{"id":1305,"date":"2018-12-11T11:31:31","date_gmt":"2018-12-11T10:31:31","guid":{"rendered":"http:\/\/guidospeckmann.de\/?p=1305"},"modified":"2018-12-11T11:31:31","modified_gmt":"2018-12-11T10:31:31","slug":"in-der-hand-von-investoren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidospeckmann.de\/?p=1305","title":{"rendered":"In der Hand von Investoren"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Ausstellung \u00bbSch\u00f6ner wohnen in Altona\u00ab wagt auch einen fl\u00fcchtigen Blick auf Eigentumsverh\u00e4ltnisse<\/strong><\/p>\n<p>\u00bbBesser h\u00e4tten wir nicht untergebracht werden k\u00f6nnen, mit eigenem Bad und Blick auf Kuhwiesen,\u00ab sagt ein Rentner, der seit Jahrzehnten in der Plattenbau-Gro\u00dfsiedlung Osdorfer Born im Hamburger Bezirk Altona lebt. Und seine Frau erg\u00e4nzt: \u00bbDie Leute, die sagen, der Osdorfer Born sei h\u00e4sslich, die kommen ja nicht von hier. Die wohnen ganz weit weg.\u00ab<!--more--><\/p>\n<p>Das Videointerview, in dem das Rentnerehepaar zu Wort kommt, ist Teil der Ausstellung \u00bbSch\u00f6ner Wohnen in Altona? Stadtentwicklung im 20. und 21. Jahrhundert\u00ab des Altonaer Museums. Sch\u00f6ner wohnen am Osdorfer Born? Wer zuvor die in der Ausstellung pr\u00e4sentierten Fotos der Trabantenstadt gesehen hat, wird das bezweifeln und schnell an das Wort \u00bbAffenfelsen\u00ab denken. Aber \u00fcber Geschmack l\u00e4sst sich bekanntlich streiten. Bekannt ist indes, dass die neuen Bewohner von Hochhaussiedlungen den Komfort im Vergleich zu den Altbauwohnungen zu sch\u00e4tzen wussten. Das gilt sicher auch f\u00fcr den Osdorfer Born, der von 1967 bis 1971 am Rande Altonas errichtet wurde. Doch schon bald nach Fertigstellung klagten die Anwohner auch \u00fcber die Anonymit\u00e4t des Wohnens oder die Verwahrlosung einzelner H\u00e4user.<\/p>\n<p>Die unterschiedlichen Auffassungen dar\u00fcber, was St\u00e4dtebau sein kann, werden in der Ausstellung in einem historischen Parcours verdeutlicht. Los geht es in den 1890er Jahren, als Altona noch eine eigenst\u00e4ndige Stadt war. Wie im benachbarten Hamburg und in anderen Gro\u00dfst\u00e4dten zu der Zeit hie\u00df das Problem: Wohnungsmangel. Altona war zu der Zeit die am dichtesten besiedelte Stadt des Deutschen Reiches. Die zu Schleswig-Holstein geh\u00f6rende Stadt konnte noch mit einem weiteren reichsweiten Novum aufwarten: Die \u00fcberv\u00f6lkerte Industriestadt betrieb als erste deutsche Stadt eine aktive Bodenpolitik, um neues Bauland zu erschlie\u00dfen und strenge Bauvorschriften durchzusetzen. Das Motiv dahinter war aber nicht in erster Linie die Schaffung von mehr und lebenswerteren Wohnungen, sondern mehr Steuereinnahmen zu generieren. 1914 war die Stadt Altona im Besitz von einem Drittel ihres Territoriums. Neue Wohnungen wurden damals vor allem von Wohnungsbaugenossenschaften und Sparvereinen errichtet. Arbeiter und Handwerker taten sich zusammen und nahmen den Wohnungsbau selbst in die Hand. Der Altonaer Spar- und Bauverein war 1910 der gr\u00f6\u00dfte Immobilienbesitzer der Stadt.<\/p>\n<p>Weitere Stationen des Rundgangs sind die 1920er Jahre, die gepr\u00e4gt waren durch das Bestreben, gesunden Wohnraum zu schaffen. Nach den Zerst\u00f6rungen des Zweiten Weltkrieges stand die Vision der durchgr\u00fcnten und autogerechten Stadt im Mittelpunkt. In den 1970er Jahren wurden Altbauwohnungen wiederentdeckt, Initiativen aus Ottensen setzten sich f\u00fcr deren Erhalt ein &#8211; die Geburtsstunde des heute gentrifizierten Stadtteils Altonas. Zuletzt wird die Frage des Wohnens in der Zukunft aufgeworfen. Angesichts steigender Bev\u00f6lkerungszahlen werden spannende Fragen gestellt. Soll dichter, mit geringeren Standards und in Serie, also billiger, gebaut werden? Sollen die Grundrisse flexibel sein?