{"id":554,"date":"2009-04-01T15:04:44","date_gmt":"2009-04-01T13:04:44","guid":{"rendered":"http:\/\/guidospeckmann.de\/?p=554"},"modified":"2012-10-24T15:14:01","modified_gmt":"2012-10-24T13:14:01","slug":"neokoloniale-landnahme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidospeckmann.de\/?p=554","title":{"rendered":"Neokoloniale Landnahme"},"content":{"rendered":"<p>155 Millionen und 55 Millionen \u2013 die erste Ziffer steht f\u00fcr die Zahl der im vergangenen Jahr durch die massive Steigerung der Preise f\u00fcr Lebensmittel zur\u00fcck in die absolute Armut gesto\u00dfenen Menschen. Die zweite f\u00fcr jene, denen durch die globale Wirtschaftskrise ein \u00e4hnliches Schicksal droht: ein Leben mit weniger als zwei Dollar pro Tag fristen zu m\u00fcssen (vgl. SZ, 23.2.2009).<br \/>\nDas Spiel mit solch abstrakten Zahlen \u2013 hinter der jedes individuelle Schicksal verschwindet \u2013 ist in der Tat makaber.<!--more--> Doch die Kontrastierung dieser beiden Zahlen dr\u00fcckt auch ein Missverh\u00e4ltnis in der medialen \u00d6ffentlichkeit \u00fcber beide Krisen aus \u2013 die im \u00dcbrigen mehr miteinander zusammenh\u00e4ngen, als es auf dem ersten Blick den Anschein hat. W\u00e4hrend die Nachrichten \u00fcber Opel, General Motors, Hypo Real Estate, drohende Staatsbankrotte in Irland und osteurop\u00e4ischen Staaten in den entwickelten kapitalistischen Staaten fast t\u00e4glich die Nachrichten dominieren, ist die mediale Sensibilit\u00e4t f\u00fcr die Hungerkrise l\u00e4ngst pass\u00e9. Kein Wunder: Nicht nur in den Medien herrscht eine eurozentristische Wahrnehmung vor, die das allt\u00e4gliche Sterben auf der S\u00fcdhalbkugel nicht gewillt ist, angemessen zu ber\u00fccksichtigen. So findet sich etwa ein Bericht \u00fcber eine Studie der Vereinten Nationen \u00fcber die verheerenden Folgen der Wirtschaftskrise f\u00fcr die Entwicklungshilfe weit hinten in einer der auflagenst\u00e4rksten deutschen Zeitungen \u2013 noch dazu unter der Rubrik Geld. Die dort vorgestellten Ergebnisse einer UNESCO-Studie sehen einen Einbruch der Investitionen in Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4ndern voraus, der die Nahrungsmittelkrise weiter versch\u00e4rfen wird. F\u00fcr 390 Millionen der \u00e4rmsten Afrikaner werde sich demzufolge das Einkommen um 20% reduzieren. Die Konsequenz: Hunger, der Millionen von Kindern auf Jahre kaum reversible Sch\u00e4den zuf\u00fcgt. Bis zu 400.000 Kinder seien derzeit vom Hungertod bedroht (vgl. SZ, 6.3.2009).<\/p>\n<p><strong>R\u00fcckblick<\/strong><br \/>\nIm Fr\u00fchjahr letzten Jahres betrat das \u00bbUngeheuer Hunger die politische B\u00fchne der Welt\u00ab (vgl. Sozialismus 5\/2008). Hungeraufst\u00e4nde in zahlreichen L\u00e4ndern, z.B. in \u00c4gypten, Haiti, Kamerun, Guinea offenbarten, dass die Verdoppelung der Preise f\u00fcr Grundnahrungsmittel wie Reis und Mais nicht nur mehr Hungerelend f\u00fcr Millionen von Menschen bedeutet, sondern auch Konsequenzen f\u00fcr die politische Stabilit\u00e4t zahlreicher Staaten zeitigte. In Haiti kam es gar zu einem Regierungswechsel.