{"id":1526,"date":"2021-03-29T16:58:10","date_gmt":"2021-03-29T14:58:10","guid":{"rendered":"http:\/\/guidospeckmann.de\/?p=1526"},"modified":"2021-03-25T17:01:25","modified_gmt":"2021-03-25T16:01:25","slug":"die-chimaere-der-klimaneutralitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidospeckmann.de\/?p=1526","title":{"rendered":"Die Chim\u00e4re der Klimaneutralit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<h2 class=\"subtitle\">\u00dcber die entlastende Wirkung eines neuen Mantras<\/h2>\n<p class=\"initiale\">Wer bietet mehr, wer hat noch nicht: Auf der klimapolitischen Weltb\u00fchne ging es in den letzten Monaten zu wie auf einer Auktion. Gegenstand der Begierde: die Klimaneutralit\u00e4t. Die EU will sie bis 2050, Gro\u00dfbritannien, Kanada, Japan und S\u00fcdkorea ebenso. Und was war der Jubel gro\u00df, als der neue US-Pr\u00e4sident Joe Biden ank\u00fcndigte, die USA ebenfalls ab 2050 klimaneutral wirtschaften lassen zu wollen. Nur China l\u00e4sst sich etwas l\u00e4nger Zeit: Erst 2060 soll die \u201eNetto-Null\u201c stehen, neben Treibhausgasneutralit\u00e4t <em>das<\/em> Synonym f\u00fcr Klimaneutralit\u00e4t. Und mit diesem Ziel stehen die Staaten nicht allein: Schon vor l\u00e4ngerer Zeit sind Unternehmen, \u00d6lmultis, Versicherer, Finanzkonzerne und Kommunen auf den Zug der Klimaneutralit\u00e4t aufgesprungen. Es gibt klimaneutrale Milch im Supermarkt, es kann klimaneutral getankt werden und selbstverst\u00e4ndlich werden die online bestellten Waren klimaneutral zugestellt. Binnen k\u00fcrzester Zeit ist der Begriff der Klimaneutralit\u00e4t zu dem pr\u00e4genden Wort des Klimadiskurses avanciert, das wie ein Mantra v\u00f6llig unreflektiert vor sich hingebetet wird \u2013 jetzt sogar von der SPD in ihrem Wahlkampfslogan \u201eSozial. Digital. Klimaneutral\u201c.<!--more--><\/p>\n<p>Dieser muntere Bekenntnis-Reigen d\u00fcrfte entscheidend von den neuen klimapolitischen Bewegungen Fridays for Future und Extinction Rebellion mitangesto\u00dfen worden sein. Auch sie streben Netto-Null-Emissionen an, allerdings schon bis 2035 beziehungsweise 2025. Zudem spielte das UN-Klimasekretariat eine wichtige Rolle, als es im Juni letzten Jahres die internationale Kampagne <em>Race to Zero<\/em> ausrief. Deren Ziel ist es, die CO<sub>2<\/sub>-Emissionen bis 2050 auf Netto-Null zu senken, also Klimaneutralit\u00e4t zu erreichen.<\/p>\n<p>Die Liste der Unterst\u00fctzer liest sich beeindruckend: Der Netto-Null-Initiative haben sich 120 L\u00e4nder, 23 Regionen, 454 St\u00e4dte, 1397 Unternehmen, 74 der gr\u00f6\u00dften Investoren und 569 Universit\u00e4ten angeschlossen. Zusammen decken diese Akteure fast 25 Prozent der globalen CO<sub>2<\/sub>-Emissionen und \u00fcber 50 Prozent des globalen Bruttoinlandsproduktes ab, hei\u00dft es auf der UN-Website.<a id=\"_ftnref1\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\/die-chimaere-der-klimaneutralitaet#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Und der globale Wettlauf um die Klimaneutralit\u00e4t soll nicht blo\u00dfe Rhetorik bleiben: Bis zur UN-Klimakonferenz in Glasgow im November sollen alle Teilnehmer von Race to Zero einen Plan mit Zwischenzielen vorlegen, wie sie die Klimaneutralit\u00e4t bis zur Mitte des Jahrhunderts erreichen wollen.<\/p>\n<div class=\"field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item\">\n<p>Wird der Klimaschutz jetzt also endlich von den Entscheidungstr\u00e4gern ernst genommen? Null Emissionen mehr, Produkte und Dienstleistungen, die neutral sind, also keine Auswirkung auf das Klima haben \u2013 das h\u00f6rt sich in der Tat gut an. Doch bisher ist die globale Klimapolitik die Geschichte der Verk\u00fcndung von hehren Zielen, die jedoch nie erreicht wurden. Gerade deshalb lohnt es sich, den so wohlklingenden Begriff der Klimaneutralit\u00e4t genauer unter die Lupe zu nehmen.<\/p>\n<h2>Die Entstehung der \u00bbgr\u00fcnen\u00ab Netto-Null<\/h2>\n<p>Das englische Adjektiv <em>carbon-neutral<\/em> wurde bereits 2006 in den USA vom \u201eNew Oxford American Dictionary\u201c zum Wort des Jahres gew\u00e4hlt. Die Auszeichnung reflektierte den damaligen, vorwiegend auf individuelle Handlungen abzielenden Gebrauch des Wortes: Demnach sollen eigene Aktivit\u00e4ten wie Autofahren oder Fliegen durch Aufforstungsprojekte oder Investitionen in erneuerbare Energien ausgeglichen werden. In der Begr\u00fcndung hie\u00df es damals: \u201eDie zunehmende Verwendung des Wortes \u201aklimaneutral\u2018 spiegelt nicht nur die \u00d6kologisierung unserer Kultur wider, sondern auch die \u00d6kologisierung unserer Sprache.