{"id":53,"date":"2011-09-01T20:39:11","date_gmt":"2011-09-01T18:39:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.guidospeckmann.de\/?p=53"},"modified":"2019-05-02T11:55:20","modified_gmt":"2019-05-02T09:55:20","slug":"irritierend-hoch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidospeckmann.de\/?p=53","title":{"rendered":"\u201eIrritierend hoch?!\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Verbreitung und Ambivalenz antikapitalistischer Einstellungen in Deutschland<\/strong><\/p>\n<p>Bereits vor zwei Jahren \u2013 auf dem H\u00f6hepunkt der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise \u2013 brachte die <i>Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung<\/i> ihre klammheimliche Freude \u00fcber die mangelnde Attraktivit\u00e4t der Linken zum Ausdruck: \u201eDeshalb klingen die Appelle der IG Metall, in denen grenzenlose Profitgier gegei\u00dfelt wird, nicht mehr anders als die Beitr\u00e4ge eines Volksbankenfunktion\u00e4rs, der bei Maybrit Illner dem Gewinnstreben abschw\u00f6rt. Die CSU kommt inzwischen mit ihren Anti-Manager-Tiraden daher wie Attac im Trachtenanzug und gewinnt damit Popularit\u00e4t.\u201c (FAS, 5.4.2009)<!--more--><\/p>\n<p>Einen entsprechenden Tatbestand konstatierte Heribert Prantl von der <i>S\u00fcddeutschen Zeitung<\/i>. Die Erwartung der Linken, dass die neue Kapitalismuskritik auf ihre M\u00fchlen laufe, sei aus zwei Gr\u00fcnden falsch: Die linke Partei habe erstens ihr Alleinstellungsmerkmal verloren. Der Antikapitalismus, die Kritik an der Gier der Managerklasse und am destruktiven Wirken des Kapitals sei jetzt auch bei der SPD und sogar bei der Union preiswert und zumindest deklamatorisch zu haben. Zweitens verlasse sich der- oder diejenige, die Angst um seinen\/ihren Arbeitsplatz habe, lieber auf die Konjunkturpakete der Regierung. Daraus schlussfolgerte Prantl: \u201eWenn der politische Mainstream das politische Vokabular einer kleineren Partei \u00fcbernimmt, dann ist das nicht gut f\u00fcr jene.\u201c (SZ, 4.5.2009)<\/p>\n<p>Kommentatoren innerhalb der Linken sehen es \u00e4hnlich. Albert Scharenberg (2009: 8) beispielsweise kritisierte mit Blick auf die Linkspartei, dass es v\u00f6llig unklar sei, was deren politische Identit\u00e4t ausmache, wenn der Keynesianismus, und sei es nur vor\u00fcbergehend, politisches Allgemeingut werde. Aus der Sicht der radikaleren Linken kritisierte Heinz Steinert, dass die Linke auf Stammtischniveau abrutsche und sich den Kopf des Kapitals zerbreche, wie mit den quasi verstaatlichten Banken eine bessere Politik zu machen sei. Dabei handele es sich um \u201eautorit\u00e4re Gr\u00f6\u00dfenphantasien\u201c. Die Krise habe die Chancen f\u00fcr eine radikale Politik insofern nicht verbessert, sondern verschlechtert. Denn \u2013 und hier klingt bei Steinert Fatalismus an \u2013 das Beste, was die Linke tun k\u00f6nne, sei zu hoffen, \u201edass das Gesamt-Kapital-Interesse auch ein paar Interessen der Arbeitsseite mit einschlie\u00dft\u201c (vgl. Steinert 2009).<\/p>\n<p>Abgesehen von der Frage, welche Art von Kapitalismuskritik infolge der gro\u00dfen Krise im politischen Mainstream vor\u00fcbergehend \u2013 denn mit der Entspannung der \u00f6konomischen Situation nahm erneut ein Lob der herk\u00f6mmlichen neoliberal-exportorientierten Austerit\u00e4tspolitik \u00fcberhand \u2013 artikuliert wurde, ist die Klage \u00fcber den Verlust des Alleinstellungsmerkmals Kapitalismuskritik im politischen Feld das eine.<\/p>\n<p>Das andere ist die Frage, ob und in welchem Ausma\u00dfe kapitalismuskritische Einstellungen jenseits des politischen und medialen Feldes in der breiten Bev\u00f6lkerung im Gefolge der Wirtschaftskrise Ausdruck gefunden haben. Sind Ph\u00e4nomene wie Kapitalismuskritik und Antikapitalismus \u00fcberhaupt in relevantem Ausma\u00df festzustellen? Haben sie seit 2008 einen sprunghaften Anstieg erfahren oder ist eine Kontinuit\u00e4t zu beobachten, die von den aktuellen Krisen unber\u00fchrt bleibt? Und was ist unter Antikapitalismus und Kapitalismuskritik genau zu verstehen?<\/p>\n<p>Inzwischen sind zwei repr\u00e4sentative Studien publiziert worden, die diese Fragen behandeln. Des Weiteren lassen sich in vereinzelten Untersuchungen Hinweise finden. Davor jedoch war die Forschung zu diesem Thema recht \u00fcbersichtlich. In den 1990er Jahren gab es zumindest einen Versuch, der aber nicht die Verbreitung von antikapitalistischen Auffassungen in der Bundesrepublik zum Gegenstand hatte, sondern eine \u201eSkala zur Messung sozialistischer Vorstellungen\u201c entwickeln wollte (vgl. St\u00f6ss 2008a: 38).<\/p>\n<p><strong>St\u00f6ss: \u201eRechtsextremismus und Kapitalismuskritik\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Die Untersuchung, die das Thema am ausf\u00fchrlichsten behandelt, ist von Richard St\u00f6ss (2008a) unter dem Titel \u201eRechtsextremismus und Kapitalismuskritik\u201c vorgelegt worden. Motivation seines Forschungsvorhabens war es zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob der gesteigerte Zulauf zu rechtsextremen Parteien auf einen spezifischen Antikapitalismus zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Dabei griff er auf eine Repr\u00e4sentativbefragung von 4008 Personen zur\u00fcck, die im Zusammenhang mit dem Projekt \u201eGewerkschaften und Rechtsextremismus\u201c durchgef\u00fchrt wurde (vgl. St\u00f6ss\/Fichter\/Kreis\/Zeuner 2004). In \u201eRechtsextremismus und Kapitalismuskritik\u201c arbeitet er \u2013 zun\u00e4chst arbeitshypothetisch \u2013 die Sozialismus-Skala weiter aus. Im Einzelnen enth\u00e4lt diese Skala zehn Aussagen, die sozialistische Meinungen zum Ausdruck bringen sollen: Verstaatlichung von gro\u00dfen Wirtschaftsunternehmen; amerikanischer Imperialismus als Gefahr f\u00fcr den Weltfrieden; die Verkn\u00fcpfung der Demokratiefrage mit der \u00dcberwindung des Kapitalismus; faschistische Tendenzen in der BRD; Auspl\u00fcnderung der Dritten Welt durch die kapitalistischen Industriestaaten; Sozialismus als gute Idee, die nur schlecht ausgef\u00fchrt wurde; die Weiterexistenz von Klassengegens\u00e4tzen; m\u00e4chtige Wirtschaftsinteressen als Profiteure der Globalisierung sowie die Schuld der Finanzm\u00e4rkte an der weltweit wachsenden sozialen Ungleichheit.