{"id":1242,"date":"2018-05-02T21:47:09","date_gmt":"2018-05-02T19:47:09","guid":{"rendered":"http:\/\/guidospeckmann.de\/?p=1242"},"modified":"2018-05-16T21:52:26","modified_gmt":"2018-05-16T19:52:26","slug":"gegen-das-ewige-wachstum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidospeckmann.de\/?p=1242","title":{"rendered":"Gegen das ewige Wachstum"},"content":{"rendered":"<h2>Vor 50 Jahren wurde der Club of Rome gegr\u00fcndet<\/h2>\n<p>Sie verstanden sich nicht als Revolution\u00e4re &#8211; ganz im Gegensatz zu den AktivistInnen der 68er-Revolte. Und doch war ihr Wirken nicht minder folgenreich. Als in Deutschland die Sch\u00fcsse auf Rudi Dutschke fielen, schlossen sich in Rom im April 1968 Wissenschaftler und Unternehmer im Club of Rome zusammen. Schlagzeilen produzierte dieser zun\u00e4chst nicht. Erst vier Jahre sp\u00e4ter, mit dem Buch \u00bbDie Grenzen des Wachstums\u00ab, verfasst von einem Autorenteam um Dennis und Donella Meadows, gab es diese &#8211; und das nicht zu knapp. Der Bericht war, wie es so sch\u00f6n hei\u00dft, \u00bbeine Bombe im Taschenbuchformat\u00ab.<!--more--><\/p>\n<p>Das, was heute im Grunde als banal gelten muss &#8211; n\u00e4mlich, dass in einer begrenzten Welt unbegrenztes Wachstum nicht m\u00f6glich ist -, wurde mit der bewusst apokalyptischen Kommunikation seitens des Clubs of Rome ins globale Bewusstsein ger\u00fcckt. Die Ver\u00f6ffentlichung war ein wichtiger Grund daf\u00fcr, warum in den 1970er Jahren die \u00f6kologischen Sch\u00e4den der Industrialisierung diskutiert wurden und warum sich Umweltbewegungen bildeten.<\/p>\n<p>Doch wer waren die Initiatoren des Club of Rome? Zu nennen ist vor allem der italienische Industrielle Aurelio Peccei. Der 1908 in Turin Geborene entstammt einer Familie der unteren Mittelklasse. Er bereiste die Sowjetunion und promovierte \u00fcber Lenins Neue \u00d6konomische Politik. Zeitgenossen und Freunde beschreiben ihn als liberalen Humanisten. Aber er stand den Ideen der Franz\u00f6sischen Revolution n\u00e4her als dem Wirtschaftsliberalismus. Er bet\u00e4tigte sich im antifaschistischen Widerstand, und nach dem Krieg arbeite er erneut f\u00fcr den Autokonzern Fiat.<\/p>\n<p>Danach wurde Peccei \u00bbManaging Director\u00ab des Industriekonzerns Olivetti. Als Manager bereiste er die sp\u00e4ter industrialisierten L\u00e4nder und sah die zum Teil verheerenden sozialen und \u00f6kologischen Folgen der Indus- trialisierung mit eigenen Augen. In ihm reifte die Erkenntnis, dass diese Probleme nur durch eine globale Zusammenarbeit und mithilfe langfristiger Planung gel\u00f6st werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Auch unter dem Eindruck der Ereignisse von 1968 fasste der studierte Volkswirt seine Gedanken in dem ein Jahr sp\u00e4ter ver\u00f6ffentlichtem Buch \u00bbThe Chasm ahead\u00ab zusammen. In diesem wird ein weiterer entscheidender Einfluss auf sein Denken deutlich: die Systemdynamik. \u00dcber den Pionier Jay W. Forrester fand diese Wissenschaft, die sich mit Zusammenh\u00e4ngen und Wechselwirkungen befasst, Eingang in den Club of Rome. Forresters Studenten, die erw\u00e4hnten Meadows, besorgten f\u00fcr den Bericht die umfangreichen Simulationen &#8211; und zwar mit der damals noch neuen Computertechnik.