngigen bleibt nichts au\u00dfer vielleicht ein paar neue Jobs im Niedriglohnbereich.<\/p>\n<p>Aus diesem Grund macht es wenig Sinn, Freihandel und Protektionismus isoliert zu bewerten. Tut man dies, begibt man sich in eine Auseinandersetzung von verschiedenen Kapitalfraktionen. Vielmehr m\u00fcssen die beiden Ph\u00e4nomene stets im Gesamtzusammenhang aller wirtschaftspolitischen Ma\u00dfnahmen gesehen werden. Das schlie\u00dft keineswegs aus, dass Z\u00f6lle und andere protektionistische Schritte Elemente einer linken und \u00f6kologischen Wirtschaftspolitik sein k\u00f6nnen. Bei US-Pr\u00e4sident Trump sind sie es aber nicht.<\/p>\n<p>aus: <a href=\"https:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/1083959.strafzoelle-und-freihandel-auf-den-zusammenhang-kommt-es-an.html?sstr=Speckmann\">neues deutschland<\/a>, 31.3.2018<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Protektionismus und Freihandel k\u00f6nnen nicht isoliert bewertet werden. Eine Antwort auf Steffen Stierle und Wiljo Heinen (\u00bbnd\u00ab vom 9. und 21.3.) Ein blindes Huhn findet auch einmal ein Korn, hei\u00dft es. Ist das Korn des US-Pr\u00e4sidenten eine neue Zollschranke? Einige &hellip; <a href=\"https:\/\/guidospeckmann.de\/?p=1235\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"kia_subtitle":"Protektionismus und Freihandel k\u00f6nnen nicht isoliert bewertet werden. 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