{"id":1273,"date":"2018-08-26T13:50:25","date_gmt":"2018-08-26T11:50:25","guid":{"rendered":"http:\/\/guidospeckmann.de\/?p=1273"},"modified":"2018-08-23T13:53:31","modified_gmt":"2018-08-23T11:53:31","slug":"aufstieg-der-schattenbanken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidospeckmann.de\/?p=1273","title":{"rendered":"Aufstieg der Schattenbanken"},"content":{"rendered":"<p>Das Ph\u00e4nomen ist schon \u00e4lter, das Wort daf\u00fcr existiert aber noch nicht lange. Erst 2007 pr\u00e4gte der \u00d6konom und Investmentmanager Paul McCulley den Begriff Schattenbanken. Einer breiteren \u00d6ffentlichkeit ist er indes kaum bekannt. Dabei sieht nicht nur die Chefin des Internationalen W\u00e4hrungsfonds, Christine Lagarde, im Schattenbankensystem eine potenzielle Ursache f\u00fcr eine n\u00e4chste Finanzkrise.<!--more--><\/p>\n<p>Doch was sind Schattenbanken eigentlich? Die k\u00fcrzeste Definition lautet: Finanzinstitute, die bank\u00e4hnliche T\u00e4tigkeiten aus\u00fcben, aber nicht der Bankenregulierung unterliegen. In kapitalistischen \u00d6konomien d\u00fcrfen in der Regel nur Banken Spareinlagen annehmen, die von der staatlichen Einlagensicherung gedeckt sind. Zudem haben nur Banken einen direkten Zugang zum Geld der Zentralbank. Aus diesen Gr\u00fcnden m\u00fcssen sich Banken an staatliche Vorgaben halten, wie zum Beispiel an die Eigenkapitalregel, die Geldinstituten vorschreibt, wie viel Geld eine Bank zur Sicherheit zur\u00fcckhalten muss.<\/p>\n<p>Allerdings vergeben nicht nur Banken Kredite oder handeln mit Wertpapieren. Das tun Hedgefonds, Private Equity-, Geldmarkt- und Investmentfonds ebenso wie Tochtergesellschaften von Banken oder gro\u00dfe Verm\u00f6gensverwalter; sie bilden den Schattenbankensektor.<\/p>\n<p>Wie gro\u00df ist dieser Sektor? Sch\u00e4tzungen sind schwierig, weil die Finanzaufsicht das Ph\u00e4nomen immer noch nicht richtig auf dem Radar hat. Eines steht aber fest: Das Volumen ist in den letzten Jahren dramatisch angewachsen. \u00bbSeit der Jahrtausendwende ist der Sektor nach der breiten Klassifikation des FSB (Financial Stability Board) in den untersuchten Jurisdiktionen (28 Staaten und die Eurozone als Ganzes) von etwa 30 Prozent des BIP bis zur Finanzkrise auf etwa 95 Prozent des BIP angewachsen und nach einem krisenbedingten Einbruch inzwischen bei 150 Prozent des BIP angekommen\u00ab, hei\u00dft es in der Studie der Rosa Luxemburg Stiftung \u00bbChance vertan. Zehn Jahre Finanzkrise und Regulierung der Finanzm\u00e4rkte\u00ab. Auf sage und schreibe 95 Billionen US-Dollar wird das Volumen des verwalteten Verm\u00f6gens derzeit gesch\u00e4tzt. Das ist weit mehr, als weltweit in einem Jahr an Waren und Dienstleistungen hergestellt werden.<\/p>\n<p>Schaut man sich die Entwicklung in Europa an, so ist nach der Jahrtausendwende ein ebenso rasanter Anstieg des Schattenfinanzsektors festzustellen. Bis zur Krise wuchs er von unter zehn Billionen Euro auf 15 Billionen. Heute hat er sich auf 30 Billionen Euro verdoppelt.<\/p>\n<p>Dieser Anstieg ist auch auf eine Lehre aus der letzten Finanzkrise zur\u00fcckzuf\u00fchren. Als der Kollaps der Lehman Brothers Bank 2008 zum globalen Crash f\u00fchrte, war schnell klar: Die Banken m\u00fcssen wieder st\u00e4rker an die Kandare genommen werden. In den USA regulierte man das Bankwesen sogar st\u00e4rker als in Europa. (Erst mit US-Pr\u00e4sident Trump wird wieder dereguliert.) Aber diesseits und jenseits des Atlantiks hatte die gut gemeinte &#8211; wenngleich ungen\u00fcgende Regulierung des Bankensektors &#8211; eine unerw\u00fcnschte Nebenfolge: Das Rendite suchende Kapital wich in den Schattenbankensektor aus. Denn gerade in der Abwesenheit von Regulierungen liegt der Reiz, sprich die h\u00f6here Profiterwartung, dieses Sektors &#8211; zumal die Akteure ihren Hauptsitz \u00fcberwiegend in den Schattenfinanzzentren haben.<\/p>\n<p>Dort k\u00f6nnen sie unbeobachtet Kredite vergeben, diese b\u00fcndeln und als neue Wertpapiere ausgeben sowie Derivategesch\u00e4fte betreiben. Das klingt bekannt. In der Tat war das die Methode, die bereits zur letzten Finanzkrise von 2007ff. beitrug. Schattenbanken, vor allem in Form von au\u00dferbilanziellen Tochtergesellschaften von Banken, hatten hieran ihren Anteil.<\/p>\n<p>Zwar gibt es auf G20- und EU-Ebene Bem\u00fchungen, den Schattenbankensektor zu regulieren. Doch sind diese viel zu zaghaft. So stellt sich zehn Jahre nach der Krise das Problem nun noch viel drastischer. Einerseits weil das Geldvolumen im Schattenbankensektor enorm gewachsen ist und andererseits weil deren Akteure inzwischen auch ordentlich auf dem US-Immobiliensektor mitmischen. Jeder zweite Hypothekenkredit auf dem US-H\u00e4usermarkt wird von unkontrollierten Instituten ausgegeben.<\/p>\n<p>Bedeutungsverlust des offiziellen Bankensektors und Aufstieg seines Pendants im Schattenreich sind somit auch ein gutes Beispiel daf\u00fcr, wie gut gemeinte Regulierungsbem\u00fchungen das Problem nur verschieben und gar verschlimmern k\u00f6nnen, wenn diese auf einer Analyse beruhen, die nicht an der Wurzel des Problems ansetzt. Nicht nur ungen\u00fcgende Regulierung war Ursache der letzten Krise, sondern ein finanzmarktgetriebener Kapitalismus, der auf Umverteilung von unten nach oben und Privatisierung beruht und so dem l\u00e4ngerfristigen Problem der \u00dcberakkumulation von Kapital Vorschub leistet.<\/p>\n<p>aus: <a href=\"https:\/\/www.akweb.de\/ak_s\/ak640\/index.htm\">analyse &amp; kritik 640<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Ph\u00e4nomen ist schon \u00e4lter, das Wort daf\u00fcr existiert aber noch nicht lange. Erst 2007 pr\u00e4gte der \u00d6konom und Investmentmanager Paul McCulley den Begriff Schattenbanken. Einer breiteren \u00d6ffentlichkeit ist er indes kaum bekannt. 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