<br \/>\nDamals \u00e4u\u00dferten viele b\u00fcrgerliche Kommentatoren \u2013 wir erinnern uns: die Finanzkrise- und Weltwirtschaftskrise hatte noch nicht den neoliberalen Mythos von den segensreichen Kr\u00e4ften des freien Marktes zertr\u00fcmmert \u2013 die Hoffnung, dass die hohen Preise nun insbesondere auch den armen Kleinbauern und -produzenten helfen k\u00f6nnten, ihre \u00f6konomische Situation zu verbessern. Schlie\u00dflich w\u00fcrden sie doch von den h\u00f6heren Marktpreisen profitieren. Etwas weitsichtigere Beobachter \u2013 bspw. der Wirtschaftshistoriker Marcel Mazoyer (WOZ 3.4.2008) \u2013 bezweifelten genau dies und gaben folgende Gr\u00fcnde daf\u00fcr an: Zum einen sind die Kleinbauern so arm, dass sie nicht ausschlie\u00dflich von ihren eigenen Ertr\u00e4gen leben k\u00f6nnen, sondern im Gegenteil Lebensmittel aus Einnahmen von Lohnarbeit zukaufen m\u00fcssen. Zum anderen sind sie mit steigenden Inputpreisen konfrontiert, \u00bbohne einen gr\u00f6\u00dferen \u00dcberschuss mit entsprechenden h\u00f6heren Einnahmen produzieren zu k\u00f6nnen\u00ab, wie die Ern\u00e4hrungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN (FAO) feststellt. \u00dcberdies ist die Voraussetzung nicht gegeben, dass die Agrarh\u00e4ndler \u2013 h\u00e4ufig abh\u00e4ngig vom international operierenden Agrobusiness \u2013 die gestiegenen Erl\u00f6se auf dem Weltmarkt auch an die Produzenten weitergeben.<br \/>\nBef\u00fcrchtet wurde vielmehr das Gegenteil: dass n\u00e4mlich jetzt ein Ansturm der Agro-Konzerne auf Bodenfl\u00e4chen einsetzen werde, gegen dessen Macht die Kleinbauern chancenlos sind. Dies sei auch die Erfahrung der letzten Jahre, so der Hochschullehrer f\u00fcr Pflanzen- und Bodenwissenschaften und Autor der US-amerikanischen Zeitschrift \u00bbMonthly Review\u00ab, Fred Magdoff: Der Gro\u00dfgrundbesitz sei gest\u00e4rkt worden und mit einem Prozess der Vertreibung von Kleinbauern und Landarbeitern einhergegangen (vgl. Z. Nr. 76).<\/p>\n<p><strong>Akkumulation durch Enteignung<\/strong><br \/>\nMit Marx gesprochen: Die urspr\u00fcngliche Akkumulation, mit der er die Trennung der Landbev\u00f6lkerung von ihren Produktionsmitteln \u2013 eben dem zu bebauenden Land \u2013 und die Schaffung eines Industrieproletariats bezeichnete, werde mit der von Monsanto, Cargill, K&amp;S, Bayer und anderen Agro-Konzernen vorangetriebenen industrialisierten Landwirtschaft fortgeschrieben.<br \/>\nAus dieser Perspektive wird der freie Markt n\u00e4mlich gerade nicht als Funktionsmechanismus gefasst, der von Machtbeziehungen unbeeinflusst ist, sondern im Gegenteil durch die Macht von Staaten, Gro\u00dfkonzernen und Monopolen mitgestaltet wird.<br \/>\nNunmehr, da das Vertrauen in den freien Markt ersch\u00fcttert ist, haben jene, die jahrelang diesem Credo anhingen, von der Empirie getrieben im Handumdrehen eine 180 Grad Kehrtwendung vollzogen. Sie m\u00fcssen derzeit eingestehen, dass die Chancen der hohen Preise f\u00fcr die Kleinbauern nicht so g\u00fcnstig waren und sehen sich seit Ende 2008 mit einem Prozess konfrontiert, den man mit einem kritischen Theorieverst\u00e4ndnis voraussagen konnte: Gro\u00dfe Konzerne, Investmentfonds und Staaten kaufen riesige Landfl\u00e4chen in Osteuropa und Afrika auf, um dort Nahrungsmittel anzubauen, die dann zur Sicherstellung der Ern\u00e4hrungssituation nach China, Indien, S\u00fcd-Korea etc. exportiert werden, oder die schlicht verkauft werden, um hohe Profite einzufahren. Leidtragende sind die einheimischen Produzenten und die Umwelt.<br \/>\nDavid Harvey hat in seinem Buch \u00bbDer neue Imperialismus\u00ab (Hamburg 2005) in Anschluss an Rosa Luxemburg und Hannah Arendt die Marxsche These von der \u00bburspr\u00fcnglichen Akkumulation\u00ab mit dem Begriff der \u00bbAkkumulation durch Enteignung\u00ab fortgef\u00fchrt und dieses Ph\u00e4nomen, welches die umfassende \u00bbKommodifizierung der Natur\u00ab und neue Wellen der \u00bbEinhegung der Allgemeing\u00fcter\u00ab meint, als Kennzeichen insbesondere f\u00fcr die neoliberale Phase des Kapitalismus beschrieben. Mithin kann man in dieser durch die Hunger- und Finanzkrise ausgel\u00f6sten neuen versch\u00e4rften Landnahme neue Beispiele finden, die seine Thesen best\u00e4tigen.