{"id":1558,"date":"2021-09-30T18:03:58","date_gmt":"2021-09-30T16:03:58","guid":{"rendered":"https:\/\/guidospeckmann.de\/?p=1558"},"modified":"2021-10-11T18:07:50","modified_gmt":"2021-10-11T16:07:50","slug":"oh-schreck-eine-inflation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidospeckmann.de\/?p=1558","title":{"rendered":"Oh Schreck, eine Inflation!"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-ak-unterzeile\">\n<div class=\"wp-block-ak-unterzeile\">\n<p><strong>Seit die Verbraucherpreise wieder steigen, erinnern Wirtschaft und Politik daran, dass wir Angst haben sollten. Sollten wir?<\/strong><\/p>\n<p class=\"has-drop-cap\">Es gibt sie noch: die r\u00fcstigen Senior*innen, die im Radio von ihren Familienerinnerungen \u00fcber das Jahr 1923 erz\u00e4hlen. Damals, als der Preis f\u00fcr ein Ei von 800 Mark im Juni auf 320 Milliarden Mark im Dezember kletterte und die Menschen Geldscheine in Schubkarren zum B\u00e4cker transportierten. \u00bbMein Opa \u2026 hat mir mal eine Zigarrenkiste geschenkt mit Inflationsgeld, da war ich sogar schon Milliard\u00e4r\u00ab, berichtet ein Herr Schmidt aus Essen im Deutschlandfunk. Der Anlass: der Anstieg der Inflationsrate um 3,9 Prozent im August.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Herr Schmidt, selbst nach dem Zweiten Weltkrieg geboren, mag es noch verinnerlicht haben, das \u00bbDeutsche Trauma\u00ab, die \u00bbInflationsangst\u00ab. Ein oder gar zwei Generationen weiter d\u00fcrfte es schon schwieriger werden, noch Menschen zu finden, denen beim Wort Inflation ein kalter Schauer \u00fcber den R\u00fccken l\u00e4uft. Unwahrscheinlich auch, dass die Mehrheit der unter 30-J\u00e4hrigen \u00fcberhaupt wei\u00df, worauf Herr Schmidt mit seiner Zigarrenkisten-Geschichte anspielte. Bei den 14 bis 24-J\u00e4hrigen wissen laut einer aktuellen <a href=\"https:\/\/bankenverband.de\/newsroom\/meinungsumfragen\/jugendstudie-2021-zur-wirtschafts-und-finanzbildung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Studie des Bankenverbandes<\/a> nur noch knapp \u00fcber die H\u00e4lfte, was eine Inflationsrate ist. Sogar nur 14 Prozent h\u00e4tten die aktuelle, monatliche Inflationsrate auswendig gekannt. \u00bbDiese Bildungsl\u00fccken sind alarmierend\u00ab, kommentierte Andreas Krautscheid, Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Bankenverbandes.<\/p>\n<h2><strong>What the hell is Hyperinflation?<\/strong><\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/www.akweb.de\/politik\/kommt-jetzt-die-inflation\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Inflation wird definiert als ein anhaltender Anstieg des allgemeinen Preisniveaus von G\u00fctern und Dienstleistungen<\/a>. Auf das Wort \u00bbanhaltend\u00ab kommt es dabei an. Denn die j\u00fcngst gestiegenen Inflationszahlen in Deutschland zeugen nicht von einem anhaltenden Anstieg des Verbraucherpreisindexes. Sie liegen erst seit zwei Monaten (Juli: 3,8; August: 3,9 Prozent) deutlich \u00fcber jenem Wert, den die Europ\u00e4ische Zentralbank (EZB) \u00bbauf mittlere Sicht\u00ab anstrebt: zwei Prozent. Hinzu kommt, was Statistiker*innen den Basiseffekt nennen. Die Inflationszahl von 3,9 Prozent f\u00fcr August bezieht sich auf den Vorjahresmonat, also auf August 2020. Damals betrug die Inflationsrate null Prozent. Gr\u00fcnde hierf\u00fcr waren die Senkung der Mehrwertsteuer ab Juli f\u00fcr ein halbes Jahr und gesunkene Energiepreise infolge der Corona-Lockdowns. Die Inflation ist also derzeit so hoch, weil sie aufgrund von Sonderfaktoren im Vergleichszeitraum so gering war.