\u201c<a id=\"_ftnref2\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\/die-chimaere-der-klimaneutralitaet#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Die globale Verwendung des Wortes \u201eklimaneutral\u201c begann eine knappe Dekade sp\u00e4ter, mit dem UN-Rahmen\u00fcbereinkommen \u00fcber Klima\u00e4nderungen von 2015, bekannt als Pariser Klimaabkommen. Zwar taucht der Terminus im Vertrag selbst nicht auf, doch w\u00e4hrend der Verhandlungen zu diesem scheint er verst\u00e4rkt verwendet worden zu sein.<a id=\"_ftnref3\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\/die-chimaere-der-klimaneutralitaet#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Im Abkommen wird das Ph\u00e4nomen in Artikel 4.1 als \u201eGleichgewicht zwischen den anthropogenen Emissionen von Treibhausgasen aus Quellen und dem Abbau solcher Gase durch Senken\u201c umschrieben. In UN-Statements und anderen f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit verfassten Dokumenten ist dann mit ausdr\u00fccklichem Hinweis auf das Paris-Abkommen von Treibhausgas- oder Klimaneutralit\u00e4t die Rede. Noch 2015 wurde vom UN-Klimasekretariat die Initiative <em>Climate Neutral Now<\/em> initiiert, um die im Paris-Vertrag avisierte Klimaneutralit\u00e4t bis 2050 zu erreichen. Insofern hat das Paris-Abkommen die Treibhausgasneutralit\u00e4t zum Ziel aller globalen Klimapolitik gemacht.<\/p>\n<p>Wie aber sollen die weltweiten Zu- und Abfl\u00fcsse von Treibhausgasen in ein Gleichgewicht gebracht werden? Die Initiative Climate Neutral Now bringt es auf den Begriff: durch Messen, Reduzieren und Kompensieren (Measure, Reduce, Offset). Im Klartext: Der sogenannte CO<sub>2<\/sub>-Fu\u00dfabdruck soll ermittelt und die Treibhausgase sollen, soweit es geht, reduziert werden \u2013 und jene, die \u201egegenw\u00e4rtig nicht vermieden werden k\u00f6nnen\u201c, sollen mit von den Vereinten Nationen zertifizierten Kohlenstoffgutschriften ausgeglichen werden. Zum Beispiel, indem ein deutscher Kraftwerksbetreiber die Aufforstung von W\u00e4ldern in anderen L\u00e4ndern finanziert. Dieser Ansatz geht einerseits davon aus, dass es letztlich egal ist, wo die emittierten Treibhausgase neutralisiert werden. Schlie\u00dflich wirken diese global, weshalb der Ausgleich dort stattfinden k\u00f6nne, wo das einfach und kosteng\u00fcnstig m\u00f6glich ist. Andererseits liegt der Annahme, CO<sub>2<\/sub> \u00fcberhaupt kompensieren zu k\u00f6nnen, eine gleicherma\u00dfen naturwissenschaftliche wie marktkompatible Perspektive zugrunde. Diese geht davon aus, dass Emissionen gemessen, addiert, bilanziert und gehandelt werden k\u00f6nnen. Voraussetzung f\u00fcr das Kompensieren ist somit ein globaler Markt f\u00fcr Verschmutzungsrechte. Dieses komplexe Geflecht aus Klimaschutztransaktionen, Zertifizierungen und Monitoring entstand bereits 1997 \u2013 mit dem Kyoto-Protokoll.<\/p>\n<h2>Emissionen kompensieren \u2013 oft sogar mit gegenteiligen Effekten<\/h2>\n<p>Grunds\u00e4tzlich gibt es zwei Arten der Kompensation: die freiwillige auf individueller und Unternehmensebene und die auf staatlicher Ebene im Rahmen des Kyoto-Protokolls. Die Mechanismen des Kyoto-Protokolls, Joint Implementation und Clean Development (CDM), stehen indes massiv in der Kritik.<\/p>\n<p>Denn finanzstarken Akteuren in den fr\u00fchindustrialisierten Staaten werde es auf diese Weise erm\u00f6glicht \u2013 so der erste Kritikpunkt \u2013, sich vor der Reduktion der eigenen Emissionen zu dr\u00fccken. Stattdessen sollen messbare Mengen freigesetzter Kohlenstoffe durch das Verhindern potentieller Kohlenstoffemissionen im globalen S\u00fcden ausgeglichen werden. Klimaschutz wird somit blo\u00df verlagert. Gro\u00dfe Konzerne und m\u00e4chtige Staaten erkaufen sich das Recht, die Umwelt weiter zu verschmutzen und k\u00f6nnen im Grundsatz weitermachen wie gehabt. Der Ansatz, Emissionen hierzulande mit Emissionen anderswo auszugleichen, negiert zudem den gesundheitssch\u00e4digenden Charakter von Emissionen. Laut Weltgesundheitsorganisation sterben global jedes Jahr 4,2 Millionen Menschen vorzeitig, weil sie Luft einatmen mussten, die von Autos, Kohlekraftwerken, Fabriken und der industriellen Landwirtschaft verschmutzt wurde. Andere Studien gehen gar von \u00fcber 8,7 Millionen Toten aus. Und die Hauptursache f\u00fcr die schlechte Luft ist zugleich auch jene f\u00fcr den Klimawandel, n\u00e4mlich die Verbrennung fossiler Brennstoffe.