{"id":1421,"date":"2020-01-29T16:07:21","date_gmt":"2020-01-29T15:07:21","guid":{"rendered":"http:\/\/guidospeckmann.de\/?p=1421"},"modified":"2020-03-27T15:34:00","modified_gmt":"2020-03-27T14:34:00","slug":"ohne-gruenes-maentelchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidospeckmann.de\/?p=1421","title":{"rendered":"Ohne gr\u00fcnes M\u00e4ntelchen"},"content":{"rendered":"<h2 class=\"uz\">Siemens will weiter Geld mit dem Kohleabbau in Australien machen<\/h2>\n<p>Offenbar hat Joe Kaeser, Vorstandsvorsitzender von Siemens, wirklich gedacht, mit einem unmoralischen Angebot an Luisa Neubauer die Kritik am Gesch\u00e4ftsgebaren seines Konzerns zu entkr\u00e4ften. Doch das deutsche Gesicht von Fridays for Future lehnte es ab, einen f\u00fchrenden Posten bei Siemens Energy zu \u00fcbernehmen. Das war Kaesers erste Fehleinsch\u00e4tzung. <!--more-->Seine zweite: dass er am Auftrag, eine Zugsignalanlage f\u00fcr ein umstrittenes Kohlebergwerk in Australien zu liefern, festh\u00e4lt. Hieran hatte sich die Kritik der neuen Klimabewegung entz\u00fcndet &#8211; befeuert von den australischen Buschbr\u00e4nden, die einen dystopischen Vorgeschmack auf die kommende Hei\u00dfzeit geben. Nun will Fridays for Future auch bei der Siemens-Hauptversammlung Anfang Februar protestieren.<\/p>\n<p>Der Imageschaden f\u00fcr Siemens ist bereits jetzt gro\u00df. F\u00fcr schlappe 18 Millionen Euro &#8211; im letzten Gesch\u00e4ftsjahr setzte der Konzern 87 Milliarden Euro um &#8211; riskiert Kaeser einen PR-Super-GAU. Ein gutes Bild bei den Brothers in Crime des fossilen Kapitals war ihm wichtiger als das in der \u00d6ffentlichkeit. Einerseits kann er sich das leisten. Privatkonsument*innen k\u00f6nnen Siemens-Produkte schwer boykottieren (Bosch hat den Markennamen f\u00fcr Haushaltsger\u00e4te \u00fcbernommen). Andererseits bem\u00fcht sich Kaeser darum, dem Konzern ein nachhaltiges Images zu geben, bis 2030 soll der Konzern klimaneutral sein.<\/p>\n<p>Alles gr\u00fcne Rhetorik, die nichts kostet. Wenn es hart auf hart kommt, obsiegt jedoch die kurz- und langfristige Profiterwartung \u00fcber Anforderungen an den Umweltschutz. Das ist symptomatisch f\u00fcr den derzeitigen Umgang mit der \u00f6kologischen Frage in Deutschland. Man redet &#8211; nicht zuletzt auf Druck der neuen Klimabewegung &#8211; wieder mehr von Klimaschutz, verabschiedet Gesetze und Klimapl\u00e4ne und beschlie\u00dft sogar den Ausstieg aus dem dreckigsten aller fossilen Brennstoffe: der Braunkohle. Doch Braunkohleweltmeister Deutschland wird diesen unr\u00fchmlichen Titel nicht gleich verlieren. Der nun von der Regierung festgelegte Zeitplan f\u00fcr den Ausstieg erfolgt erst bis zum Jahr 2038 &#8211; selbst die Kohlekommission war hier ambitionierter. Das Gesch\u00e4ft mit der Kohle wird die Kassen der Konzerne auch weiterhin klingeln lassen. Und die Regierung unterst\u00fctzt sie dabei. Sie will RWE und Co. mit \u00fcber vier Milliarden Euro entsch\u00e4digen.<\/p>\n<p>Global sieht es nicht anders aus. J\u00e4hrlich werden fossile Brennstoffe in Billionenh\u00f6he gef\u00f6rdert. Eigentlich hatten sich die G20-Staaten vor \u00fcber zehn Jahren dazu verpflichtet, diese Subventionen bis 2025 zu beseitigen. Kein einziger EU-Mitgliedsstaat hat dazu bisher eine umfassende Strategie vorgelegt. Im Gegenteil: Teils wurden neue Subventionen eingef\u00fchrt. So verwundert es auch nicht, dass die Energiekonzerne weiterhin Milliardensummen in F\u00f6rderprojekte investieren, obwohl diese die Klimaziele von Paris gef\u00e4hrden. So hat der Fall Siemens etwas Gutes: Er demaskiert die Greenwashing-Versuche der Konzerne.<\/p>\n<p>aus: <a href=\"https:\/\/www.akweb.de\/ak_s\/ak656\/index.htm\">analyse &amp; kritik 656<\/a>, 21. Januar 2020<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Siemens will weiter Geld mit dem Kohleabbau in Australien machen Offenbar hat Joe Kaeser, Vorstandsvorsitzender von Siemens, wirklich gedacht, mit einem unmoralischen Angebot an Luisa Neubauer die Kritik am Gesch\u00e4ftsgebaren seines Konzerns zu entkr\u00e4ften. 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