<\/p>\n<p>Pr\u00e4sentiert werden Wohnprojekte, die wie die \u00bbMitte Altona\u00ab bereits teilweise realisiert sind oder wie die Kolbenh\u00f6fe oder das Holstenareal bald in Angriff genommen werden. Dort gibt es die Vorgabe, zu je einem Drittel Sozial-, Eigentums- und Mietwohnungen zu bauen. So soll ein gewisses Ma\u00df an sozialer Durchmischung gew\u00e4hrleistet werden. Aber Mieterinitiativen und Sozialverb\u00e4nde kritisieren das als viel zu wenig.<\/p>\n<p>Und es f\u00e4llt auf: Die Akteure des Bauens sind andere als vor 100 Jahren. W\u00e4hrend damals Spar- und Bauvereine im Kontext der Arbeiterbewegung die Sache selbst in die Hand nahmen oder die Stadtregierung zum kommunalen Wohnungsbau dr\u00e4ngten, ist das Bauen heute in der Hand von Investoren. Die R\u00fcstungsschmiede Rheinmetall realisiert mit ihrer Immobilien GmbH die Kolbenh\u00f6fe und eine SSN Group, die mit \u00bbLeistungsbausteinen entlang der kompletten Wertsch\u00f6pfungsachse von Immobilienentwicklungen\u00ab wirbt, das Holstenareal. Soziale Aspekte d\u00fcrften dem Renditeziel klar untergeordnet sein. Dies auszuf\u00fchren, vers\u00e4umt die ansprechend gestaltete und mit interaktiven Elementen versehene Ausstellung. Immerhin stellt sie die Frage, wem die Wohnungen in Hamburg geh\u00f6ren. Ergebnis: 71 Prozent sind in privater, nur je 14 Prozent in kommunaler und in genossenschaftlicher Hand. Ob sich so die Wohnungsnot lindern l\u00e4sst? Das Wiener Beispiel, wo \u00fcber die H\u00e4lfte der Wohnungen entweder in kommunaler oder in der Hand von gemeinn\u00fctzigen Immobilienfirmen ist, lehrt anderes.<\/p>\n<p>\u00bbSch\u00f6ner wohnen in Altona? Stadtentwicklung im 20. und 21. Jahrhundert\u00ab, Altonaer Museum, Museumsstra\u00dfe 23, Hamburg, bis 24. Juni.<\/p>\n<p>aus: <a href=\"https:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/1106690.in-der-hand-von-investoren.html\">neues deutschland<\/a>, 28.11.2018<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Ausstellung \u00bbSch\u00f6ner wohnen in Altona\u00ab wagt auch einen fl\u00fcchtigen Blick auf Eigentumsverh\u00e4ltnisse \u00bbBesser h\u00e4tten wir nicht untergebracht werden k\u00f6nnen, mit eigenem Bad und Blick auf Kuhwiesen,\u00ab sagt ein Rentner, der seit Jahrzehnten in der Plattenbau-Gro\u00dfsiedlung Osdorfer Born im Hamburger &hellip; <a href=\"https:\/\/guidospeckmann.de\/?p=1305\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"kia_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[116],"tags":[],"class_list":["post-1305","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kultur"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/guidospeckmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1305","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/guidospeckmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/guidospeckmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/guidospeckmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/guidospeckmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1305"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/guidospeckmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1305\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1306,"href":"https:\/\/guidospeckmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1305\/revisions\/1306"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/guidospeckmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1305"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/guidospeckmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1305"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/guidospeckmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1305"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}