{"id":1545,"date":"2021-07-01T09:50:46","date_gmt":"2021-07-01T07:50:46","guid":{"rendered":"https:\/\/guidospeckmann.de\/?p=1545"},"modified":"2021-07-19T09:54:42","modified_gmt":"2021-07-19T07:54:42","slug":"warum-schwankt-der-bitcoin-so-stark","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidospeckmann.de\/?p=1545","title":{"rendered":"Warum schwankt der Bitcoin so stark?"},"content":{"rendered":"<p class=\"has-drop-cap\">Es ist eine eher randst\u00e4ndige Nachricht \u00fcber den Bitcoin: El Salvador hat als erstes Land der Welt beschlossen, die Digitalw\u00e4hrung als gesetzliches Zahlungsmittel zuzulassen. Die dominierenden Nachrichten \u00fcber den Bitcoin der letzten Wochen betrafen aber den dramatischen Kursverlust. Von 60.000 Dollar ging es runter auf 30.000! Neben dem Bitcoin, der dominierenden Kryptow\u00e4hrung, waren andere teils sogar noch st\u00e4rker betroffen.<!--more--><\/p>\n<p>Was waren die Gr\u00fcnde f\u00fcr den Crash? Einerseits hatte Tesla-Chef Elon Musk auf Twitter spekuliert, seine Bitcoin-Investments absto\u00dfen, die W\u00e4hrung als Zahlungsmittel wieder auszuschlie\u00dfen zu wollen und deren enorm hohen Stromverbrauch bei der Entstehung (dem sog. Mining) kritisiert. Andererseits gab es aus China deutliche Signale, dass der Bitcoin reguliert werden soll. Die F\u00fchrung in Peking hatte bekr\u00e4ftigt, gegen die Herstellung von Kryptow\u00e4hrungen vorgehen zu wollen. Mining-Firmen in China k\u00fcndigten daraufhin an, ihre Standorte in andere L\u00e4nder zu verlagern. Anfang Juni <a href=\"https:\/\/www.manager-magazin.de\/finanzen\/bitcoin-und-kryptowaehrungen-china-verschaerft-kurs-gegen-weibo-blogger-a-d39a3544-fcc5-4194-9f37-2d70576a48e5\">versch\u00e4rfte<\/a> China seinen Kurs gegen den Bitcoin abermals. Benutzerkonten von einflussreichen Krypto-Fans wurden auf der Social-Media-Plattform Weibo gesperrt. Schlie\u00dflich kam aus den USA noch die Meldung, dass das dortige Finanzministerium erw\u00e4gt, eine Meldepflicht f\u00fcr Krypto-Transaktionen von mehr als 10.000 Dollar einzuf\u00fchren. Anh\u00e4nger*innen der digitalen W\u00e4hrung schmeckt das gar nicht, weil sie gerade deren Anonymit\u00e4t sch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Egal also, ob in China, den Vereinigten Staaten oder der <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/wirtschaft\/bitcoin-und-co-unter-druck-wie-die-eu-den-handel-mit-kryptowaehrungen-regulieren-will\/27246924.html\">EU<\/a>: \u00dcberall sind Regulierungen von Kryptow\u00e4hrungen in Planung. Sicher ein Grund f\u00fcr die heftigen Abst\u00fcrze der W\u00e4hrungen im Mai. Aber nicht der einzige: Die krasse Ungleichheit beim Besitz des Bitcoins spielt ebenfalls eine Rolle. Etwa zwei Prozent der anonymen Besitzkonten, die nachverfolgt werden k\u00f6nnen, <a href=\"https:\/\/www.bloomberg.com\/news\/articles\/2020-11-18\/bitcoin-whales-ownership-concentration-is-rising-during-rally\">kontrollieren<\/a> dem Medienunternehmen Bloomberg zufolge 95 Prozent des digitalen Verm\u00f6genswertes. \u00bbWale\u00ab werden diese Gro\u00dfinvestor*innen genannt. Und wenn sich einer von ihnen regt, wie Tesla zum Beispiel, kann er die anderen oder Schw\u00e4rme kleiner Fische, sprich Kleinanleger*innen, in Panik versetzen. Hinzukommt: Neben dem Handel mit der W\u00e4hrung selbst gibt es l\u00e4ngst auch sogenannte abgeleitete Finanzprodukte (Derivate). Futures etwa, die auf die zuk\u00fcnftige Wertentwicklung des Bitcoins Wetten abschlie\u00dfen, werden an der Terminkontrakt-B\u00f6rse CME gehandelt.