<\/p>\n<p>Kritikpunkt Nummer zwei: Die Kompensationsprojekte setzen zudem eine globale soziale Spaltung voraus, sprich: unterschiedliche Niveaus bei Industrialisierung, Energieverbrauch und Entwicklung. St\u00fcnden dagegen alle Staaten auf einer vergleichbaren \u201eEntwicklungsstufe\u201c, w\u00fcrde es kaum noch Potentiale f\u00fcr Kompensationen geben. Denn Industrialisierung geht stets mit Landnutzungs\u00e4nderungen und Fl\u00e4chenverbrauch sowie einem erh\u00f6hten Energie- und Ressourcenverbrauch einher, in dessen Folge Moore und W\u00e4lder, also Kohlenstoffsenken, verschwinden \u2013 und damit auch die M\u00f6glichkeit der Kompensation.<\/p>\n<p>Hinzu kommt drittens: Da sich im Pariser Klimaabkommen fast alle Staaten \u2013 nicht nur wie im Kyoto-Protokoll lediglich die Industriestaaten \u2013 dazu verpflichtet haben, ihre Emissionen zu reduzieren und die verbliebenen zu kompensieren, schwindet das Potential der Kompensationsprojekte weiter \u2013 immer vorausgesetzt, dass sich die Vertragsstaaten an ihre Minderungsziele halten. Zus\u00e4tzliche Emissionsreduktionen k\u00f6nne es nicht geben, wenn die L\u00e4nder bereits ihr Maximum tun, so die NGO <em>Carbon Market Watch<\/em> in einer Analyse. \u201eKompensationen k\u00f6nnen nur zu einem Nullsummenspiel f\u00fchren\u201c, lautet das Fazit. \u201eDenn eine Tonne CO<sub>2<\/sub> wird irgendwo emittiert, und eine Tonne wird irgendwo anders reduziert. Sie k\u00f6nnen daher nicht zur langfristigen Emissionsreduktion eingesetzt werden und sind nicht mit der Idee vereinbar, auf globaler Ebene Netto-Null-Emissionen anzustreben.\u201c<a id=\"_ftnref4\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\/die-chimaere-der-klimaneutralitaet#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>Anders ausgedr\u00fcckt: Wenn alle L\u00e4nder irgendwo auf dieser begrenzten Erde ihre CO<sub>2<\/sub>-Emissionen kompensieren sollen, stellt sich die Frage, wo das n\u00f6tige Au\u00dfen liegen soll, an dem dies noch m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Der vierte Kritikpunkt an den Kompensationen ist der Zeitverzug: In dem Moment, wo das Zertifikat \u00fcber eine CO<sub>2<\/sub>-Reduktion gehandelt wird, ist der Effekt des Ausgleichs noch Zukunftsmusik.<a id=\"_ftnref5\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\/die-chimaere-der-klimaneutralitaet#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Um es an einem sehr beliebten \u201eDeal\u201c zu verdeutlichen: Fliege ich von Frankfurt nach New York und kompensiere das mit der Finanzierung einer Aufforstung in Chile, werden die B\u00e4ume erst viele Jahre sp\u00e4ter CO<sub>2<\/sub> aufnehmen. Auch muss gew\u00e4hrleistet sein, dass die B\u00e4ume f\u00fcr mindestens hundert Jahre, der Verweildauer von Kohlenstoff in der Atmosph\u00e4re, vor Rodungen gesch\u00fctzt sind. Zudem f\u00fchren Aufforstungsprojekte und der marktkonforme Waldschutz im Rahmen der sogenannten REDD-Programme zu Konflikten um Landnutzungsrechte im globalen S\u00fcden, deren Leidtragende h\u00e4ufig Indigene sind.<a id=\"_ftnref6\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\/die-chimaere-der-klimaneutralitaet#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> \u00dcberdies stellt sich die Frage, wer sich das Aufforstungsprojekt letztlich anrechnen kann und wird? Lufthansa \u2013 und damit der deutsche Staat, in dem Lufthansa seinen Hauptsitz hat? Oder Chile, das Land, in dem die Aufforstung tats\u00e4chlich durchgef\u00fchrt wird? Die Gefahr der Doppelz\u00e4hlung ist \u2013 das zeigt die bisherige Erfahrung \u2013 sehr real und wird auch bei den Kompensationsmechanismen im Pariser Klimaabkommen fortbestehen.<a id=\"_ftnref7\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\/die-chimaere-der-klimaneutralitaet#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/p>\n<p>Das wohl wichtigste und zudem problematischste Kriterium bei Kompensationsprojekten ist schlie\u00dflich \u2013 f\u00fcnftens \u2013 die erforderliche Zus\u00e4tzlichkeit. W\u00e4re der Wald in Chile nicht auch ohne die Klimaschutzinvestition der Lufthansa aufgeforstet worden, lautet die Gretchenfrage.<\/p>\n<p>Die Praxis ist mehr als ern\u00fcchternd. Etliche Studien konnten zeigen, dass viele Projekte bereits angesto\u00dfen worden waren, bevor sie in den globalen Kohlenstoffmarkt eintraten. Teils wurden die Emissionen im Vorfeld sogar k\u00fcnstlich nach oben getrieben, so dass das Ausgangsszenario \u00fcbertrieben hoch berechnet wurde. Die fatale Folge: Es wurden zu viele Zertifikate emittiert und verkauft. Millionen Zertifikate aus russischen und ukrainischen Klimaschutzprojekten, so eine Studie des Stockholm Environment Institute, f\u00fchrten sogar zu einem Anstieg der globalen Treibhausgasemissionen.