{"id":1237,"date":"2018-04-21T14:52:56","date_gmt":"2018-04-21T12:52:56","guid":{"rendered":"http:\/\/guidospeckmann.de\/?p=1237"},"modified":"2018-04-20T15:00:42","modified_gmt":"2018-04-20T13:00:42","slug":"platzt-die-us-autokreditblase","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidospeckmann.de\/?p=1237","title":{"rendered":"Platzt die US-Autokreditblase?"},"content":{"rendered":"<p class=\"pInitial\">Ein alter Wall Street-Witz macht derzeit wieder die Runde: Wer noch einen f\u00fchlbaren Pulsschlag nachweisen kann, bekommt einen Kredit. Der Witz macht auf eine Entwicklung aufmerksam, die bei \u00d6konom_innen \u2013 auch in Deutschland \u2013 f\u00fcr Stirnfalten sorgt: Immer mehr US-B\u00fcrger_innen kaufen sich ein Auto auf Pump. Das wird ihnen leicht gemacht, da die Kredite ihnen f\u00f6rmlich aufgedr\u00e4ngt werden. Auf Sicherheiten achten die Kreditgeber dabei immer weniger, weil sie Rendite sehen wollen und bei zu viel Sorgfalt eben ein Konkurrent den Kreditvertrag abschlie\u00dft. <!--more-->Angesichts dessen fragte der Finanznachrichtendienst Bloomberg etwas ratlos: \u00bbWie soll man Kreditnehmer nennen, die noch tiefer als Subprime sind?\u00ab Subprime nennt man Kreditnehmer_innen mit geringer Bonit\u00e4t.<\/p>\n<p>In den USA vergeben nicht nur Banken Autokredite, sondern auch Autokonzernen angeschlossene Finanzfirmen und sogenannte Buy Here, Pay Here-Firmen. Letztere sind besonders stark im Subprime-Markt involviert \u2013 und verlangen horrende Zinsen. Da wundert es nicht, dass immer mehr Kreditnehmer_innen ihre Raten nicht abstottern k\u00f6nnen. Rund sechs Millionen US-Amerikaner_innen k\u00f6nnten gar ihr Auto wieder verlieren, da sie drei Monate mit den Raten \u00fcberf\u00e4llig sind. Ab diesem Zeitpunkt ist es in der Regel unrealistisch, mit den Kreditraten noch nachzukommen.<\/p>\n<p>Auf \u00fcber eine Billion US-Dollar wird die Summe gesch\u00e4tzt, die von Amerikaner_innen an Autokrediten zu bedienen ist. Bis zu ein Drittel der Kredite soll ausfallgef\u00e4hrdet sein. Und das Problem ist, dass die Kredite geb\u00fcndelt und zu neuen Wertpapieren verpackt worden sind, Verbriefung genannt. Niemand wei\u00df so recht, was in den Wertpapieren tats\u00e4chlich steckt. Ist der Anteil an faulen Krediten, mithin an ausfallgef\u00e4hrdeten Darlehen, so hoch, dass die hohen Zinsen nicht ausreichen, um einen Geldfluss zugunsten der Wertpapierinhaber aufrechtzuerhalten?<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens hier klingelt es. Vor rund zehn Jahren lie\u00df sich diese Praxis auf dem US-Immobilienmarkt beobachten. Der Rest hat Eingang in die Geschichtsb\u00fccher des Kapitalismus gefunden. Die sogenannte Subprime-Krise f\u00fchrte zum Zusammenbruch der Lehman Bank im September 2008 und dieser zur globalen Finanz- und Wirtschaftskrise. Um eine noch tiefere Wirtschaftskrise zu verhindern, griffen die Zentralbanken zu nie da gewesenen Mitteln. Sie setzten Leitzinsen auf Null oder auf Minus Null, d.h. sie erhoben Geb\u00fchren auf Geldeinlagen, anstatt Zinsen zu zahlen. Diese expansive Geldpolitik flutete die M\u00e4rkte, Geld war im \u00dcberfluss vorhanden. Aber wohin damit?<\/p>\n<p>Einen Teil davon gaben die Banken an Autok\u00e4ufer_innen aus; sie b\u00fcndelten die Kredite und verkauften diese verbrieften Wertpapiere an Pensionskassen, Investmentfonds, Versicherer und Hedgefonds.<\/p>\n<p>\u00bbDie Parallelen zur US-Immobilienkrise vor zehn Jahren sind frappierend\u00ab, schreibt die Denkfabrik Stratfor. Das sind sie in der Tat. Doch es gibt auch Unterschiede zur Subprime-Immobilienkrise. Der Umfang der Autokredite mit \u00fcber einer Billion Dollar nimmt sich bescheiden aus verglichen mit der Zahl von rund neun Billionen vor zehn Jahren im Immobiliensektor. Ein Haus kostet eben deutlich mehr als ein Auto. Aber es gibt auch noch einen qualitativen Unterschied: Heute benutzen die Banken die geb\u00fcndelten Wertpapiere nicht zur Refinanzierung. Das war ein wesentlicher Faktor, warum es 2007\/08 zum Fl\u00e4chenbrand im Finanzsystem kam.<\/p>\n<p>Somit ist die von den US-Autokrediten ausgehende Gefahr f\u00fcr die internationalen Finanzm\u00e4rkte nicht so hoch. (Anders sieht es mit der Gesamtverschuldung insgesamt aus, diese ist h\u00f6her als vor der Krise von vor einem Jahrzehnt). Aber: F\u00fcr die Autoindustrie sieht es wenig rosig aus. Schon wird in Anlehnung an Peak Oil von einem Peak Auto gesprochen, d.h. der US-Absatz von Pkws k\u00f6nnte seinen H\u00f6hepunkt erreicht haben. Tats\u00e4chlich ging der Autoverkauf 2017 in den Staaten leicht zur\u00fcck. Ein weiteres Indiz sind die fallenden Preise f\u00fcr Gebrauchtwagen, was sich zu einem gro\u00dfen Problem auswachsen k\u00f6nnte. Denn Autofahrer_innen k\u00f6nnten sich entscheiden, ihren Wagen einfach l\u00e4nger zu nutzen, wenn ein Weiterverkauf nicht mehr viel einbringt. Konsequenz: Die Nachfrage nach neuen Autos geht zur\u00fcck. Schon jetzt steigen die Lagerbest\u00e4nde von Ford, Chrysler und General Motor an, sie haben quasi auf Halde produziert. Eine achtj\u00e4hrige Boomphase scheint am Ende zu sein.<\/p>\n<p>Man kann diese Einsch\u00e4tzung auf die allgemeine Situation der kapitalistischen \u00d6konomien in den fr\u00fchindustrialisierten Staaten \u00fcbertragen: Ihr Weg, durch eine beispiellose Kreditexpansion die Wirtschaften auf Wachstumskurs zu halten, mag f\u00fcr eine Weile funktionieren. Die Betonung liegt auf eine Weile.<\/p>\n<p>aus: <a href=\"https:\/\/www.akweb.de\/ak_s\/ak637\/index.htm\">analyse &amp; kritik Nr. 637<\/a>, 17.4.2018<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein alter Wall Street-Witz macht derzeit wieder die Runde: Wer noch einen f\u00fchlbaren Pulsschlag nachweisen kann, bekommt einen Kredit. 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