<\/p>\n<p>Das zeigt, dass der Bitcoin Teil des spekulativ aufgebl\u00e4hten Finanzsektors des globalen Kapitalismus geworden ist. Und damit ist er vor allem eines: ein Spekulationsobjekt \u2013 f\u00fcr jene, die ohnehin schon viel Geld haben und auf der Suche nach neuen Verwertungsm\u00f6glichkeiten ihres Kapitals sind. Ein Aspekt, der in den meisten Analysen zum Thema kaum eine Rolle spielt. Als Spekulationsobjekt bietet sich der Bitcoin gut an, weil er eine sogenannte <a href=\"https:\/\/jacobin.de\/artikel\/der-bitcoin-loest-keine-probleme-kryptowaehrung-elon-musk-e-euro-monetarismus-aaron-koenig\/\">deflation\u00e4re W\u00e4hrung<\/a> ist. Es ist festgelegt, dass es nicht mehr als 21 Millionen Bitcoins geben kann. Diese Knappheit l\u00e4sst ihn stark im Wert steigen, wenn es eine entsprechende Nachfrage gibt. Die Furcht vor inflation\u00e4ren W\u00e4hrungen war denn auch ein zentrales Motiv bei der Entstehung des Bitcoins im Zuge der Finanzkrise von 2008. Die Unterst\u00fctzer*innen bef\u00fcrchteten durch die expansive Geldpolitik eine Inflation des Dollars oder des Euros.<\/p>\n<p>Warum aber gehen m\u00e4chtige Staaten wie China oder die USA jetzt gegen das Sch\u00fcrfen von und den Handel mit Bitcoins vor? Sie wollen sich salopp gesagt einen Konkurrenten vom Hals halten, der ihnen ihre W\u00e4hrungsmonopole und dar\u00fcber ihren geldpolitischen Einfluss streitig macht. Denn zurzeit <a href=\"https:\/\/www.akweb.de\/politik\/digitaler-euro\/\">planen<\/a> viele Notenbanken selbst die Einf\u00fchrung eines digitalen Zentralbankgeldes. In diesem Kontext ist auch der heftige Widerstand gegen die geplante Facebook-W\u00e4hrung Libra zu sehen. Das inzwischen umgetaufte und verschobene Projekt hat inzwischen einen anderen Charakter bekommen. Es <a href=\"https:\/\/www.finanzen.net\/nachricht\/devisen\/strategiewechsel-neues-image-facebooks-stablecoin-diem-ordnet-sich-cbdc-unter-10216554\">ordnet<\/a> sich wohl einem k\u00fcnftigen digitalen Zentralbankgeld unter.<\/p>\n<p>Und El Salvador? Es ist die Ausnahme von der Regel. Das Land hat seit zwei Jahrzehnten keine eigene W\u00e4hrung, sondern bezahlt in US-Dollar. Mit der Adelung des Bitcoins als Zahlungsmittel will es sich unabh\u00e4ngig vom Einfluss der US-Notenbank machen. Im Gesetzestext hei\u00dft es: \u00bbF\u00fcr das Wirtschaftswachstum der Nation sei es n\u00f6tig, die Zirkulation einer digitalen W\u00e4hrung zuzulassen, deren Wert allein von marktwirtschaftlichen Kriterien abh\u00e4ngt.\u00ab Wenn da mal nicht der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben wird.<\/p>\n<p>aus: analyse &amp; kritik <a href=\"https:\/\/www.akweb.de\/politik\/bitcoin-waehrung-spekulation-kurs\/\">672<\/a>, 15. Juni 2021<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist eine eher randst\u00e4ndige Nachricht \u00fcber den Bitcoin: El Salvador hat als erstes Land der Welt beschlossen, die Digitalw\u00e4hrung als gesetzliches Zahlungsmittel zuzulassen. Die dominierenden Nachrichten \u00fcber den Bitcoin der letzten Wochen betrafen aber den dramatischen Kursverlust. 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