<\/p>\n<p>St\u00f6ss stellt jedoch fest, dass diese Variablen kaum miteinander korrelieren. Daraus leitet er ab, dass es sich beim \u201eSozialismus\u201c \u2013 im Gegensatz zum \u201eRechtsextremismus\u201c \u2013 nicht um ein widerspruchsfreies Einstellungsmuster handelt. Aus diesem Grund schlussfolgert er, dass mit der Zustimmung zu diesen Aussagen zwar \u201ekapitalismuskritische\u201c, \u201eantikapitalistische\u201c und \u201eglobalisierungskritische\u201c Denkweisen erfasst werden k\u00f6nnen \u2013 aber eben keine sozialistischen. Die Sozialismus-Skala wird somit zu einer Skala zur Messung \u201ekapitalismuskritischer\u201c Meinungen. \u201eKapitalismuskritik\u201c fungiert ihm dabei als Oberbegriff, w\u00e4hrend \u201eAntikapitalismus\u201c eine Gegnerschaft zum Kapitalismus und \u201eGlobalisierungskritik\u201c einen abgeschw\u00e4chten Kritikmodus darstellt. Als \u201eantikapitalistisch\u201c interpretierte Meinungen werden dabei zuvorderst mit Zustimmung zu folgenden drei Aussagen gemessen: \u201eDie wichtigsten Wirtschaftsunternehmen m\u00fcssen verstaatlicht werden\u201c; \u201eWirkliche Demokratie ist erst m\u00f6glich, wenn es keinen Kapitalismus mehr gibt\u201c und \u201eIn der Bundesrepublik bestehen noch die alten Gegens\u00e4tze zwischen der besitzenden und der arbeitenden Klasse.\u201c<\/p>\n<p>St\u00f6ss kommt bei diesem Verfahren zu einem \u00fcberraschenden Ergebnis: Es existiere ein erstaunlich hohes kapitalismuskritisches Einstellungspotenzial. Als \u201ekapitalismuskritisch\u201c klassifiziert er 58 Prozent, als \u201eGlobalisierungskritiker\u201c gar 78 Prozent und als \u201eAntikapitalisten\u201c immerhin 30 Prozent der Befragten (ebd.: 44). Ob diese Zuordnungen Sinn machen, w\u00e4re zu \u00fcberpr\u00fcfen (s.u.). Die St\u00f6ss\u2019sche Ausgangshypothese indes, wonach die Erfolge rechtsextremistischer Parteien und Gruppierungen auf eine Herausbildung eines neuen \u201ev\u00f6lkisch-nationalistischen Sozialismus\u201c zur\u00fcckzuf\u00fchren seien \u2013 der sich insbesondere aus der Schnittmenge autorit\u00e4rer Pers\u00f6nlichkeitsmerkmale speise \u2013 wird nicht best\u00e4tigt. Zwar legt St\u00f6ss dar, dass 85 Prozent der Rechtsextremen \u201ekapitalismuskritisch\u201c, 91 Prozent \u201eglobalisierungskritisch\u201c und 54 Prozent \u201eantikapitalistisch\u201c orientiert sind. Aber umgekehrt waren im Jahr 2003 \u201enur\u201c 30 Prozent der Kapitalismus- und 24 Prozent der Globalisierungskritiker sowie 38 Prozent der Antikapitalisten rechtsextrem eingestellt.<\/p>\n<p>Allerdings best\u00e4tigten diese Werte eindeutig folgende Schlussfolgerung: \u201eKapitalismuskritik\u201c und \u201eAntikapitalismus\u201c sind nicht per se links und emanzipatorisch. St\u00f6ss wertet dies dahingehend, dass die Indizes zur \u201eKapitalismuskritik\u201c de facto nicht mit der Links-Rechts-Skala korrelieren. \u201eKapitalismuskritik ist also nicht nur kein Alleinstellungsmerkmal der Linken. Mehr noch: Wer sich heute links einordnet, folgt nicht notwendigerweise kapitalismuskritischen \u00dcberlegungen, und wer sich rechts verortet, pflegt nicht unbedingt rechtsextremes Gedankengut.\u201c (ebd.: 52) Dementsprechend fanden sich 2003 \u201ekapitalismuskritische\u201c Anh\u00e4nger unter allen im Bundestag vertretenen Parteien. Die Spannbreite reichte hier von 52 Prozent bei der FDP bis zu 86 Prozent bei der PDS\/Linkspartei.<\/p>\n<p>Den Befund einer hohen Verbreitung von \u201ekapitalismuskritischen\u201c Positionen in der Bev\u00f6lkerung charakterisiert St\u00f6ss angesichts dieser auch f\u00fcr ihn \u00fcberraschenden Ergebnisse nicht als Ausdruck politischer Orientierung, sondern als \u201ediffuse kapitalismuskritische Protesthaltung\u201c, die f\u00fcr verschiedene Unzufriedenheiten mit den \u00f6konomischen und sozialen Verh\u00e4ltnissen in der Bundesrepublik stehen. St\u00f6ss hat \u00fcberdies das demokratische Potenzial dieser \u201ediffusen kapitalismuskritischen Unzufriedenheit\u201c untersucht. Sein Resultat: Drei Viertel der Kapitalismuskritiker bzw. Globalisierungskritiker und zwei Drittel der Antikapitalisten seien sehr stark bzw. stark demokratisch eingestellt. Sein Fazit lautet: \u201eKritik am bzw. Gegnerschaft zum Kapitalismus geht zumeist Hand in Hand mit der Zustimmung zur Idee der Demokratie. Die Verkn\u00fcpfung mit rechtsextremen Einstellungen findet dagegen vergleichsweise selten statt.\u201c (ebd.: 59) Wobei \u201eselten\u201c hei\u00dft, dass sich rechtsextreme \u201eKapitalismuskritik\u201c immerhin bei 17 Prozent, rechtsextreme \u201eGlobalisierungskritik\u201c bei 18 Prozent und rechtsextremer \u201eAntikapitalismus\u201c bei 11 Prozent der Befragten fanden.<\/p>\n<p>Da es, wie erw\u00e4hnt, keine vergleichbaren Zahlen zu diesen Fragen gibt, kann auch die Studie \u201eRechtsextremismus und Kapitalismuskritik\u201c nicht auf \u00e4ltere Vergleichswerte zur\u00fcckgreifen. Aber zumindest Vermutungen \u00fcber die Ursachen des Zulaufs f\u00fcr rechtsextreme Organisationen lassen sich anstellen. St\u00f6ss sieht diese nicht in einer Ausweitung des rechtsextremen Einstellungspotenzials oder durch die Entstehung eines neuen \u201ev\u00f6lkisch-nationalistisch-sozialistischen\u201c Einstellungsmusters bedingt, sondern vielmehr in der Tatsache, dass die Rechtsextremen wie die Bev\u00f6lkerung insgesamt immer kapitalismuskritischer geworden seien (ebd.: 63). Ob diese Vermutung zutrifft, sehen wir sp\u00e4ter.