<a id=\"_ftnref8\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\/die-chimaere-der-klimaneutralitaet#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Das Stockholmer Institut zeigte des Weiteren, dass fast drei Viertel aller Joint-Implementation-Projekte keine Emissionsreduktionen bewirkt haben \u2013 oder weniger als deklariert.<a id=\"_ftnref9\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\/die-chimaere-der-klimaneutralitaet#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Das Freiburger \u00d6ko-Institut kam sogar zu der Schlussfolgerung, dass 85 Prozent der analysierten Clean-Development-Mechanism-Projekte und 73 Prozent des potentiellen Angebots an zertifizierten Emissionsreduktionen f\u00fcr den Zeitraum 2013 bis 2020 eine geringe Wahrscheinlichkeit der Zus\u00e4tzlichkeit aufwiesen.<a id=\"_ftnref10\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\/die-chimaere-der-klimaneutralitaet#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a><\/p>\n<p>Die Fehler der beiden Instrumente, so die Bef\u00fcrchtung, k\u00f6nnten im Kohlenstoffmarkt des Pariser Abkommens fortgef\u00fchrt werden.<a id=\"_ftnref11\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\/die-chimaere-der-klimaneutralitaet#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> Dar\u00fcber hinaus besteht die Gefahr eines viel zu gro\u00dfen Angebots an CDM-Zertifikaten, die in den Kohlenstoffmarkt im Rahmen des Pariser Abkommens \u00fcberf\u00fchrt werden k\u00f6nnten. Dann aber st\u00fcnden viel zu viele Gutschriften f\u00fcr die Nutzung zur Verf\u00fcgung, ohne dass dies tats\u00e4chlich zur Reduktion einer einzigen Tonne CO<sub>2<\/sub> f\u00fchren w\u00fcrde. Bis mindestens 2035 k\u00f6nnte das die Lage sein.<a id=\"_ftnref12\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\/die-chimaere-der-klimaneutralitaet#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a><\/p>\n<p>Auf dem Klimagipfel in Glasgow im November dieses Jahres soll nun ein erneuter Versuch zur Ausgestaltung des Kohlenstoffmarktes unternommen werden. Wie auch immer dieser ausf\u00e4llt: H\u00f6chst bemerkenswert ist bereits jetzt, dass der UN-regulierte Kohlenstoffhandel durch das Pariser Klimaabkommen wiederbelebt wird, obwohl er zuvor so d\u00fcrftige Ergebnisse gebracht hat und unter anderem eben wegen dieser Misserfolge und infolge der gescheiterten UN-Klimakonferenz von Kopenhagen 2009 massiv an Reputation verloren hatte.<a id=\"_ftnref13\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\/die-chimaere-der-klimaneutralitaet#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a><\/p>\n<h2>Abscheidungen und Negativemissionen \u2013 eine hochriskante Wette<\/h2>\n<p>Neben der bereits im gro\u00dfen Stil betriebenen Praxis des Kompensierens bedeutet Klimaneutralit\u00e4t schlie\u00dflich auch massiven Auftrieb f\u00fcr das Abscheiden und Speichern von Kohlenstoffen, das sogenannte <em>Carbon Capture and Storage<\/em>, oder kurz: CCS.<a id=\"_ftnref14\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\/die-chimaere-der-klimaneutralitaet#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> Bei diesen Verfahren soll das CO<sub>2<\/sub> aus beispielsweise der Stahl- oder Zementherstellung aufgefangen und unterirdisch gespeichert werden. Die Betonung liegt auf \u201esoll\u201c. Denn CCS ist alles andere als kommerziell anwendbar, schon gar nicht im gro\u00dfen Stil. Das h\u00e4ngt mit den zahlreichen Problemen zusammen, die diese Technik mit sich bringt. Das Verfahren ben\u00f6tigt ein hohes Ma\u00df an Energieeinsatz, der wom\u00f6glich aus fossilen Quellen stammt. Es ist teuer und keineswegs sicher, dass der Kohlenstoff auf Dauer gespeichert werden kann, die Gefahr der Leckagen ist immer gegeben. In der Vergangenheit sind daher weltweit immer wieder Gro\u00dfversuche eingestellt worden.<\/p>\n<p>Eine weitere Form des Entziehens von Kohlenstoffen aus der Atmosph\u00e4re sind \u201eNegative Emissionstechnologien\u201c (NET). Hierunter versteht man einerseits Praktiken wie die Bepflanzung gro\u00dfer Landfl\u00e4chen mit B\u00e4umen und Pflanzen, Seegras- und Algenzucht, Biokohleproduktion sowie die D\u00fcngung der Ozeane und andererseits Geoengineering-Methoden wie die Kohlendioxidentnahme <em>(Carbon Dioxide Removal)<\/em>. Gerade letztere ist noch unausgereifter, teurer, energieintensiver und risikoreicher als das CCS. Eine Studie kam unl\u00e4ngst zu dem Urteil, dass gerade die fossilen Industrien bei der Entwicklung und F\u00f6rderung von Geoengineering-Technologien eine tragende Rolle spielen \u2013 und somit versuchen, ihre Gesch\u00e4ftsmodelle bewusst am Leben zu erhalten oder neue zu erschlie\u00dfen.