<\/p>\n<div class=\"wp-block-quote-container\"><\/div>\n<div class=\"wp-block-quote-container\">\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>Die Inflation ist derzeit so hoch, weil sie aufgrund von Sonderfaktoren im Vergleichszeitraum so gering war.<\/p><\/blockquote>\n<\/div>\n<p>Der im Juli 2021 sprunghaft einsetzende Basiseffekt war zu erwarten gewesen. Vergleicht man die Inflationsrate im August mit der aus dem Jahr 2019 zeigt sich nichts Dramatisches. Die Rate liegt bei 1,81 Prozent \u2013 und damit noch unterhalb der Preisstabilit\u00e4tsdefinition der EZB.<\/p>\n<p>Anders stellte sich die Lage 1923 dar, dem Ursprungsjahr jener deutschen Inflationsangst, von der nicht nur Herr Schmidt ein Liedchen singen kann. 1923 hatte die zun\u00e4chst schleichende Geldentwertung zu \u00bbgaloppieren\u00ab begonnen, die Inflation schlug um in eine Hyperinflation. Der Startschuss f\u00fcr den Weg in diese wirtschaftliche und soziale Katastrophe fiel schon 1914. Bis zum Beginn des Krieges musste wenigstens ein Drittel aller Banknoten, die in Umlauf waren, jederzeit in einem festen Verh\u00e4ltnis gegen Gold eintauschbar sein, was die verf\u00fcgbare Geldmenge automatisch begrenzte. Um den Krieg zu finanzieren, hob die Reichsbank diesen \u00bbGoldstandard\u00ab auf und pumpte \u00fcber die gro\u00dfz\u00fcgige Ausweitung ihres Kreditgesch\u00e4fts viel Geld in den Wirtschaftskreislauf, insbesondere in kriegswichtige Industrien \u2013 insgesamt gesch\u00e4tzte 156 Milliarden Mark.<\/p>\n<p>Nach der deutschen Niederlage 1918 traten neben die inneren Staatsschulden zus\u00e4tzlich milliardenschwere Reparations\u00adzahlungen an die Alliierten. Zudem mussten Kriegsversehrte und Arbeitslose versorgt und die Wirtschaft wieder auf zivilen Bedarf umgestellt werden. All dies kostete Geld, w\u00e4hrend der Staat kaum Steuereinnahmen hatte. Die Reichsbank hielt also die Geldpresse am Laufen \u2013 auch als Anfang 1923 franz\u00f6sische Truppen wegen ausstehender Reparationsforderungen das wirtschaftlich wichtige Ruhrgebiet besetzten. Lohnzahlungen und der Import ausl\u00e4ndischer Kohle erforderten weitere Millionen und destabilisierten die W\u00e4hrung so sehr, dass die im August 1923 neu gew\u00e4hlte Regierung unter Gustav Stresemann eine W\u00e4hrungsreform einleitete. Zu diesem Zeitpunkt waren etwa 400 Trillionen Mark Bargeld in Umlauf.<\/p>\n<h2><strong>Die einen sagen so, die anderen so<\/strong><\/h2>\n<p>Dass sich dieses Szenario heute wiederholen k\u00f6nnte, ist unwahrscheinlich. Die wenigsten \u00d6konom*innen rechnen bislang ernsthaft mit einem dauerhaften und konstanten Preisanstieg. \u00dcberdies ist bis heute umstritten, wie Inflation eigentlich genau entsteht. Je nach Denkschule werden darauf verschiedene Antworten gegeben. Anh\u00e4nger*innen des in Deutschland dominierenden Monetarismus, der auf den amerikanischen Volkswirtschaftler Milton Friedman (1912\u20132006) zur\u00fcckgeht<em>, <\/em>argumentieren: Eine zu starke Ausweitung der Geldmenge, \u00fcber das Produktivit\u00e4tsniveau der Wirtschaft hinaus, f\u00fchre zu Inflation.