<\/p>\n<p><strong>\u201eBerlin-Brandenburg-BUS\u201c<\/strong><\/p>\n<p>In einem weiteren Projekt von Richard St\u00f6ss wurde eine vergleichbare Verbreitung von kapitalismuskritischen Betrachtungsweisen festgestellt. In der Erhebung \u201ePolitische Orientierungen der Bev\u00f6lkerung in der Region Berlin und Brandenburg 2000-2008\u201c (St\u00f6ss 2008b) bekundeten bei der j\u00fcngsten Umfrage knapp zwei Drittel der Berliner und sogar drei Viertel der Brandenburger ihre Unzufriedenheit mit dem bestehenden marktwirtschaftlichen Wirtschaftssystem, wobei die Faustregel gelte: Je geringer der soziale Status, desto gr\u00f6\u00dfer die so gemessene Kapitalismuskritik.<\/p>\n<p>Die \u201ekapitalismus-\u201c und \u201eglobalisierungskritischen\u201c sowie \u201eantikapitalistischen\u201c Einstellungen wurden hier ebenfalls mit den oben angesprochenen Statements erfasst. Konkret sprachen sich z.B. rund ein Drittel der Bev\u00f6lkerung in der Region f\u00fcr die Verstaatlichung der wichtigsten Wirtschaftsunternehmen aus, und \u00fcber 40 Prozent waren der Meinung, dass der amerikanische Imperialismus die eigentliche Gefahr f\u00fcr den Weltfrieden darstelle. St\u00f6ss\u2019 Fazit lautet: \u201eIn Berlin sind derzeit 63 Prozent der Befragten kapitalismuskritisch einge\u00adstellt, in Brandenburg 74 Prozent. Antikapitalistische Orientierungen weisen 38 Prozent der Berliner und 52 der Brandenburger auf. Und Globalisierungskritik geh\u00f6rt fast schon zum normalen Einstellungsrepertoire der Bev\u00f6lkerung in der Region (zwischen 75 und 85 Prozent).\u201c (ebd.)<\/p>\n<p>Auch in der Berlin-Brandenburg-Untersuchung wurde die Verkn\u00fcpfung von \u201eKapitalismuskritik\u201c und rechtsextremen Denken gemessen. Der Befund: \u00dcber \u201erechtsextrem-kapitalismuskritische\u201c Denkweisen verf\u00fcgten 11 Prozent der Berliner und 22 Prozent der Brandenburger. \u201eDas bedeutet\u201c, so St\u00f6ss, \u201edass die \u00fcberwiegende Mehrheit der Rechtsextremisten kapitalismuskritisch orientiert ist: In Berlin betr\u00e4gt die Quote 82 Prozent, in Brandenburg sogar 89 Prozent.\u201c Im Unterschied zur Erhebung \u201eRechtsextremismus und Kapitalismuskritik\u201c k\u00f6nnen f\u00fcr Berlin und Brandenburg Angaben zum Zeitverlauf gemacht werden: Der Vergleich zwischen 2003 und 2008 offenbart dabei insgesamt \u201ekeine nennenswerte Ver\u00e4nderungen\u201c, was die Verbreitung von kapitalismuskritischen Anschauungen betrifft. Allerdings zeigt die Unterscheidung von Berlin und Brandenburg, dass sich die als \u201eantikapitalistisch\u201c interpretierten Einstellungen in Brandenburg um 8 Prozent ausgeweitet haben, w\u00e4hrend sie in Berlin um einen Prozentpunkt zur\u00fcckgegangen sind.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><span style=\"font-size: medium;\">[1]<\/span><\/a> Doch liegt dieser Vergleichszeitraum vor dem offenen Ausbruch der globalen Finanzkrise im September 2008.<\/p>\n<p><strong>FES: \u201eDie Mitte in der Krise\u201c<\/strong><\/p>\n<p>War die Krise Wasser auf die M\u00fchlen der \u201ekapitalismuskritischen\u201c und \u201eantikapitalistischen\u201c Haltungen? Unter dem Titel \u201eDie Mitte in der Krise. Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland\u201c ver\u00f6ffentlichte die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) Ende 2010 ihre dritte \u201eMitte\u201c-Studie, die auf einer Repr\u00e4sentativbefragung von 2411 Befragten im Alter von 14 bis 90 Jahren beruht (FES 2010; vgl. auch Speckmann 2011). In dieser Untersuchung benutzen die Autoren die von St\u00f6ss entwickelten Fragen zu Messung von kapitalismuskritischen Meinungen. Damit ergibt sich ein Bild von der Verbreitung entsprechender Haltungen <i>nach<\/i> der Weltwirtschaftskrise.<\/p>\n<p>Die Autoren der FES-Studie stellen ebenso wie Richard St\u00f6ss eine \u201eirritierend\u201c hohe Zustimmung zu kapitalismus- und globalisierungskritischen, ja gar \u201eantikapitalistischen\u201c Statements in der Bev\u00f6lkerung fest. Diese seien so hoch, dass das gegenw\u00e4rtige Wirtschaftssystem in Deutschland infrage gestellt werde. So sind, um nur wenige Beispiele zu nennen, 72,2 Prozent der Befragten West- und 77 Prozent der Ostdeutschen der Meinung, dass die internationalen Finanzm\u00e4rkte Schuld an der weltweit wachsenden sozialen Ungleichheit sind, was von den FES-Autoren als Ausdruck einer globalisierungskritischen Haltung interpretiert wird. Dem Satz \u201eDer Sozialismus ist im Grunde eine gute Idee, die nur schlecht ausgef\u00fchrt wurde\u201c stimmen 43,4 Prozent der Bewohner der alten und 55,6 Prozent der neuen Bundesl\u00e4nder zu. Insgesamt stellen die Autoren einen Anteil von 63,2 Prozent \u201eKapitalismuskritiker\/innen\u201c, 83,6 Prozent \u201eGlobalisierungskritiker\/innen\u201c und von 42,6 Prozent \u201eAntikapitalist\/innen\u201c fest (FES 2010: 126).<\/p>\n<p>Wenn wir diese Werte aus dem Jahr 2010 mit denen von St\u00f6ss (2008a) aus dem Jahr 2003 vergleichen (vgl. Tab. 1), f\u00e4llt auf, dass insbesondere der Anteil der Befragten, die unter \u201eGegnerschaft zum Kapitalismus\u201c fallen, signifikant um 12,6 Prozent angestiegen ist. Aber auch die weichere Form der Zustimmung zu \u201ekapitalismuskritischen\u201c Statements \u2013 die \u201eGlobalisierungskritik\u201c \u2013 hat eine weitere Verbreitung (plus 5,6 Prozent) gefunden. Allgemein betr\u00e4gt die Zunahme der \u201eKapitalismuskritiker\/innen\u201c 5,2 Prozent. Ein Vergleich mit den Ergebnissen aus der regionalen Befragung 2008 in Berlin-Brandenburg unterst\u00fctzt diese Tendenz des Anstiegs der Kapitalismuskritik.