{"id":278,"date":"2011-09-01T17:25:20","date_gmt":"2011-09-01T15:25:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.guidospeckmann.de\/?p=278"},"modified":"2013-01-03T18:06:13","modified_gmt":"2013-01-03T17:06:13","slug":"alternativen-zum-kapitalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidospeckmann.de\/?p=278","title":{"rendered":"Alternativen zum Kapitalismus"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Beat Ringger, Ma\u00dft Euch an! Auf dem Weg zu einem offenen Sozialismus, Westf\u00e4lisches Dampfboot, M\u00fcnster 2011, 217 S., 24,90 Euro<\/em><br \/>\n<em>Raul Zelik, Nach dem Kapitalismus? Perspektiven der Emanzipation oder: Das Projekt Communismus anders denken, VSA: Verlag, Hamburg 2011, 143 S., 12,80 Euro<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die gro\u00dfe Finanz- und Wirtschaftskrise seit 2008 hat weder den Kapitalismus infrage gestellt, noch war die Linke \u2013 ob reformistisch oder systemkritisch\/revolution\u00e4r \u2013 in der Lage, von dieser zu profitieren. Allenfalls die neoliberale Ideologie scheint angekratzt, wobei jenseits von Rhetorik und kosmetischen Ma\u00dfnahmen die Umverteilung zulasten von lohnabh\u00e4ngigen Klassen ihre Fortsetzung findet; die strukturelle \u00dcberakkumulation von (Finanz)Kapital ist mithin ungebrochen.<!--more--> \u00dcber die zahlreichen Gr\u00fcnde f\u00fcr die Schw\u00e4che der Linke wird diskutiert. Eine Ursache indes scheint auf der Hand zu liegen: Der antikapitalistischen Linken fehlt es angesichts des Scheiterns des sowjetischen Weges an einem positiven Beispiel eines funktionierenden demokratischen Sozialismusmodells, ja es fehlt an \u00fcberzeugenden Diskussionen, wie eine nachkapitalistische Gesellschaft \u00fcberhaupt aussehen k\u00f6nnte. Begriffe wie Solidarische \u00d6konomie versuchen nur, dieses Vakuum zu f\u00fcllen.<br \/>\nDies und die Frage einer m\u00f6glichen postkapitalistischen Produktionsweise sind die Ausgangspunkte zweier neuer anregender B\u00fccher. Anregend deshalb, weil hier zwei Autoren schreiben, die der Beobachter der linken Theoriediskussionen bislang zu diesem Thema noch gar nicht oder nur am Rande zur Kenntnis genommen hatte. Der in Mexiko Politikwissenschaften lehrende Schriftsteller Raul Zelik ist eher f\u00fcr seine Romane und in zweiter Linie f\u00fcr seine politikwissenschaftlichen Analysen bekannt. In dem gleichfalls interessanten Interviewbuch \u00bbVermessung der Utopie: Ein Gespr\u00e4ch \u00fcber Mythen des Kapitalismus und die kommende Gesellschaft\u00ab beschr\u00e4nkte er sich auf die Rolle des Moderators und \u00fcberlie\u00df Elmar Altvater das Wort. Der Schweizer Beat Ringger war Volksschullehrer, Trotzkist, Umweltaktivist, Maschinenmechaniker und Elektrotechniker, heute ist er Zentralsekret\u00e4r der Schweizer Gewerkschaft der \u00f6ffentlichen Dienste sowie Sekret\u00e4r des sozialkritischen Think tanks \u00bbDenknetz\u00ab. Seine Schreibstil ist vielleicht auch deshalb wohltuend nichtakademisch. Ihm geht es weniger um das Zitieren und Referieren, sondern um die klare gedankliche Durchdringung und Entfaltung seiner Ausf\u00fchrungen. Dasselbe l\u00e4sst sich von Zelik behaupten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ringgers \u201ekonstruktiver Imperativ\u201c \u2013 und gleichzeitig auch Buchtitel \u2013 \u201eMa\u00dft euch an!