<\/p>\n<p>Dieser Zusammenhang zwischen Geldmenge und Preisanstieg taucht erstmals 1927 im Jahresbericht der Reichsbank auf. Die Reichsbank \u00e4nderte nach den Inflationsjahren entsprechend ihren Kurs: Als nunmehr unabh\u00e4ngige Institution erhob sie die Geldwertstabilit\u00e4t zum zentralen Anliegen. Die Wiedereinf\u00fchrung der Golddeckung, hohe Zinss\u00e4tze und massiv verringerte Sozialausgaben sollten die Staatsfinanzen konsolidieren und die W\u00e4hrung st\u00e4rken. Die Politik zog mit: Als die Weltwirtschaftskrise 1929 in die Weimarer Republik her\u00fcberschwap\u00adpte, reagierte Reichskanzler Heinrich Br\u00fcning mit einem harten austerit\u00e4tspolitischen Kurs, um eine Abwertung der Mark zu verhindern. Seine Deflationspolitik traf die untersten Klassen am h\u00e4rtesten.<\/p>\n<p>In der Bundesrepublik setzte sich der in dieser Tradition stehende Monetarismus Anfang der 1970er Jahre wieder durch \u2013<a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/resource\/blob\/190470\/cdd58467a0b827cc6cd3d366fe96383f\/konjunkturprogramme-data.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"> als konservative Antwort auf den bis dato vorherrschenden nachfrageorientierten Keynesianismus und auf zunehmende Konjunkturschw\u00e4chen<\/a> seit Ende der 1960er Jahre. Schon 1974 ging die Deutsche Bundesbank als erste zentrale Notenbank der Welt zu einer Geldmengensteuerung \u00fcber. Arbeitsmarktfragen und Sozialpolitik wurden der Geldwertstabilit\u00e4t immer mehr untergeordnet. Der Staat sollte sich mit Ausgaben zur\u00fcckhalten und das Prinzip von Angebot und Nachfrage walten lassen.<\/p>\n<p>Erst nach der Finanzkrise 2008\/2009 setzte die Wirtschaftspolitik wieder st\u00e4rker auf konjunkturst\u00fctzende Ma\u00dfnahmen; mit ihrer Wende hin zu einer lockeren Geldpolitik (Nullzins, Anleihek\u00e4ufe) best\u00e4rkte die EZB seit 2015 diesen Kurs. Sie weitete die Geldmenge stark aus. Trotzdem kam es nicht zu einer Inflation. Im Gegenteil: Das Problem waren in der letzten Dekade eher stagnierende oder sogar fallende Preise. Warum? Weil, so wird aus keynesianischer Sicht argumentiert, eine massive Nachfragesteigerung auf den M\u00e4rkten ausblieb, die Wirtschaft zu geringe Wachstumsraten aufwies. Denn Ursache f\u00fcr Preissteigerungen seien Nachfragesteigerungen, die die Unternehmen an die Grenzen ihrer Produktionskapazit\u00e4ten bringen. Diese Grenzen sind weder in Deutschland noch in Europa erreicht.<\/p>\n<h2><strong>Die gef\u00e4hrliche Lohn-Preis-Spirale <\/strong><\/h2>\n<p>Laut Mainstream-VWL-Lehrbuch ist diese Sichtweise falsch. Vielmehr k\u00f6nne eine Inflation gerade durch h\u00f6here L\u00f6hne (eine Voraussetzung f\u00fcr gesteigerte Nachfrage) getrieben werden. Wenn die Nominall\u00f6hne die Produktivit\u00e4t \u00fcberschreiten, kann es demzufolge zu deutlichen Preissteigerungen kommen. Die sogenannte Lohn-Preis-Spirale, der zufolge Gewerkschaften die erwartete Inflation in ihren Lohnforderungen ber\u00fccksichtigen, worauf Unternehmen dann mit erh\u00f6hten Preisen reagieren, war historisch betrachtet stets ein wirksames Argument, um hohe Lohnforderungen zur\u00fcckzuweisen. Die \u00bbInflationsangst\u00ab kommt da gerade recht. <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/lohnpolitik-inflation-verschaerft-tarifkonflikte-17501400.