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Tabelle 1: \u00dcbersicht \u201ekapitalismuskritische Einstellungen\u201c 2003-2010 (Zustimmung zu entsprechenden Statements in Prozent)<\/strong><\/p>\n<table width=\"443\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"2\">\n<colgroup>\n<col width=\"188\" \/>\n<col width=\"32\" \/>\n<col width=\"29\" \/>\n<col width=\"39\" \/>\n<col width=\"40\" \/>\n<col width=\"89\" \/> <\/colgroup>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"188\"><strong>Einstellung<\/strong><\/td>\n<td width=\"32\"><strong>St\u00f6ss 2003<\/strong><\/td>\n<td width=\"29\"><strong>FES 2010<\/strong><\/td>\n<td width=\"39\"><strong>Trend 2003\/2010<\/strong><\/td>\n<td width=\"40\"><strong>Berlin 2008<\/strong><\/td>\n<td width=\"89\"><strong>Brandenburg 2008<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"188\">\u201eKapitalismuskriti\u00adkerInnen\u201c<\/td>\n<td width=\"32\">58,0%<\/td>\n<td width=\"29\">63,2%<\/td>\n<td width=\"39\">+5,2<\/td>\n<td width=\"40\">63,0%<\/td>\n<td width=\"89\">74,0%<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"188\">\u201eGlobalisierungskritikerInnen\u201c<\/td>\n<td width=\"32\">78,0%<\/td>\n<td width=\"29\">83,6%<\/td>\n<td width=\"39\">+5,6<\/td>\n<td width=\"40\">75,0%<\/td>\n<td width=\"89\">85,0%<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"188\">\u201eAntikapitalistInnen\u201c<\/td>\n<td width=\"32\">30,0%<\/td>\n<td width=\"29\">42,6%<\/td>\n<td width=\"39\">+12,6<\/td>\n<td width=\"40\">38,0%<\/td>\n<td width=\"89\">52,0%<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf vergleichbar hohe Werte kommt im \u00dcbrigen die Langzeituntersuchung \u201eDeutsche Zust\u00e4nde\u201c (2010: 34) von Wilhelm Heitmeyer. Dort hei\u00dft es, dass es trotz der verbreiteten Personalisierung der Ursachen der Finanzkrise auch \u201eeine erhebliche Kritik am kapitalistischen Wirtschaftssystem\u201c (73,2 Prozent) gebe. Im Fokus stehe dabei das wirtschaftliche System der Vereinigten Staaten, da die Finanzkrise von hier aus ihren Ausgang genommen habe. Nach der Rolle und Funktion \u201aunseres Wirtschaftssystems\u2019 gefragt, stellt die Forschergruppe um Heitmeyer eine viel seltenere Zustimmung zu entsprechender Kritik fest. \u201eAllerdings\u201c, so schreiben sie, \u201eglauben fast 60 Prozent, da\u00df die Krise auch hierzulande systemische Ursachen hat.\u201c Jedoch nennen knapp \u00fcber die H\u00e4lfte der Befragten auch Sozialschmarotzer als Ursache f\u00fcr die Wirtschaftskrise und 14,5 Prozent schieben die Schuld auf die Ausl\u00e4nder (ebd.: 34).<\/p>\n<p>Zwei weitere Studien bieten Indizien f\u00fcr diesen Trend, wenngleich sie nicht auf repr\u00e4sentativen Befragungen, sondern auf qualitativen Interviews, Gruppendiskussionen sowie einer Fragebogenerhebung in Betrieben beruhen. Die Untersuchung \u201eKrise ohne Konflikt?\u201c (Detje u.a. 2010; vgl. auch den Beitrag in diesem Heft) wertet Interviews und Gespr\u00e4chsrunden mit Vertrauensleuten und Betriebsr\u00e4ten aus der Metall- und Elektroindustrie aus. Unter anderem stellen die Soziologen auch hier eine immer wieder formulierte kapitalismuskritisch fundierte Systemkritik fest. Insofern sehen sie die Ergebnisse der o.a. Heitmeyer-Studie bekr\u00e4ftigt. Des Weiteren hat eine Forschergruppe um Klaus D\u00f6rre (2009: 574f.) bei ihrer Befragung von ostdeutschen Besch\u00e4ftigten eine \u201esubjektive Relevanz einer in die Alltagsphilosophie eingelagerten Kapitalismuskritik\u201c ermittelt bzw. spricht sogar von einem \u201eallt\u00e4glichen Antikapitalismus\u201c.<\/p>\n<p>Als Zwischenfazit l\u00e4sst sich Folgendes festhalten: Die von den zitierten Sozialwissenschaftlern als Indikatoren f\u00fcr globalisierungs- und kapitalismuskritische sowie antikapitalistische Einstellungen interpretierten Statements finden gegenw\u00e4rtig in der breiten Bev\u00f6lkerung mit bis zu zwei Dritteln sehr hohe Zustimmungswerte. Zum zweiten hat die weltweite Wirtschaftskrise der Jahre 2008ff. tats\u00e4chlich zu einer Zunahme solcher Ansichten gef\u00fchrt. Gleichwohl waren die Zustimmungswerte bereits vor der j\u00fcngsten Krise recht hoch. Das legt die Schlussfolgerung nahe, dass der neoliberale Abbau des Sozialstaats in Deutschland mit Agenda 2010, Hartz IV, Prekarisierung, Privatisierung von Rentensystemen etc. bereits seit geraumer Zeit in den sozialen und politischen Einstellungen der Bev\u00f6lkerung Spuren hinterlassen hat.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><span style=\"font-size: medium;\">[2]<\/span><\/a> Es ist mithin nicht von einem \u201eBruch\u201c infolge der gro\u00dfen Krise auszugehen, sondern von einer l\u00e4ngerfristigen Entwicklung dieser Meinungen, die durch die Krise eine Trendversch\u00e4rfung erfahren hat.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><span style=\"font-size: medium;\">[3]<\/span><\/a> Und drittens ist das aus Sicht von kapitalismuskritischen und antikapitalistischen Linken nicht unbedingt ein Grund zur Freude, weil Antikapitalismus und Kapitalismuskritik \u2013 das zeigt schon ein Blick in die Geschichte \u2013 immer auch von rechts artikuliert werden k\u00f6nnen. Genau das \u2013 die Artikulation von rechter \u201eKapitalismuskritik\u201c \u2013 erfolgt heute von Teilen der Mainstream-Medien (vgl. die Kommentare und \u201eInterpretationsangebote\u201c etwa der Bild-Zeitung zur EU- und Verschuldungskrise) wie von neofaschistischen Organisationen, und dies korrespondiert mit entsprechenden Einstellungen in relevanten Teilen der deutschen Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p><strong>V\u00f6lkischer Antikapitalismus?