\u201c spielt auf eine \u00c4u\u00dferung Friedrich August von Hayek, einem Vordenker des Neoliberalismus, an. Dieser hatte es als Anma\u00dfung empfunden, \u00fcber Alternativen zum Kapitalismus nachzudenken, weil jenseits dieses Wirtschaftssystems \u201eDer Weg zur Knechtschaft\u201c beschritten werde. Ringger wendet diese \u00c4u\u00dferung positiv: Wir m\u00fcssen uns anma\u00dfen, den Kapitalismus zu \u00fcberwinden. Doch sei der Weg zur \u00dcberwindung keineswegs vorherbestimmt, sondern offen \u2013 daher auch der Untertitel: \u201eAuf dem Weg zu einem offenen Sozialismus\u201c. Die Notwendigkeit einer postkapitalistischen Gesellschaft leitet er in zwei Kapiteln aus den Widerspr\u00fcchlichkeiten der gegenw\u00e4rtigen kapitalistischen Realit\u00e4t ab: In \u201eDie Krise der gesellschaftlichen Investitionsfunktion\u201c arbeitet er heraus, wie \u201edrei Trends \u2013 R\u00fcckgang der Rationalisierungspotentiale in der G\u00fcterfertigung, weitgehende Resistenz der personenbezogenen Dienstleistungen gegen\u00fcber Rationalisierungen, zunehmende Bedeutung von Wissen und Informationsverarbeitung \u2013 die kapitalistisch gepr\u00e4gte gesellschaftliche Investitionsfunktion in eine tiefe Krise ziehen.\u201c (37) Die Konsequenz: Das \u00fcbersch\u00fcssige Kapital weicht auf die Finanzm\u00e4rkte aus und taumelt von Spekulationsblase zu Spekulationsblase. Insofern sei Helmut Schmidts bekanntes Mantra \u201eDie Gewinne von heute sind die Investitionen von morgen und die Arbeitspl\u00e4tze von \u00fcbermorgen\u201c folgenderma\u00dfen abzuwandeln: \u201eDie Gewinne von heute sind die Finanzblasen von morgen und die Wirtschaftskrisen von \u00fcbermorgen.\u201c Im Abschnitt \u201eUmweltschutz und Kapitalismus\u201c zeigt Ringger, dass es abwegig ist, beim Umweltschutz allein auf Marktmechanismen und Konsumentenmacht zu setzen. Vielmehr sei es notwendig, die Produzenten durch Vorschriften und Verbote in die Pflicht zu nehmen. So sei z.B. die Pflicht zur Einf\u00fchrung von Katalysatoren ein gro\u00dfer Erfolg gewesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zelik hingegen geht in seiner Kritik st\u00e4rker von der Krise des finanzmarktgetriebenen Kapitalismus, der verfestigten \u00dcberkapitalisierung und \u00dcberproduktion, der Ineffizienz des Kapitalismus sowie der sozialen Krise aus. Die Green New Deal-Konzepte kritisiert er, weil sie im Grunde Politikberatungskonzepte naiver Art sind, die von sozialen K\u00e4mpfen absehen und das gegenw\u00e4rtige Konsum- und Produktionsmodell nicht infrage stellen. \u201eUngleiche, nicht-nachhaltige und imperiale Verh\u00e4ltnisse sollen \u00f6kologisch aufgeh\u00fcbscht werden, ohne die strukturellen Widerspr\u00fcche zu ber\u00fchren.\u201c (27)<br \/>\nIn der Beurteilung des Realsozialismus, insbesondere des sowjetischen Weges und des Stalinismus, weisen Ringger und Zelik deutliche Parallelen auf: Als zentrale Ursache des Scheiterns sehen sie das Fehlen eines Demokratiekonzeptes bzw. die brutale Unterdr\u00fcckung demokratischer Freiheiten an. Beide sind nicht so naiv, ihre Bewertung ohne Ber\u00fccksichtigung des historischen Kontextes sowie der sozialen und materiellen Bedingungen zu entwickeln. Bei Zelik hei\u00dft es entsprechend: \u201eAuch wenn nun selbstverst\u00e4ndlich stimmt, dass soziale und demokratische Transformationsvorhaben \u2013 nicht nur Revolutionen, sondern auch Reformregierungen \u2013 in der Geschichte immer gewaltt\u00e4tig angegriffen wurden und alternative Projekte die Konfrontation somit von der Gegenseite aufgezwungen wurde, kann die Antwort offensichtlich nicht darin bestehen, sich einer autorit\u00e4ren, strukturell rechten Konfrontations-, Effizienz- und Kriegslogik unterzuordnen.