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Auch in den aktuellen Tarifauseinandersetzung der Eisenbahngewerkschaft GDL spielt diese Erz\u00e4hlung eine Rolle. \u00a0<\/a><\/p>\n<p>Kr\u00e4ftige Lohnsteigerungen, die \u00fcber der Produktivit\u00e4tsentwicklung lagen, <a href=\"https:\/\/makroskop.eu\/11-2021\/die-geissel-inflation-ist-wieder-da\/\">ga<\/a><a href=\"https:\/\/makroskop.eu\/11-2021\/die-geissel-inflation-ist-wieder-da\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">b es seit Einf\u00fchrung <\/a>des Euros selbst in den letzten Boomjahren in Deutschland nicht. Im Gegenteil: Die Reall\u00f6hne sanken lange Zeit, weil sie unterhalb der Inflationsentwicklung bleiben sollten. Erst seit der Finanzkrise 2008\/2009, als sich wieder eine st\u00e4rkere nachfrage- und besch\u00e4ftigungsorientierte Wirtschaftspolitik durchsetzte, konnten sich tariflich Besch\u00e4ftigte wieder \u00fcber reale Lohnsteigerungen freuen. Die Inflationsrate blieb dennoch stets deutlich unter dem Zwei-Prozent-Ziel.<\/p>\n<h2><strong>Enteignung der Reichen<\/strong><\/h2>\n<p>Aber was hie\u00dfe es eigentlich, wenn die Inflation steigt, oder anders gefragt: Ist Inflation schlecht? Per se ist das nicht so. So ist zum einen die Fixierung auf eine Zahl wenig aussagekr\u00e4ftig. Wenn beispielsweise zwei oder vier Prozent Preissteigerungen mit \u00e4hnlichen Lohnsteigerungen einhergehen, bedeutet das f\u00fcr die Lohnabh\u00e4ngigen keinen Kaufkraftverlust. Ein solches Szenario ist in den Augen von Volkswirtschaftler*innen Ausdruck einer guten konjunkturellen Entwicklung, sprich Kapitalismus mit guten Wachstumsraten. Deswegen liegt das EZB-Inflationsziel auch nicht bei null, sondern mittelfristig bei zwei Prozent. So wird verhindert, dass zu fr\u00fche Leitzinserh\u00f6hungen die durch Finanz-, Euro- und Coronakrise ohnehin geringen Wachstumsraten weiter abw\u00fcrgen.<\/p>\n<p>Zum anderen trifft die Inflation nicht alle gleich, wie erneut der Blick in das Jahr 1923 zeigt. F\u00fcr viele arme Menschen bedeuteten die extremen Preissteigerungen zweifellos eine Bedrohung. Arbeitslosigkeit, sinkende Reall\u00f6hne und die zunehmend schlechte Versorgungslage setzten ihnen zu. \u00a0Zugleich erh\u00f6hten H\u00e4nd\u00adler*innen lau\u00adfend ihre Prei\u00adse \u2013 bis das Geld infolge der Hyperinflation seine Funk\u00adti\u00adon als all\u00adge\u00admei\u00adnes Zah\u00adlungs- und Wert\u00adauf\u00adbe\u00adwah\u00adrungs\u00admit\u00adtel verlor. Waren und Dienst\u00adleis\u00adtun\u00adgen konnten fortan nur noch gegen Naturalien erstanden werden. Die Geldentwertung betraf aber auch und gerade die oberen Schichten der Gesellschaft. Verm\u00f6genswerte schmolzen dahin, Ersparnisse ganzer Familiengenerationen wurden entwertet, Zinseink\u00fcnfte wurden wertlos. F\u00fcr Besitzer*innen von Geldverm\u00f6gen oder -anspr\u00fcchen hatte die Hyperinflation geradezu eine enteignende Wirkung.