<\/strong><\/p>\n<p>Diesen Aspekt wollen wir uns anhand der FES-Studie n\u00e4her ansehen; einerseits, weil sie diesem Aspekt besonderes Augenmerk schenkt und andererseits, da sie zu einer pessimistischeren Einsch\u00e4tzung kommt als die Untersuchung \u201eRechtsextremismus und Kapitalismuskritik\u201c von Richard St\u00f6ss. Wie erw\u00e4hnt beziehen sich die Autoren von \u201eDie Mitte in der Krise\u201c auf die bei St\u00f6ss formulierten Statements, machen indessen auf eine begriffliche Schwierigkeit aufmerksam: \u201eDie von ihm in den Items formulierten Aussagen k\u00f6nnen zwar als kapitalismuskritisch, aber im Anklang einer v\u00f6lkischen Wirtschaftsordnung verstanden werden. Dabei w\u00fcrde die Idee einer Volksgemeinschaft mitschwingen und nicht, wie Kapitalismuskritik im Alltagssinn gebraucht werde, eine Opposition gegen\u00fcber dem Wirtschaftssystem aufgrund radikaler Egalit\u00e4tsvorstellungen.\u201c (FES 2010: 125) Diesen Aspekt hatte zwar St\u00f6ss im Grunde genommen schon ber\u00fccksichtigt, allerdings ebenso festgestellt, dass Kapitalismuskritik \u00fcberwiegend Hand in Hand mit der Zustimmung zur Idee der Demokratie gehe. In der FES-Studie r\u00fcckt dieses emanzipatorische Potenzial von Kapitalismuskritik und Antikapitalismus g\u00e4nzlich in den Hintergrund. Im Gegenteil: Vieles deute darauf hin, dass der Kapitalismus \u201evon rechts infrage gestellt\u201c wird, dass wir es mit einem \u201evolksgemeinschaftlichen Antikapitalismus\u201c zu tun haben (ebd.: 128). Um den Zusammenhang von Rechtsextremismus, Kapitalismuskritik und Globalisierungsgegnerschaft abzubilden, wurde eine sogenannte Produkt-Moment-Korrelationen angewandt. Demnach gebe es eine hohe Korrelation, lediglich die Dimension Antiamerikanismus korreliere wenig mit (extrem) rechten Einstellungen. Die Autoren schlussfolgern, dass sowohl die zunehmende Beurteilung von \u201eFremden\u201c nach N\u00fctzlichkeitskriterien, aber auch die Diskreditierung von angeblich \u201eArbeitsscheuen\u201c f\u00fcr die Vermutung einer v\u00f6lkischen Alternative als Referenz hinter diesem \u201eAntikapitalismus\u201c spreche (ebd.: 129). Dar\u00fcber hinaus ermitteln sie einen engen Zusammenhang zwischen Antisemitismus und antikapitalistischen Stimmungen. Die Verfasser beobachten eine Verdichtung antidemokratischer Anschauungen in der Kapitalismuskritik, die auch deutlich von antisemitischen Ressentiments getragen werde. Es scheint, so ihre Bef\u00fcrchtung, \u201eals w\u00fcrde gegenw\u00e4rtig das Bild zwischen einem guten, \u201aschaffenden\u2019 Kapital mit nationalen Wurzeln und einem schlechten, \u201araffenden\u2019 Kapital internationaler Finanzm\u00e4rkte wiederbelebt. Die in der Alltagskommunikation bem\u00fchten Bilder, etwa von \u201aHeuschrecken\u2019, \u201aRaubtierkapitalismus\u2019 und anderem, sprechen daf\u00fcr.\u201c (Ebd.: 148)<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><span style=\"font-size: medium;\">[4]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Wie sind diese Ergebnisse einzusch\u00e4tzen? Werfen wir einen kritischen Blick auf die von St\u00f6ss und den Autoren der FES-Studie angef\u00fchrten Statements, mit denen sie die Verbreitung von antikapitalistischen, v\u00f6lkisch konnotierten, Einstellungen gemessen haben.<\/p>\n<p>Zur ersten Aussage \u201eDie wichtigsten Wirtschaftsunternehmen m\u00fcssen verstaatlicht werden\u201c: Dieses Statement kann auch f\u00fcr die Unterst\u00fctzung einer gemischten Wirtschaft oder f\u00fcr Staatskapitalismus stehen. Spezifisch \u201eantikapitalistisch\u201c ist sie nicht. Dass sie so interpretiert wird, ist mit einem verk\u00fcrzten Verst\u00e4ndnis von Kapitalismuskritik zu erkl\u00e4ren, das ausschlie\u00dflich auf den Aspekt Eigentum an den Produktionsmitteln abzielt und Verstaatlichung mit sozialistischer Vergesellschaftung identifiziert.<\/p>\n<p>Das zweite Statement besagt: \u201eWirkliche Demokratie ist erst m\u00f6glich, wenn es keinen Kapitalismus mehr gibt.\u201c Diese Aussage kann tats\u00e4chlich eine \u2013 emanzipatorische \u2013 antikapitalistische Einstellung nahelegen. Die Frage ist, welche Assoziationen der Begriff \u201eKapitalismus\u201c bei der \u00fcberwiegenden Mehrheit der Befragten ausl\u00f6st. Wenn, wie die Autoren der FES-Studie argumentieren, mit dem Sozial- und Wirtschaftssystem der Bundesrepublik nicht \u201eKapitalismus\u201c, sondern die \u201esoziale Marktwirtschaft\u201c verkn\u00fcpft wird, k\u00f6nnte dieses Statement auch dahin gehend verstanden werden, dass der von stattengehende Abbau sozialstaatlicher Elemente und die Durchsetzung eines sich aus dem (US-amerikanischen) Ausland ausbreitenden Kapitalismus als Hindernis f\u00fcr die Demokratie empfunden wird. Damit k\u00f6nnte auch eine rechte und potenziell v\u00f6lkische Interpretation dieses Items verbunden sein. Angesichts des erw\u00e4hnten Ergebnisses der Heitmeyer-Studie, wonach 60 Prozent der Ansicht sind, die Krise habe auch hierzulande systemische Ursachen, scheint allerdings in der Normalbev\u00f6lkerung die Unterscheidung von sozialer Marktwirtschaft und Kapitalismus im Schwinden begriffen zu sein.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><span style=\"font-size: medium;\">[5]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Das dritte Statement lautet: \u201eIn der Bundesrepublik bestehen noch die alten Gegens\u00e4tze zwischen der besitzenden und der arbeitenden Klasse.