<\/p>\n<p>Obwohl diese Modellrechnungen zu wenige Variablen ber\u00fccksichtigten und sich manche Prognosen nicht best\u00e4tigten oder zu pauschal ausfielen, steht doch fest: An der zentralen Aussage kann nicht ger\u00fcttelt werden. Die \u00dcbernutzung von Naturressourcen f\u00fchrt bei einem \u00bbWeiter so\u00ab unweigerlich in die \u00f6kologische Katastrophe.<\/p>\n<p>Gleichwohl hat sich seit der Gr\u00fcndung des Club of Rome vor 50 Jahren wenig ge\u00e4ndert. Die Naturzerst\u00f6rung schreitet weiter voran, t\u00e4glich wird dem Fetisch Wachstum gehuldigt. Lediglich die Rhetorik zeugt von einem \u00f6kologischen Bewusstsein. Warum es so schwer ist, mit der stetigen Steigerung des Bruttoinlandsprodukts zu brechen, liegt am systemimmanenten Zwang kapitalistischer \u00d6konomien zur Ausdehnung der Produktion. Wer nicht auf die kurzfristige Profitmaximierung setzt, wird von anderen Kapitalien geschluckt. Die permanente Ausweitung der Produktion st\u00f6\u00dft somit zwangsl\u00e4ufig an Grenzen der Regenerationsf\u00e4higkeit der Natur.<\/p>\n<p>Dass aber auch sozialistische \u00d6konomien nicht vor massiver Naturzerst\u00f6rung gefeit sind, zeigt der Realsozialismus. In dem industriell noch kaum entwickelten Sowjetrussland standen die \u00dcberwindung der Armut und die milit\u00e4rische Verteidigungsf\u00e4higkeit im Vordergrund. Weder auf Mensch noch Natur wurde R\u00fccksicht genommen. Die Tonnenideologie obsiegte.<\/p>\n<p>Von Marxisten bekam der Club of Rome f\u00fcr seinen ersten Bericht daher viel Kritik. Dass er zudem von Unternehmern gegr\u00fcndet und von der Volkswagenstiftung finanziert wurde, war eine Steilvorlage. Was vom Klassenfeind komme, k\u00f6nne ja nur dem Interesse der Bourgeoisie dienen. Nichtsdestotrotz f\u00fchrte \u00bbDie Grenzen des Wachstums\u00ab dazu, dass sich auch einige Marxisten intensiver mit der \u00d6kologie besch\u00e4ftigten. Wolfgang Harich und sein Buch \u00bbKommunismus ohne Wachstum\u00ab ist ein Beispiel.<\/p>\n<p>Dem Club of Rome \u00fcbrigens war seine Forderung nach der Abkehr des Wachstums kurze Zeit sp\u00e4ter zu radikal. Die Erd\u00f6lkrise 1973 hatte bewirkt, dass sich die Vereinigung von der Gleichgewichtsforderung und vom Nullwachstum distanzierte. Auch einer der letzten Berichte fordert: \u00bbMit wenig Wachstum soziale Ungleichheit, Arbeitslosigkeit und Klimawandel bek\u00e4mpfen\u00ab, so der Untertitel.<\/p>\n<p>Obwohl auf diese Weise das kritische Potenzial des Club of Rome fr\u00fch abgeschw\u00e4cht wurde und die insgesamt 40 folgenden Berichte zum Teil ohne Weiteres mit gr\u00fcnen kapitalistischen Modellen kompatibel sind, k\u00f6nnen sie trotz aller Kritik immer noch f\u00fcr die linke Debatte und Praxis fruchtbar gemacht werden. Vor allem, weil diese das \u00d6kologische immer noch als angeh\u00e4ngt an das Soziale denkt, anstatt es zusammenzudenken.<\/p>\n<p>aus: <a href=\"https:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/1086789.club-of-rome-gegen-das-ewige-wachstum.html\">neues deutschland<\/a>, 28.4.2018<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 50 Jahren wurde der Club of Rome gegr\u00fcndet Sie verstanden sich nicht als Revolution\u00e4re &#8211; ganz im Gegensatz zu den AktivistInnen der 68er-Revolte. 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