<a id=\"_ftnref15\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\/die-chimaere-der-klimaneutralitaet#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a><\/p>\n<p>Negative Emissions- und Abscheidungstechniken k\u00f6nnen auch kombiniert werden. Abscheidung und Speicherung von Kohlenstoff aus Biomasseenergie (BECCS) lautet daf\u00fcr der Fachbegriff. Dabei werden B\u00e4ume gepflanzt, die CO<sub>2<\/sub> aufnehmen. Dann wird Holz zur Stromerzeugung verbrannt, aber das Kohlenstoffdioxid abgeschieden und gespeichert. Der gro\u00dfe Nachteil hier: Es werden enorme Wassermengen und Fl\u00e4chen ben\u00f6tigt, die mit Fl\u00e4chen zur Lebensmittelproduktion konkurrieren oder auf Kosten der Biodiversit\u00e4t gehen. Und es ist keineswegs sicher, dass die angenommene Speicherung in Biomasse tats\u00e4chlich eintritt. Umso besorgniserregender ist es, dass fast alle etablierten Analysen f\u00fcr atmosph\u00e4rische CO<sub>2<\/sub>-Minderungspfade, einschlie\u00dflich der des UN-Weltklimarates (IPCC), \u201e\u00e4u\u00dferst mutige Annahmen \u00fcber CCS und NET treffen\u201c, so die Energiewissenschaftler Samuel Alexander und Joshua Floyd. Der internationale politische Diskurs \u00fcber das Klima st\u00fctze sich auf Technologien, haupts\u00e4chlich BECCS, die theoretisch plausibel sind, aber in der Praxis nicht existierten. CCS und NET seien somit ein \u201erisikoreiches Gl\u00fccksspiel\u201c und grenzten an \u201efahrl\u00e4ssiges Verhalten\u201c.<a id=\"_ftnref16\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\/die-chimaere-der-klimaneutralitaet#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a><\/p>\n<p>Was also, wenn die ungedeckte Wette nicht aufgeht? Dann w\u00fcrde es noch viel schwieriger, die Emissionen zu vermeiden, weil weitere wertvolle Zeit verstrichen ist, in der man auf das Potential der Negativemissionen gehofft hat, w\u00e4hrend die Bem\u00fchungen zu einer echten Reduktion der Emissionen vernachl\u00e4ssigt wurden. Denn Emissionsreduktionen, auf die in der Gegenwart verzichtet wird, k\u00f6nnen im globalen kumulativen Kohlenstoffbudget nicht durch zuk\u00fcnftige Emissionsreduktionen ersetzt werden. Genau dieses Ph\u00e4nomen zeichnet sich jedoch ab, wie eine Studie der Lancaster University zeigt: Die Befragung von 80 politischen Entscheidungstr\u00e4gern, Managern, Akademikern und NGO-Vertretern hat ergeben, dass die Hoffnung auf Negativemissionen als Element der Netto-Null die Emissionsreduktion bereits verlangsamt hat. Und weitere Forschung und Investitionen in Negativ-Emissionstechnologien k\u00f6nnten diesen Prozess noch beschleunigen. Denn sie signalisieren: Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis diese Techniken ausgereift sind \u2013 also k\u00f6nnen wir uns ruhig zur\u00fccklehnen, was die jetzige Reduktion von Emissionen anbelangt.<a id=\"_ftnref17\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\/die-chimaere-der-klimaneutralitaet#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a><\/p>\n<h2>Klimaneutralit\u00e4t als Greenwashing \u2013 zur Legitimation des Status quo<\/h2>\n<p>Die Schlussfolgerung der Forscher lautet daher: Es ist absolut notwendig, \u00fcber die Klimaneutralit\u00e4t hinauszugehen und die beiden Ziele, Emissionsreduktionen und Negativemissionen, klar voneinander zu trennen und nicht das eine auf das andere anzurechnen. Denn obwohl bei den Bekenntnissen zur Klimaneutralit\u00e4t auch die Reduktion von Emissionen eine Rolle spielt, ist bereits absehbar, dass sich Staaten und Unternehmen mit den Schlupfl\u00f6chern Kompensation, Abscheidung und Negativ-Emissionstechnologien von der Notwendigkeit der CO<sub>2<\/sub>-Einsparung freikaufen werden.<\/p>\n<p>Klimaneutralit\u00e4t fungiert damit im Ergebnis als Greenwashing \u2013 und entlastet so von der eigenen Verantwortung f\u00fcr den globalen Klimaschutz: Mit der technikoptimistischen Wette auf Negativemissionen und der M\u00f6glichkeit, \u00fcber einen komplexen globalen Markt Kohlenstoffemissionen andernorts zu \u201eneutralisieren\u201c, entledigen sich Staaten, Unternehmen und Einzelpersonen der Pflicht, ihre eigenen Emissionen zu reduzieren. Klimaneutralit\u00e4t ist somit die aktuellste Rechtfertigung der Industriestaaten, das zu unterlassen, was tats\u00e4chlich notwendig w\u00e4re, um die Folgen des Klimawandels abzumildern: mit der Verbrennung von \u00d6l, Kohle und Gas jetzt endlich aufzuh\u00f6ren \u2013 und zwar hier, im globalen Norden.