\u201c Nur wenn man die Anerkennung der Existenz von Klassengegens\u00e4tzen mit der Verurteilung und dem Wunsch nach \u00dcberwindung dieses Klassenantagonismus gleichsetzt, kann die Zustimmung zu diesem Item Indiz f\u00fcr eine \u201eantikapitalistische\u201c Bekundung interpretiert werden. Das liegt indes nicht ohne Weiteres auf der Hand. Genauso gut kann diese Aussage eine resignative Anerkennung bestehender Verh\u00e4ltnisse oder aber eine sozialdemokratische Gesinnung zum Ausdruck bringen, die zum Ziel hat, existierende Klassengegens\u00e4tze abzumildern. Andererseits kann die Bejahung der Aussage aber auch \u2013 da ist der Einwand der FES-Studie berechtigt \u2013 durch eine Sehnsucht nach einer klassen\u00fcbergreifenden \u201eVolks\u201cgemeinschaft motiviert sein.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft: Die vermeintlich hohen antikapitalistischen Einstellungen basieren auf Statements, die in der Tat einerseits eine sowohl rechte als auch linke Infragestellung des Kapitalismus nahelegen k\u00f6nnen \u2013 dies aber nicht zwangsl\u00e4ufig m\u00fcssen. Andererseits kann die Zustimmung zu einer Aussage wie dargelegt auch auf eine sozialdemokratische Gesinnung hinweisen. Eindeutig ist die Zunahme einer kritischen Sicht auf das Wirtschafts- und Gesellschaftssystem der Bundesrepublik. Ob dabei Verallgemeinerungen wie \u201eAntikapitalismus\u201c oder \u201ev\u00f6lkische Infragestellung des Wirtschaftssystems\u201c gerechtfertigt sind, ist dagegen zweifelhaft, wenngleich mehr daf\u00fcr spricht, dass die \u201eSystemfrage\u201c von rechts gestellt wird. Darauf deuten die weitverbreiteten ausl\u00e4nder-, islamfeindlichen, rassistischen, sozialdarwinistischen und generell schwache Gruppen abwertenden Meinungen in der deutschen Bev\u00f6lkerung hin, deren Verbreitungen ebenfalls in den FES- sowie den Heitmeyer-Studien im Detail dargelegt werden. Notwendig w\u00e4ren Erhebungen mit einem verfeinerten Befragungsschema, welche auch die Komponenten einer emanzipatorischen Kapitalismuskritik oder Gegnerschaft zum Kapitalismus (in seinen spezifischen Auspr\u00e4gungen) zu ermitteln versucht.<\/p>\n<p>Besser charakterisiert scheint mir der Befund der FES-Studie in Anlehnung an St\u00f6ss mit einer diffusen nationalistisch<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\"><span style=\"font-size: medium;\">[6]<\/span><\/a> eingef\u00e4rbten Unzufriedenheit mit den gegenw\u00e4rtigen \u00f6konomischen und sozialen Verh\u00e4ltnissen in Zeiten eines neoliberalen Finanzmarktkapitalismus zu sein. Diffus deshalb, weil zwar zum einen \u201eKapitalismuskritik\u201c welcher Art auch immer artikuliert wird, andererseits sich die neoliberale Ideologie und Praxis aber in den Habitus eingeschrieben hat und vor allem eine Vorstellung von einer Alternative zu den gegenw\u00e4rtigen sozialen und \u00f6konomischen Verh\u00e4ltnissen fehlt. Zudem ahnen die subalternen- und Mittelklassen in Deutschland, dass die dem globalisierten Kapitalismus eingeschriebene \u201eimperiale Lebensweise\u201c (Brand 2011: 79f.) durch Ressourcenfl\u00fcsse von S\u00fcd nach Nord ihre Lebenssituation materiell absichert.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\"><span style=\"font-size: medium;\">[7]<\/span><\/a><\/p>\n<p><strong>Herausforderung: marxistische Kapitalismuskritik<\/strong><\/p>\n<p>Die Aufgaben f\u00fcr eine marxistische orientierte Linke werden durch diese Befunde nicht leichter. F\u00fcr sie gilt es, an das von St\u00f6ss festgestellte demokratisch-emanzipatorische Potenzial der kapitalismuskritischen Einstellungen anzukn\u00fcpfen und sie in eine emanzipatorische Kritik der kapitalistischen Produktionsweise zu transformieren. Vor allem aber geht es darum, dass ihre Kapitalismuskritik einer personalisierenden, antiamerikanischen, nationalistischen \u2013 und damit potenziell antisemitisch konnotierten \u2013 Interpretation vorbeugt.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\"><span style=\"font-size: medium;\">[8]<\/span><\/a> Die besondere Herausforderung f\u00fcr die Linke besteht dabei in der Dialektik von der Kritik des Kapitalismus in seinem idealen Durchschnitt und Kritik seiner spezifischen, aktuellen \u2013 finanzmarktgetriebenen \u2013 Auspr\u00e4gung. Die Kritik des Finanzmarktkapitalismus ist zweifellos notwendig und wichtig, da sich in ih eine Verschiebung des Verh\u00e4ltnisses von Finanzkapital und Produktivkapital ausdr\u00fcckt, die den heutigen Krisen im Kapitalismus ihren Stempel aufdr\u00fcckt. Die Verschuldungs- und EU-Krise ist nur ein weiteres Beispiel nach der kaum \u00fcberwundenen Wirtschafts- und Finanzkrise 2008ff. Allein: Eine in dieser Hinsicht reduzierte Kapitalismuskritik, die eben nicht die relative Verselbst\u00e4ndigung der Finanzm\u00e4rkte an eine ver\u00e4nderte Struktur der politischen \u00d6konomie (\u00dcberakkumulation, Deregulierung etc.) der f\u00fchrenden kapitalistischen L\u00e4nder zur\u00fcckbindet, l\u00e4uft genau in diese Falle. Freilich: Die Dialektik des Antikapitalismus stellt sich somit noch vertrackter dar. Wolfgang F. Haug schrieb dazu: \u201eAntikapitalistische Handlungsf\u00e4higkeit entscheidet sich an den politischen Vermittlungen, den \u00dcbergangslosungen und den weitertreibenden Forderungen. Als solche eingesetzt, k\u00f6nnen reformistische Ziele wie das Grundeinkommen oder kann die Konzentration der Kritik auf den Neoliberalismus dazu beitragen, den Bann des Bestehenden zu brechen. Entscheidend ist die F\u00e4higkeit zur bestimmten Negation, die wei\u00df, worauf sie hinaus will, an welchen Elementen des Neuen sie ansetzt und mit wem sie sich dabei verb\u00fcndet. Wenn es nicht zur \u2018Liquidation statt der Aufhebung, der formalen anstatt der bestimmten Negation\u2019 kommen soll (Dialektik der Aufkl\u00e4rung, 231 [Horkheimer\/Adorno 2003]), muss ich nicht nur den terminus a quo, das Wogegen, vor Augen haben, sondern auch den terminus ad quem, das Wof\u00fcr und Woraufhin der Kritik. Die wichtigste Vermittlung, immer wieder konkret anzustrengen, ist die zwischen Nah- und Fernziel.