<\/p>\n<p>Wer sich in Mark verschuldete hatte, profitierte dagegen. Denn seit Fr\u00fchjahr 1923 galt der Grundsatz, dass Kredite, die in h\u00f6herwertigem Vorkriegsgeld aufgenommen worden waren, mit entwertetem Geld zur\u00fcckgezahlt werden konnten. Davon profitierten nicht nur Unternehmergr\u00f6\u00dfen wie der Industrielle Hugo Stinnes, der im Zuge der erleichterten Kreditvergabe sein Unternehmens\u00adimperium ausgebaut hatte. Wer immer Schulden hatte, konnte sich dieser nun auf einen Schlag entledigen. Das betraf zuallererst den Staat selbst, dessen in Mark aufgenommenen Kriegskredite, gerechnet in der Kaufkraft des Vorkriegsjahres 1913, im November 1923 noch einen realen Gegenwert von 15,4 Pfennigen hatten. Die Halter*innen von Kriegsanleihen guckten in die R\u00f6hre. Aber auch viele Landwirt*innen freuten sich \u00fcber den Verfall des Geldwertes, konnten sie sich doch ihrer oft \u00fcber Generationen vererbten Hypotheken entledigen und \u00fcberdies ihre Lebensmittel gegen Sachwerte wie Autos oder gar Diamanten tauschen. Die Hyperinflation, so beschreibt es der Historiker Frederick Taylor, hat die deutsche Gesellschaft damals \u00bbein bisschen gleicher gemacht\u00ab.\u00a0 So gesehen verwundert es also nicht, dass Wirtschaftsliberale schon bei einer Inflationsrate von 3,9 Prozent die deutsche Inflationsangst beschw\u00f6ren.<\/p>\n<p>Klar ist: Eine anhaltende Preissteigerung w\u00e4re gerade f\u00fcr \u00e4rmere Menschen ein gro\u00dfes Problem. Denn selbst wenn die Gewerkschaften zeitgleich Lohnerh\u00f6hungen erk\u00e4mpfen, hilft das den vielen nicht mehr tariflich erfassten Besch\u00e4ftigten wenig. Klar ist aber auch, dass Inflation ein politischer Kampfbegriff geworden ist: Auf liberaler Seite geht es vor allem darum, Anspr\u00fcche auf Lohnerh\u00f6hungen und soziale Absicherung zur\u00fcckzuweisen. Die Doppelb\u00f6digkeit der Debatte wird am besten durch ihre gr\u00f6\u00dfte Leerstelle symbolisiert: Kaum jemand redet von der Verm\u00f6genspreisinflation. Auf den deregulierten und internationalisierten Finanzm\u00e4rkten steigen die Preise f\u00fcr Aktien, Anleihen und Finanzprodukte jeglicher Art. Befeuert von der lockeren Geldpolitik der Zentralbanken weltweit. Dieses Ph\u00e4nomen ist mitverantwortlich f\u00fcr die zunehmende Ungleichheit im neoliberalen Kapitalismus. Ein Gegensteuern des Staates oder der Wirtschaft: hier Fehlanzeige. Inflation ist also nicht gleich Inflation und Inflationsangst kein kollektives Trauma, sondern vielmehr ein ideologisches Konstrukt zur Verteidigung der deutschen Stabilit\u00e4tskultur.<\/p>\n<p>zusammen mit Lene Kempe; aus: analyse &amp; kritik <a href=\"https:\/\/www.akweb.de\/politik\/inflationsangst-oh-schreck-eine-inflation\/\">674<\/a>, 21.09.2021<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit die Verbraucherpreise wieder steigen, erinnern Wirtschaft und Politik daran, dass wir Angst haben sollten. Sollten wir? Es gibt sie noch: die r\u00fcstigen Senior*innen, die im Radio von ihren Familienerinnerungen \u00fcber das Jahr 1923 erz\u00e4hlen. 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