<\/p>\n<p>Der Begriff der \u201eNetto-Null\u201c legt dagegen nahe, dass es mit Wachstum, Kapitalismus und dem gewohnten Konsumniveau weitergehen kann wie gehabt. Nur ein bisschen gr\u00fcner soll alles werden. Erneuerbare Energien sollen die fossilen ersetzen, haben aber noch vor allem einen Alibi-Charakter, da sie bis heute nur an der Stromerzeugung einen nennenswerten Anteil haben. So aber werden weiterhin j\u00e4hrlich fossile Energietr\u00e4ger in Milliardenh\u00f6he subventioniert: Allein in Europa werden in den n\u00e4chsten zehn Jahren \u00fcber 70 Mrd. Euro in Gaspipelines und Terminals f\u00fcr Fl\u00fcssiggas investiert.<a id=\"_ftnref18\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\/die-chimaere-der-klimaneutralitaet#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a><\/p>\n<p>Der Begriff der Klimaneutralit\u00e4t erf\u00fcllt somit eine ideologisch verschleiernde Funktion: Er suggeriert, dass Klimaschutz betrieben wird und die Pariser Klimaziele auf diese Weise eingehalten werden k\u00f6nnen. Das aber wird gerade nicht der Fall sein.<a id=\"_ftnref19\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\/die-chimaere-der-klimaneutralitaet#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a> So f\u00fcgt sich die Klimaneutralit\u00e4t ein in die Geschichte neoliberalen Umweltmanagements, das marktwirtschaftlichen Gesetzen folgt. Dabei zeigt es sich unber\u00fchrt von der erdr\u00fcckenden Beweislast: Denn trotz jahrzehntelanger globaler Klimapolitik der marktwirtschaftlichen Art steigen die Emissionen weltweit weiter. Einzige Ausnahmen: die globalen Wirtschaftseinbr\u00fcche von 2008\/2009 infolge der Finanzkrise oder 2020 infolge der Corona-Pandemie.<\/p>\n<p>Somit liegt eigentlich klar auf der Hand, was erfolgreicher Klimaschutz sein k\u00f6nnte: eine Verringerung der Wirtschaftst\u00e4tigkeit, da diese immer mit Ressourcen- und Energieverbrauch einhergeht; Energiesuffizienz, also Strategien zur nachhaltigen Begrenzung des Energiebedarfs, und damit schlie\u00dflich die Entwicklung einer Postwachstumsgesellschaft. Keineswegs aber reichen wegen der Gefahr von Rebound-Effekten nur Energieeffizienz und das Ersetzen der fossilen durch erneuerbare Energien. Denn diese haben unter anderem aufgrund der geringeren Energiedichte und eines niedrigeren sogenannten Erntefaktors (Verh\u00e4ltnis der eingesetzten zur erzeugten Energie) nicht das Potential, so viel Energie zur Verf\u00fcgung zu stellen, als dass das bisherige, immens hohe Niveau aufrechterhalten werden k\u00f6nnte.<a id=\"_ftnref20\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\/die-chimaere-der-klimaneutralitaet#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a><\/p>\n<p>Damit stellen sich jedoch unangenehme Fragen nach grunds\u00e4tzlichen strukturellen \u00c4nderungen: Energiesuffizienz ist mit Wachstum im Sinne von mehr Umweltverbrauch nicht vereinbar, Kapitalismus wiederum ist ohne Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) kaum vorstellbar, weil die Konkurrenz der Unternehmen diese bei Strafe des Untergangs zur permanenten und unbeschr\u00e4nkten Kapitalakkumulation zwingt. Weshalb sie stets versuchen, die Produktion effizienter und innovativer zu gestalten, um ihren Warenaussto\u00df und damit ihre Profite zu erh\u00f6hen. Bricht das BIP in Rezessionen und Krisen ein, hat das Massenarbeitslosigkeit und Massenelend zur Folge, was wiederum die Krise des Systems verst\u00e4rkt. Das erforderliche BIP-Wachstum geht jedoch stets einher mit Umweltverbrauch \u2013 allen Hoffnungen auf Entkopplung und gr\u00fcnes Wachstum zum Trotz.<a id=\"_ftnref21\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\/die-chimaere-der-klimaneutralitaet#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a> Denn der Zwang der Unternehmen zur Innovation und Effizienz wird nicht genutzt, um den Input zu verringern und den Output auf einem gleichbleibenden Niveau zu halten, sondern um den Aussto\u00df an Waren zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Eine tats\u00e4chlich nachhaltige Produktionsweise mit weniger Ressourcen- und Energieverbrauch h\u00e4tte dagegen zwangsl\u00e4ufig ein geringeres Konsumniveau zur Folge. Da zudem die fr\u00fchindustrialisierten Staaten historisch betrachtet bis heute die meiste