\u201c (Haug 2009: 32)<\/p>\n<p>Ein solcher Antikapitalismus w\u00fcrde einer Linken zweifelsohne ein Alleinstellungsmerkmal sichern \u2013 allein die Schwierigkeit besteht darin, wie diese abstrakte Kritik in das politische Feld zu vermitteln ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p>Bischoff, Joachim u.a. (2010): Die Gro\u00dfe Krise. Finanzmarktcrash \u2013 verfestigte Unterklasse \u2013 Alltagsbewusstsein \u2013 Solidarische \u00d6konomie, Hamburg.<\/p>\n<p>Brand, Ulrich (2011): Staatseuphorie ohne Strategie. Zur Lage der Linken im Postneoliberalismus, in: ders.: Post-Neoliberalismus? Aktuelle Konflikte, Gegen-hegemoniale Strategien, Hamburg, S. 73-82.<\/p>\n<p>Detje, Richard u.a. (2010): Krise ohne Konflikt? Interessen- und Handlungsorientierungen im Betrieb \u2013 die Sicht von Betroffenen, Hamburg.<\/p>\n<p>Deutsche Zust\u00e4nde (2010): Folge 8, hrsgg. von Wilhelm Heitmeyer, Berlin.<\/p>\n<p>D\u00f6rre, Klaus\/Behr, Michael\/Eversberg, Dennis\/Schierhorn, Karen (2009): Krise ohne Krisenbewusstsein? Zur subjektiven Dimension kapitalistischer Landnahmen, in: Prokla 157. Zeitschrift f\u00fcr kritische Sozialwissenschaft, 39. Jg., Nr. 4, S. 559-576.<\/p>\n<p>Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) (2010): Die Mitte in der Krise. Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2010: www.fes-gegen-rechtsextremismus.de.<\/p>\n<p>Haug, Wolfgang Fritz (2007): Zur Dialektik des Antikapitalismus, in: Das Argument 269, 49. Jg. Heft 1, S. 11-34.<\/p>\n<p>Horkheimer, Max\/Adorno, Theodor W. (1947): Dialektik der Aufkl\u00e4rung. Philosophische Fragmente, Frankfurt a.M., zit. n. Bd. 3 von Adornos Gesammelten Schriften.<\/p>\n<p>Knappertsbusch, Felix\/Kelle, Udo (2010): \u201eMutterland des nomadisierenden Finanzkapitals\u201c \u2013 Zum Verh\u00e4ltnis von Antiamerikanismus und Antisemitismus vor dem Hintergrund der Finanzkrise, in: Deutsche Zust\u00e4nde, a.a.O., S. 144-163.<\/p>\n<p>Scharenberg, Albert (2009): Die L\u00e4hmung der Linken, in: Bl\u00e4tter f\u00fcr deutsche und internationale Politik, Heft 4, S. 5-9.<\/p>\n<p>Speckmann, Guido (2011): Politische Deprivation und rechter Antikapitalismus. Zur neuen \u201eMitte\u201c-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung, in: Sozialismus, Heft 2, S. 22-27.<\/p>\n<p>Steinert, Heinz (2009): Die Chancen der Krise: www.links-netz.de<\/p>\n<p>St\u00f6ss, Richard (2008a): Rechtsextremismus und Kapitalismuskritik (=Arbeitshefte aus dem Otto-Stammer-Zentrum Nr. 9): www.fes.de\/rechtsextremismus\/pdf\/Stoess-Kapitalismuskritik.pdf<\/p>\n<p>St\u00f6ss, Richard (2008b): Berlin-Brandenburg-BUS 2008. Politische Orientierungen der Bev\u00f6lkerung in der Region Berlin und Brandenburg 2000-2008: www.polsoz.fu-berlin.de\/polwiss\/forschung\/systeme\/empsoz\/daten\/osz.html<\/p>\n<p>St\u00f6ss, Richard\/Michael Fichter\/Joachim Kreis\/Bodo Zeuner (2004): Projekt Gewerkschaften und Rechtsextremismus. Abschlussbericht, Berlin: Freie Universit\u00e4t Berlin, www.polwiss.fu-berlin.de\/projekte\/gewrex\/gewrex_anfang.htm.<\/p>\n<hr align=\"LEFT\" size=\"3\" width=\"250\" \/>\n<div id=\"ftn1\" dir=\"LTR\">\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><span style=\"font-size: medium;\">[1]<\/span><\/a>\u00a0\u00a0 Der Berlin-Brandeburg-BUS 2008 hat neben der \u201eKapitalismuskritik\u201c den Rechtsextremismus und \u201erechtsextreme Kapitalismuskritik\u201c zum Thema. Auf diese Ergebnisse sei an dieser Stelle nur kurz verwiesen: Extrem rechtes Denken ist demnach in den letzten zehn Jahren angewachsen, wobei die Tendenz seit 2004 \u2013 auf hohem Niveau \u2013 r\u00fcckl\u00e4ufig ist. Brandenburg weist, wie bei den anderen Untersuchungsgegenst\u00e4nden auch, hier deutlich h\u00f6her Werte auf als Berlin. Am h\u00e4ufigsten neigt dabei die DDR-Generation in Brandenburg zu rechtsextremen Einstellungen, gefolgt von der gesamtdeutschen Generation und der BRD-Generation. Diese Rangfolge gilt im \u00dcbrigen auch f\u00fcr \u201eKapitalismuskritik\u201c und \u201erechtsextreme Kapitalismuskritik\u201c.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn2\" dir=\"LTR\">\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\"><span style=\"font-size: medium;\">[2]<\/span><\/a>\u00a0\u00a0 So auch D\u00f6rre u.a. (2009: 574f.), die die subjektive Legitimationsressource der finanzkapitalistischen Landnahme schon vor dem Ausbruch der Krise in relevanten Teilen der Bev\u00f6lkerung aufgezehrt sahen.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn3\" dir=\"LTR\">\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\"><span style=\"font-size: medium;\">[3]<\/span><\/a>\u00a0\u00a0 Auch Bischoff u.a. (2010: 117) kommen in ihrer Auswertung von diversen Umfragen zu einer vergleichbaren Einsch\u00e4tzung: \u201eDie Erwartung, der Krisenprozess seit 2008 h\u00e4tte schlagartig zu einer Ver\u00e4nderung der Lebenseinstellung gro\u00dfer Teile der Bev\u00f6lkerung f\u00fchren m\u00fcssen, ist irreal.\u201c Sie argumentieren, \u201edass die diagnostizierte Legitimationskrise des Kapitalismus und der ihn repr\u00e4sentierenden \u00f6konomischen und politischen Eliten in einem Land, das einmal zu den Hochburgen des sozial regulierten Kapitalismus mit der \u2018sozialen Marktwirtschaft\u2019 als Leitbild z\u00e4hlte; eine Legitimationskrise jedoch, die sich in einem Zeitraum von zwei Jahrzehnten entwickelt hat und durch die sozio-\u00f6konomische Entwicklung immer wieder aktualisiert worden ist.