\u201c (36) Das Kunstst\u00fcck emanzipatorischer Politik bestehe darin, sich in diesen Konflikten zu behaupten, ohne sich die Freund-Feind-Logik Carl Schmitts zu eigen zu machen. Und der Schweizer Gewerkschafter fasst es mit den Worten, dass die Konfrontation gewagt und gleichzeitig das Prinzip des Auge um Auge, Zahn und Zahn verabschiedet werden m\u00fcsse (141). Zelik f\u00fcgt der mangelnden Ausbildung von Demokratie trotz r\u00e4tesozialistischer Rhetorik noch zwei weitere endogene Faktoren hinzu: das Fehlen eines alternativen Entwicklungs- und Arbeitsmodells sowie die Unf\u00e4higkeit, Konsumw\u00fcnsche zu befriedigen (31).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gegens\u00e4tzliche Auffassungen vertreten die Autoren zur Frage der Notwendigkeit einer revolution\u00e4ren Avantgarde. W\u00e4hrend sich Zelik dazu nicht explizit \u00e4u\u00dfert bzw. einen Avantgardeanspruch abzulehnen scheint (\u201eWie l\u00e4sst sich \u00fcber gesellschaftliche Entw\u00fcrfe sprechen, ohne eine F\u00fchrungsperspektive einzunehmen?, S. 13), diskutiert Ringger dies recht ausf\u00fchrlich und kommt zu einer \u2013 wenn auch differenzierten \u2013 Bejahung des Avantgardeanspruchs. Ausgehend von der Notwendigkeit eines revolution\u00e4ren Bruchs mit der bisherigen Gesellschaft argumentiert er, dass die \u00dcberschreitung der Grenzen des Kapitalismus ein zentrales Entscheidungs- und Handlungszentrum erfordere, welches in der Lage sei, die revolution\u00e4ren Bewegungen und Aktionen zu koordinieren und zu fokussieren. Das und andere S\u00e4tze klingen nach Lenin, doch gegen die verbliebenen sich auf Lenin berufenden Parteien wird folgendes Argument vorgetragen: \u201eDie revolution\u00e4re Partei leninschen Zuschnitts ist in normalen Zeiten \u00fcberbestimmt.\u201c Und die F\u00e4higkeit, revolution\u00e4re Prozesse anzuleiten, sei das Ergebnis eines realen Lernprozesses nicht das Resultat einer \u201erichtigen Theorie\u201c und schon gar nicht eine Frage der Selbstdeklaration.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das wichtigste Kapitel in Ringgers Buch ist das \u00fcber die demokratische Bedarfswirtschaft. Im Gegensatz zum vorsichtigeren Zelik, der den Sozialismus negativ bestimmt \u2013 n\u00e4mlich dadurch, was er nicht ist \u2013 legt der Schweizer die Zur\u00fcckhaltung ab und wagt eine Skizze einer \u201eZukunftswirtschaft\u201c, wie sie sein k\u00f6nnte. Wobei: Diese versteht er als zweierlei: als Teil einer postkapitalistischen \u00d6konomie, aber auch als Element im bestehenden Kapitalismus. So soll der Transformationscharakter betont werden. Methodisch schlie\u00dft Ringger somit an das Konzept der \u201ekonkreten Utopie\u201c von Ernst Bloch an. W\u00e4hrend Zelik in einem kurzen Kapitel auf die Blochschen Gedanken eingeht, f\u00fchrt Ringger diese gleichsam am Beispiel seiner Zukunftswirtschaft durch und verweist nur einleitend auf die Blochsche Unterscheidung von K\u00e4lte- und W\u00e4rmestrom im Marxismus. In den Worten von Zelik sind Utopien dann konkret, \u201ewenn sie das Nach-Vorne-Weisende im Bestehenden entdecken und weiterf\u00fchren\u201c bzw. wenn das im Existierenden angelegte