Energie und die meisten Ressourcen verbraucht haben, muss auch aus Gerechtigkeitsgr\u00fcnden ihr Konsumlevel viel drastischer sinken, damit die sp\u00e4ter industrialisierten L\u00e4nder zumindest ein Niveau erreichen k\u00f6nnen, das allen Menschen ein Leben ohne Armut erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Es versteht sich, dass vor diesem Hintergrund \u201eKlimaneutralit\u00e4t\u201c die weitaus angenehmere Option ist. Sie gaukelt eine Antwort auf die Klimafrage vor und bejaht zugleich die Frage, ob unser Wirtschafts- und Wohlstandsmodell in seiner jetzigen Form konserviert werden kann. Sch\u00f6ner kann Klimaschutz nicht sein, untauglicher aber auch nicht.<\/p>\n<div>\n<div id=\"ftn1\">\n<p><a id=\"_ftn1\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\/die-chimaere-der-klimaneutralitaet#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><sup>[1]<\/sup><\/a> Vgl. Race To Zero Campaign, <a href=\"http:\/\/www.unfccc.int\">www.unfccc.int<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn2\">\n<p><a id=\"_ftn2\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\/die-chimaere-der-klimaneutralitaet#_ftnref2\" name=\"_ftn2\"><sup>[2]<\/sup><\/a> Zit. nach Sybille Bauriedl, Klimaneutralit\u00e4t, in: dies. (Hg.), W\u00f6rterbuch Klimadebatte, Bielefeld 2016, S. 189.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn3\">\n<p><a id=\"_ftn3\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\/die-chimaere-der-klimaneutralitaet#_ftnref3\" name=\"_ftn3\"><sup>[3]<\/sup><\/a> Vgl. Hans-Jochen Luhmann und Wolfgang Obergassel, Klimaneutralit\u00e4t versus Treibhausgasneutralit\u00e4t, in: \u201eGAIA \u2013 \u00d6kologische Perspektiven f\u00fcr Wissenschaft und Gesellschaft\u201c, 1\/2020, S. 27-33, hier S. 27\u2009f.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn4\">\n<p><a id=\"_ftn4\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\/die-chimaere-der-klimaneutralitaet#_ftnref4\" name=\"_ftn4\"><sup>[4]<\/sup><\/a> Carbon Market Watch, Carbon markets 101. The Ultimate guide to global offsetting mechanism, <a href=\"http:\/\/www.carbonmarketwatch.org\">www.carbonmarketwatch.org<\/a>, 31.7.2020, S. 11.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn5\">\n<p><a id=\"_ftn5\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\/die-chimaere-der-klimaneutralitaet#_ftnref5\" name=\"_ftn5\"><sup>[5]<\/sup><\/a> Vgl. Eva Rechsteiner, Die Risiken der Klimaneutralit\u00e4t. Weshalb die derzeitigen Umsetzungsversuche den Prinzipien der Klimagerechtigkeit widersprechen, <a href=\"http:\/\/www.klima-der-gerechtigkeit.de\">www.klima-der-gerechtigkeit.de<\/a>, 22.4.2020.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn6\">\n<p><a id=\"_ftn6\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\/die-chimaere-der-klimaneutralitaet#_ftnref6\" name=\"_ftn6\"><sup>[6]<\/sup><\/a> World Rainforest Movement, REDD. A Collection of Conflicts, Contradictions and Lies, <a href=\"http:\/\/www.wrm.org.uy\">www.wrm.org.uy<\/a>, 3.12.2014.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn7\">\n<p><a id=\"_ftn7\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\/die-chimaere-der-klimaneutralitaet#_ftnref7\" name=\"_ftn7\"><sup>[7]<\/sup><\/a> Vgl. Carbon Market Watch, Above and Beyond Carbon Offsetting. Alternatives to Compensation for Climate Action and Sustainable Development, <a href=\"http:\/\/www.carbonmarketwatch\">www.carbonmarketwatch<\/a>, 15.12.2020, S. 5\u2009f.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn8\">\n<p><a id=\"_ftn8\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\/die-chimaere-der-klimaneutralitaet#_ftnref8\" name=\"_ftn8\"><sup>[8]<\/sup><\/a> Has Joint Implementation reduced GHG emissions? Lessons learned for the design of carbon market mechanisms, <a href=\"http:\/\/www.sei.org\">www.sei.org<\/a>, 24.8.2015.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn9\">\n<p><a id=\"_ftn9\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\/die-chimaere-der-klimaneutralitaet#_ftnref9\" name=\"_ftn9\"><sup>[9]<\/sup><\/a> Vgl. Bettina Dyttrich, Kompensieren als Klimakiller, in: \u201eWoZ\u201c, 29.11.2018.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn10\">\n<p><a id=\"_ftn10\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\/die-chimaere-der-klimaneutralitaet#_ftnref10\" name=\"_ftn10\"><sup>[10]<\/sup><\/a> \u00d6ko-Insitut e.V., How additional is the Clean Development Mechanism?, <a href=\"http:\/\/www.oeko.de\">www.oeko.de<\/a>, 3\/2016, S. 11.