{"id":1296,"date":"2018-11-16T16:12:50","date_gmt":"2018-11-16T15:12:50","guid":{"rendered":"http:\/\/guidospeckmann.de\/?p=1296"},"modified":"2018-11-14T16:14:50","modified_gmt":"2018-11-14T15:14:50","slug":"wer-oder-was-ist-blackrock","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidospeckmann.de\/?p=1296","title":{"rendered":"Wer oder was ist Blackrock?"},"content":{"rendered":"<p>Der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschland-Tochter von Blackrock, Friedrich Merz, sagte, als er seine Kandidatur f\u00fcr den CDU-Vorsitz verk\u00fcndete: Blackrock verwalte treuh\u00e4nderisch Einlagen von Hunderttausenden privaten Kunden. Sein Parteikollege Christian Freiherr von Stetten machte daraus im Interview mit dem Deutschlandfunk: \u00bbBlackrock ist ein Verm\u00f6gensverwalter, das hei\u00dft, Hunderttausende von Arbeitnehmern haben diesem Konzern ihr Verm\u00f6gen gegeben, um anschlie\u00dfend, wenn sie in Rente gehen, auch ein gutes Auskommen zu haben.\u00ab<!--more--><\/p>\n<p>Merz&#8216; Aussage ist eine Klitterung, die seines parteiinternen Unterst\u00fctzers eine dreiste. Denn sie suggeriert, dass normale Arbeitnehmer_innen nur dank Blackrock ihren Lebensabend genie\u00dfen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Was aber verbirgt sich hinter dem Namen Blackrock? Das 1988 von Laurence, genannt Larry Fink gegr\u00fcndete Finanzunternehmen ist seit 2009 der gr\u00f6\u00dfte Verm\u00f6gensverwalter weltweit. 6,2 Billionen US-Dollar werden durch die New Yorker Firma verwaltet. Das ist knapp doppelt so viel wie das j\u00e4hrliche Bruttoinlandsprodukt der Bundesrepublik und das Doppelte dessen, \u00fcber das alle Hedgefonds weltweit zusammen verf\u00fcgen. Aber Blackrock \u00fcberwacht indirekt noch ein paar Billionen US-Dollar mehr. Denn sein Computersystem Aladdin stellt es gegen Geb\u00fchren anderen Investoren zur Verf\u00fcgung. \u00dcber 170 institutionelle Kapitalsammelstellen sind bereits Kunden.<\/p>\n<p>Aladdin ist so etwas wie die Big-Data-Maschine des algorithmusgetriebenen Finanzkapitalismus. Es ist das Herzst\u00fcck von Blackrock und Ausdruck einer Sicherheitsparanoia von Larry Fink. Denn der hatte 1986 bei seinem fr\u00fcheren Arbeitgeber 100 Millionen Dollar verspekuliert. Dazu sollte es nie wieder kommen. \u00dcber 5.000 Rechner f\u00fchren Hunderte Millionen Kalkulationen pro Woche aus. Ziel ist es, Risiken jeglicher Art f\u00fcr eine gewinnbringende Kapitalanlage einzusch\u00e4tzen, seien es Finanzblasen, D\u00fcrren oder politische Unruhen. Ein Erfolgsrezept.<\/p>\n<p>Als die Finanzkrise 2008 die Weltwirtschaft in den Abgrund zog, schlug die Stunde Blackrocks. Das Unternehmen bekam den Auftrag der US-Regierung f\u00fcr das Management der toxischen Finanzpapiere, die der Staat mit der Verstaatlichung der Pleitebanken \u00fcbernommen hatte. Andere Regierungen folgten, selbst Zentralbanken nehmen die Dienste der rund 13.000 Blackrock-Mitarbeiter_innen in Anspruch.<\/p>\n<p>Ein weiterer Meilenstein auf den Weg zum gr\u00f6\u00dften Finanzverwalter ist der Einstieg in die britische Bank Barclays. Mit diesem erwarb man die Rechte an der Indexfondssparte iShares. Diese dominiert das weltweite Gesch\u00e4ft mit b\u00f6rsengehandelten Fonds. Blackrock ist \u00fcberdies der gr\u00f6\u00dfte Aktion\u00e4r der \u00bbdeutschen Wirtschaft\u00ab, an allen DAX-Konzernen ist die Firma beteiligt. Zwar liegt der Anteil meist nur bei zwei bis sechs Prozent. Doch da sich 80 Prozent der DAX-Aktien in Streubesitz befinden, gen\u00fcgt es bereits, wenn man Anteile im geringen Prozentbereich h\u00e4lt, um Einfluss auszu\u00fcben. Auch bei vielen Multis wie Apple oder Exxon Mobile h\u00e4lt der schwarze Riese Aktien, insgesamt an 17.000 Konzernen.<\/p>\n<p>Kritiker monieren daher, dass Blackrock ein heimlicher Herrscher \u00fcber das Kapital sei, der Gefahren f\u00fcr die Stabilit\u00e4t der Finanzm\u00e4rkte hervorrufe.<\/p>\n<p>Da ist etwas dran. Und das h\u00e4ngt zum einen mit dem Herdentrieb der Finanzm\u00e4rkte zusammen. Dieser droht st\u00e4rker zu werden, wenn immer mehr Investoren nach Kriterien Blackrocks und seines Computersystems entscheiden. Ein anderer Kritikpunkt ist die Rolle Blackrocks als Aktienbesitzer. Wenn einzelne Investoren zu gro\u00dfe Aktienpakete halten, kann es passieren, dass die Papiere im Krisenfall nicht mehr verkauft werden k\u00f6nnen. Das Bild des Elefanten im Teich, der das Boot potenziell zum Schaukeln bringen k\u00f6nne, veranschaulicht das.<\/p>\n<p>Der Aufstieg Blackrocks zum gr\u00f6\u00dften Verm\u00f6gensverwalter ist indes auch Ausdruck des Aufstiegs der Schattenbanken infolge der Krise von 2008. Als man begann, Banken mehr schlecht als recht zu regulieren, wanderte das Kapital in Geldmarktfonds und andere unregulierte Fondsgesellschaften ab. Blackrock wird somit auch als gr\u00f6\u00dfte Schattenbank der Welt bezeichnet. Die zu vernehmende Kritik an Blackrock blendet allerdings die polit-\u00f6konomische Grundstruktur aus, die das Ph\u00e4nomen erst erm\u00f6glicht: ein deregulierter Finanzmarktkapitalismus, der durch Umverteilung, Steuervermeidung und Privatisierung eine gigantische Konzentration von Finanzverm\u00f6gen in den H\u00e4nden weniger erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfes Ziel Blackrocks ist es, die Rentensysteme zu privatisieren. Das w\u00fcrde dem Konzern riesige neue Anlagem\u00f6glichkeit er\u00f6ffnen. Dass sich die Lohnabh\u00e4ngigen dadurch ein besseres Auskommen im Alter versprechen k\u00f6nnen, ist nicht anzunehmen.<\/p>\n<p>aus: <a href=\"https:\/\/www.akweb.de\/ak_s\/ak643\/19.htm\">analyse &amp; kritik<\/a> Nr. 643, 13.11.2018<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschland-Tochter von Blackrock, Friedrich Merz, sagte, als er seine Kandidatur f\u00fcr den CDU-Vorsitz verk\u00fcndete: Blackrock verwalte treuh\u00e4nderisch Einlagen von Hunderttausenden privaten Kunden. 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