Noch-Nicht-Gewordene hervorgehoben wird, ohne es zu \u00fcberh\u00f6hen (16f.). Mit Ringger auf die \u00f6konomischen Strukturen heruntergebrochen: Die Zukunftswirtschaft ist auch heute schon in fragmentierter Weise existent. Zum Beispiel in Form von Genossenschaften, Alternativbetrieben und \u00d6kofirmen. Ihm zufolge ist die Zukunftswirtschaft durch Produktionsgemeinschaften gekennzeichnet, die sich z.B. eine oder mehrere der folgenden Aufgaben stellen: Entwicklung und Produktion nachhaltiger G\u00fcter und Dienstleistungen; F\u00f6rderung gesellschaftlich w\u00fcnschenswerter technischer, organisatorischer und kultureller Innovationen; F\u00f6rderung benachteiligter Regionen und L\u00e4nder; Erprobung neuer Formen der Zusammenarbeit und Arbeitsorganisation; Befriedigung von Bed\u00fcrfnissen in einer der Allgemeinheit frei zug\u00e4nglichen Weise (100). Vor allem betont Ringger die Notwendigkeit von offenen Patenten, da auf diese Weise die Produkte ihren Charakter als Waren verlieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Thema Steuerung und Antrieb einer demokratischen Bedarfswirtschaft erachtet der Schweizer folgende Prinzipien als wichtig: Bedarfsorientierung, demokratische Steuerung, Selbstregulation, Kooperation vor Konkurrenz sowie auf gesellschaftlichen Nutzen ausgerichtete Eigentumsformen an den Produktionsmitteln. Die Frage Plan oder Markt beantwortet er \u2013 wie auch Zelik \u2013 sehr ausgewogen. So differenziert er die Rolle des Marktes nach verschiedenen Produkten, Branchen und Bereichen. Im Softwaresektor werde der Markt keine Rolle spielen, im Bereich der Konsumg\u00fcter hingegen schon. Gegen eine Planwirtschaft \u2013 auch mit neuen computergest\u00fctzten Berechnungsverfahren, wie sie die Schotten Cockshott\/Cottrell in ihrem Buch \u201eAlternativen aus dem Rechner\u201c (2006) darlegten \u2013 spreche: \u201eJeder Versuch, Planung mit bestm\u00f6glichen Berechnungsmethoden und optimalen Einsatz der Informatik zu perfektionieren, ohne dabei auf die Interessen, die Kreativit\u00e4t, das Engagement und die Intelligenz der Produzierenden und der Nutzenden abzust\u00fctzen, f\u00fchrt jedoch tendenziell wieder zu Formen der Herrschaft einer Minderheit \u00fcber die Mehrheit.\u201c Und Zelik argumentiert ebenfalls in Auseinandersetzung mit Cockshot\/Cottrell, dass eine Planung die Ex-ante-Bestimmung von Produktions- und Arbeitsvorg\u00e4ngen impliziere. \u201eDoch wie alle gesellschaftlichen Prozesse besitzt auch die Arbeit eine sich selbst organisierende, dezentrale und spontane Komponente. Wenn \u00f6konomische Abl\u00e4ufe ex ante definiert werden, dann bedeutet eine dezentrale Ver\u00e4nderung potenziell eine St\u00f6rung des Gesamtprozesses. Aus diesem Grund tendierten Planungs\u00f6konomien, die Produktionsabl\u00e4ufe ex ante bestimmen &#8230; zur Stagnation.\u201c (43) Zelik h\u00e4lt die Debatte von Markt versus Plan insofern f\u00fcr am Thema vorbeigehend. Das entscheidende Kriterium sei, ob eine Gesellschaft in die Lage versetzt wird, \u00fcber ihre Arbeit und die Verteilung von G\u00fctern und Ressourcen zu entscheiden, also ob sie \u00fcber ihre \u00d6konomie zu verf\u00fcgen beginnt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Des Weiteren diskutieren sowohl Zelik als auch Ringger die Erfahrungen des Sozialismus des 21. Jahrhunderts in Lateinamerika. Ringger st\u00fctzt sich dabei in erster Linie auf Venezuela und