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn11\">\n<p><a id=\"_ftn11\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\/die-chimaere-der-klimaneutralitaet#_ftnref11\" name=\"_ftn11\"><sup>[11]<\/sup><\/a> Carbon Market Watch, Carbon markets 101, a.a.O., S. 6.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn12\">\n<p><a id=\"_ftn12\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\/die-chimaere-der-klimaneutralitaet#_ftnref12\" name=\"_ftn12\"><sup>[12]<\/sup><\/a> Ebd.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn13\">\n<p><a id=\"_ftn13\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\/die-chimaere-der-klimaneutralitaet#_ftnref13\" name=\"_ftn13\"><sup>[13]<\/sup><\/a> Vgl. Mareike Blum und Eva L\u00f6vbrand, The return of carbon offsetting? The discursive legitimation of new market arrangements in the Paris climate regime, in: \u201eEarth System Governance\u201c 2\/2019, S. 2, <a href=\"http:\/\/www.sciencedirect.com\">www.sciencedirect.com<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn14\">\n<p><a id=\"_ftn14\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\/die-chimaere-der-klimaneutralitaet#_ftnref14\" name=\"_ftn14\"><sup>[14]<\/sup><\/a> Vgl. Samuel Alexander und Joshua Floyd, Das Ende der Kohlenstoff-Zivilisation. Wie wir mit weniger Energie leben k\u00f6nnen, M\u00fcnchen 2020, S. 74\u2009ff.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn15\">\n<p><a id=\"_ftn15\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\/die-chimaere-der-klimaneutralitaet#_ftnref15\" name=\"_ftn15\"><sup>[15]<\/sup><\/a> Fuel to the Fire. How Geoengineering Threatens to Entrench Fossil Fuels and Accelarate the Climate Crisis, <a href=\"http:\/\/www.boell.de\">www.boell.de<\/a>, 2.2.2019.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn16\">\n<p><a id=\"_ftn16\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\/die-chimaere-der-klimaneutralitaet#_ftnref16\" name=\"_ftn16\"><sup>[16]<\/sup><\/a> Samuel und Floyd, a.a.O., S. 75.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn17\">\n<p><a id=\"_ftn17\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\/die-chimaere-der-klimaneutralitaet#_ftnref17\" name=\"_ftn17\"><sup>[17]<\/sup><\/a> Duncan McLaren, The problem with net-zero emissions targets, <a href=\"http:\/\/www.carbonbrief.org\">www.carbonbrief.org<\/a>, 30.9.2019; ders. u.a., Beyond \u201eNet-Zero\u201c: A Case for Separate Targets for Emissions Reduction and Negative Emissions, <a href=\"http:\/\/www.frontiersin.org\">www.frontiersin.org<\/a>, 21.8.2019.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn18\">\n<p><a id=\"_ftn18\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\/die-chimaere-der-klimaneutralitaet#_ftnref18\" name=\"_ftn18\"><sup>[18]<\/sup><\/a> Vgl. Wie neue Pipelines den Klimaschutz durchkreuzen, in: \u201eS\u00fcddeutsche Zeitung\u201c, 3.2.2021.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn19\">\n<p><a id=\"_ftn19\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\/die-chimaere-der-klimaneutralitaet#_ftnref19\" name=\"_ftn19\"><sup>[19]<\/sup><\/a> Vgl. Hans-Josef Fell und Thure Traber, Der Pfad einer Klimaneutralit\u00e4t ab 2050 verhehlt die Klimaziele von Paris, <a href=\"http:\/\/www.energywatchgroup.org\">www.energywatchgroup.org<\/a>, 12\/2020.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn20\">\n<p><a id=\"_ftn20\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\/die-chimaere-der-klimaneutralitaet#_ftnref20\" name=\"_ftn20\"><sup>[20]<\/sup><\/a> Vgl. ausf\u00fchrlich Samuel und Floyd, a.a.O., S. 89-116.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn21\">\n<p><a id=\"_ftn21\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\/die-chimaere-der-klimaneutralitaet#_ftnref21\" name=\"_ftn21\"><sup>[21]<\/sup><\/a> Vgl. European Environmental Bureau, Decoupling Debunked. Evidence and arguments against green growth as a sole strategy for sustainability, <a href=\"http:\/\/www.eeb.org\">www.eeb.org<\/a>, 9.7.2019.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"articleinfo \">\n<div>Aus: <a href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/maerz\">\u00bbBl\u00e4tter f\u00fcr deutsche und internationale\u00ab 3\/2021<\/a>, S. 99-106<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber die entlastende Wirkung eines neuen Mantras Wer bietet mehr, wer hat noch nicht: Auf der klimapolitischen Weltb\u00fchne ging es in den letzten Monaten zu wie auf einer Auktion. Gegenstand der Begierde: die Klimaneutralit\u00e4t. 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