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn4\" dir=\"LTR\">\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\"><span style=\"font-size: medium;\">[4]<\/span><\/a>\u00a0\u00a0 Der Frage zum Verh\u00e4ltnis von Antiamerikanismus und Antisemitismus vor dem Hintergrund der Finanzkrise widmet sich auch ein Beitrag in Folge 8 von \u201eDeutsche Zust\u00e4nde\u201c. Vgl. Knappertsbusch\/Kelle (2010: 144-163)<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn5\" dir=\"LTR\">\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\"><span style=\"font-size: medium;\">[5]<\/span><\/a>\u00a0\u00a0 Bereits 2006 stellte die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin des Instituts f\u00fcr Demoskopie Allensbach, Renate K\u00f6cher, fest: \u201eNoch Ende der neunziger Jahre \u00fcberwog die Einsch\u00e4tzung, dass die deutsche Wirtschaftsordnung Marktkr\u00e4fte und soziale Belange erfolgreich miteinander verbindet. Heute bestreitet die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit, dass Deutschland eine Soziale Marktwirtschaft hat; nur noch 24% sind davon \u00fcberzeugt, w\u00e4hrend 62% den Eindruck haben, dass die soziale Ausrichtung aufgegeben wurde oder nie existierte.\u201c (zit. n. Bischoff u.a. 2010: 117)<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn6\" dir=\"LTR\">\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\"><span style=\"font-size: medium;\">[6]<\/span><\/a>\u00a0\u00a0 Den Aspekt des Nationalismus sowie das Potenzial des Rechtspopulismus \u2013 gerade unter Anh\u00e4ngern der Linkspartei \u2013 behandelt auch eine von der Wochenzeitung \u201eder Freitag\u201c im Fr\u00fchjahr 2011 in Auftrag gegebene repr\u00e4sentative Umfrage. Demnach w\u00fcrden wesentlich mehr als die bislang 20 Prozent der Deutschen nationalistischen Positionen zuneigen. Vgl. Jakob Augstein, Die Wahrheit muss erlaubt sein: www.freitag.de\/datenbank\u00ad\/freitag\/2011\/19\/unangenehme; sowie Axel Br\u00fcggemann, Deutschland \u00fcber alles: www.freitag.de\/wochenthema\/1119-volkes-dunkler-wille. Auch eine Allensbach-Umfrage stellte j\u00fcngst Hinweise auf \u201eEine Renationalisierung des Denkens\u201c fest (vgl. FAZ, 20.7.2011).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn7\" dir=\"LTR\">\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\"><span style=\"font-size: medium;\">[7]<\/span><\/a>\u00a0\u00a0 Auch die von Bischoff u.a. (2010: 117) diagnostizierte \u201eLegitimationskrise des Kapitalismus\u201c sowie der \u201eallt\u00e4gliche Antikapitalismus\u201c von D\u00f6rre (2009: 574f.) ist m.E. eine etwas vorschnelle Verallgemeinerung bzw. eine Verwischung des Unterschiedes von Kritik an spezifischen Auspr\u00e4gungen z.B. des Finanzmarktkapitalismus und einer Gegnerschaft zur kapitalistischen Produktionsweise an sich. Es scheint, dass kritische Sozialwissenschaftler dazu neigen, ihre Hoffnung auf antikapitalistische Subjektivit\u00e4ten und Bewegungen auf ihren Forschungsgegenstand zu projizieren. Hintergrund dessen ist die immer noch fest verankerte \u00fcberwiegend potenziell emanzipatorische und sozialistische Besetzung von Antikapitalismus.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn8\" dir=\"LTR\">\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\"><span style=\"font-size: medium;\">[8]<\/span><\/a>\u00a0\u00a0 Bei Detje u.a. (2010: 141) gibt es einen Hinweis, dass die konstatierte Kapitalismuskritik nicht personalisiert vorgetragen wird, sondern systemisch. Das habe einerseits, so ihre Kommentierung, den Vorteil, dass Personalisierungen vermieden w\u00fcrden, andererseits mache sich ein Gef\u00fchl der Handlungsunf\u00e4higkeit breit, weil das System schlicht als \u00fcberm\u00e4chtig erfahren werde.<\/p>\n<\/div>\n<p>(aus: <a href=\"http:\/\/www.zeitschrift-marxistische-erneuerung.de\/topic\/27.ausgabe-87-september-2011.html\">Z.Zeitschrift Marxistische Erneuerung<\/a>, Nr. 87, September 2011)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verbreitung und Ambivalenz antikapitalistischer Einstellungen in Deutschland Bereits vor zwei Jahren \u2013 auf dem H\u00f6hepunkt der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise \u2013 brachte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung ihre klammheimliche Freude \u00fcber die mangelnde Attraktivit\u00e4t der Linken zum Ausdruck: \u201eDeshalb klingen die &hellip; <a href=\"https:\/\/guidospeckmann.de\/?p=53\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"kia_subtitle":"Verbreitung und Ambivalenz antikapitalistischer Einstellungen in Deutschland","footnotes":""},"categories":[14],"tags":[19,20,52],"class_list":["post-53","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-politische-einstellungen-in-der-brd","tag-antikapitalismus","tag-antikapitalismus-von-rechts","tag-kapitalismuskritik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/guidospeckmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/53","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/guidospeckmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/guidospeckmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/guidospeckmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/guidospeckmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=53"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/guidospeckmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/53\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1369,"href":"https:\/\/guidospeckmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/53\/revisions\/1369"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/guidospeckmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=53"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/guidospeckmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=53"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/guidospeckmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=53"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}