sieht hier den ersten Versuch seit dem Fall der Berliner Mauer, die Macht des Kapitals zu brechen. Die Widerspr\u00fcchlichkeiten sieht er sehr wohl, gleichwohl kommt er zu einer positiven Einsch\u00e4tzung. Zeliks Bewertung f\u00e4llt weitaus n\u00fcchterner aus \u2013 vielleicht auch, weil er zus\u00e4tzlich zu Venezuela die Entwicklungen in Ecuador und Bolivien untersucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beide Autoren behandeln auch das Thema Komplexit\u00e4t bzw. den Einwand, dass diese der demokratischen Gestaltungsf\u00e4higkeit Grenzen aufzeige. Ringger argumentiert, dass Demokratie die breitest m\u00f6gliche Wahrnehmung durch die gesellschaftlichen AkteurInnen mit der Beteiligung dieser AkteurInnen an den Entscheidungen und deren Umsetzung vereine und somit ein Optimum an Ressourcen mobilisieren k\u00f6nne. Vorausgesetzt nat\u00fcrlich, dass die Demokratie alle gesellschaftlichen Bereiche, insbesondere das der \u00d6konomie, umfasse (190). Zelik geht das Problem mit Rekurs auf die franz\u00f6sischen Philosophen Deleuze und Guattari an. Mit ihrem Konzept des Rhizoms meint er, das Problem der Komplexit\u00e4t der Gesellschaft denken zu k\u00f6nnen. Zeliks Ausf\u00fchrungen zu dieser Frage sind sicher die kontroversesten in seinem Buch. Ansonsten bestechen seine Ausf\u00fchrungen jedoch durch Pr\u00e4gnanz und Stringenz. Im Gegensatz zu Ringger, der verschiedene \u00e4ltere Aufs\u00e4tze zusammenf\u00fcgt, gelegentliche Wiederholungen insofern unvermeidlich sind, ist es auch an einem St\u00fcck geschrieben. Sowohl Zelik als auch Ringgers Buch fassen jedes f\u00fcr sich bereits trefflich die wichtigsten Aspekte der Debatte um eine alternative Gesellschaft zum Kapitalismus. Parallel gelesen bieten sie sicher den besten \u00dcberblick \u00fcber alle Facetten der Diskussion. Dass dabei dennoch Schw\u00e4chen und Leerstellen bestehen bleiben, ist unbestritten. So wirkt Ringgers Betonung des revolution\u00e4ren Bruchs verglichen mit seinen vergleichsweise defensiven Ausf\u00fchrungen zur demokratischen Bedarfswirtschaft unverbunden; seine Verwendung des Adjektivs \u201etotalit\u00e4r\u201c grenzt sich kaum vom totalitarismustheoretischen Mainstream ab. Und bei Zelik fragt man sich, wof\u00fcr bei ihm die Begriffe Sozialismus\/Communismus eigentlich genau stehen, werden sie doch \u00fcberwiegend negativ in Abgrenzung zu anderen Ph\u00e4nomenen bestimmt. Andererseits zeugt dies auch von einer realistischen Einsch\u00e4tzung: \u201eEine andere Gesellschaft,\u201c so schreibt Zelik, \u201eentsteht aus der Flucht vor der Differenz zu anderen Gesellschaftsformationen \u2013 und ist genau deshalb konkret: Sie geht nicht aus utopischen Blaupausen hervor, sondern aus den sozialen Praxen von vielen, die das Neue im Bestehenden vorwegnehmen.\u201c (14) Und Recht hat er in der Tat damit, dass der Communismus \u2013 verstanden \u201eals umfassende, radikale Demokratisierung, als Aneignung der Gesellschaft durch sich selbst\u201c \u2013 die kl\u00fcgste und begehrenswerteste Option der Zukunft ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(aus: <a href=\"http:\/\/zeitschrift-marxistische-erneuerung.de\/topic\/27.ausgabe-87-september-2011.html\">Z.Zeitschrift Marxistische Erneuerung<\/a>, Nr. 87, September 2011)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beat Ringger, Ma\u00dft Euch an! 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