<\/p>\n<p><strong>Offshore Farming<\/strong><br \/>\nSchauen wir uns ein Beispiel an: Der Inselstaat Madagaskar ist zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Textest aufgrund der gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Oppositionen und Regierung fast t\u00e4gliches Nachrichtenthema. Die Darstellung der Ursachen dieses Konfliktes beschr\u00e4nkt sich zumeist auf den Vorwurf, dass der am 17. M\u00e4rz gest\u00fcrzte Pr\u00e4sident Marc Ravalomanana sein Land wie ein Unternehmen f\u00fchre. Dies ist nicht ganz falsch, wenn man sich anschaut, welchen Hintergrund die Proteste gegen ihn auch haben. So hat Ravalomanana einen Deal mit dem s\u00fcdkoreanischen Konzern Daewoo eingef\u00e4delt, demzufolge diesem die Rechte an 1,3 Millionen Hektar Land f\u00fcr 99 Jahre \u00fcbertragen werden. Daewoo beabsichtigt auf dieser Fl\u00e4che \u2013 man vergegenw\u00e4rtige sich: das ist nicht weniger, als die H\u00e4lfte des fruchtbaren Bodens der Insel \u2013 Mais und Palm\u00f6l anzubauen und die Ernte nach S\u00fcdkorea zu verschiffen. Die H\u00e4lfte des s\u00fcdkoreanischen Maisbedarfs soll auf diese Weise gedeckt werden. Das w\u00e4re nicht weiter schlimm, wenn der Inselstaat nicht selbst auf Lebensmittelimporte und -hilfen der UNO angewiesen w\u00e4re. Doch genau das ist der Fall. Kein Wunder: \u00dcber 70% der Bev\u00f6lkerung lebt unter Armutsgrenze. Der Deal ihres korrupten Staatspr\u00e4sidenten mit dem Konzern aus S\u00fcdkorea war mithin ein Faktor, warum es zu den blutigen Protesten und dem Regierungswechsel kam. Und sie waren in Bezug auf den Deal mit Daewoo erfolgreich: Umgehend wurde der Vertrag vom neuen Pr\u00e4sidenten Andry Rajoelina r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht.<br \/>\nF\u00fcr die internationale Umwelt- und Agrarorganisation \u00bbGrain\u00ab ist Madagaskar nur das markanteste Beispiel eines Prozesses, der zwar nicht neu, aber infolge zweier gro\u00dfer globaler Krisen \u2013 der Hunger- und der Finanzkrise \u2013 eine ganz neue Dynamik gewinnt: Staaten, Konzerne und Investorengruppen kaufen im gro\u00dfen Stil Land auf, um dort offshore Lebensmittel zu produzieren. Diesen Prozess bezeichnen mittlerweile auch Vertreter der UN als \u00bbeine Form von Neokolonialismus\u00ab \u2013 so der Chef der UN-Ern\u00e4hrungsorganisation Jacques Diouf.<br \/>\nMadagaskar steht \u00bbGrain\u00ab zufolge f\u00fcr den Beweggrund der Landnahme oder des -raubs aus Motiven des Profits. Die Akteure hier sind Agro-Konzerne \u2013 wie Daewoo \u2013 oder auch private Investoren. Erstere wollen an den gestiegenen Preisen f\u00fcr Lebensmittel \u2013 sie sind immer noch hoch, obwohl nach dem H\u00f6hepunkt im Fr\u00fchjahr 2008 ein R\u00fcckgang zu verzeichnen war \u2013 partizipieren. Zudem wollen Agro-Konzerne die Einfuhr von landwirtschaftlichen Inputs und die Ausfuhr der Ernten kontrollieren. Private Investoren sehen sich nach dem Kollaps des internationalen Finanzsystems gezwungen, nach alternativen profitablen Anlagem\u00f6glichkeiten Ausschau zu halten. Ihr Kalk\u00fcl ist folgendes: Nahrungsmittel m\u00fcssen immer angebaut werden, die Preise werden hoch bleiben und g\u00fcnstiges fruchtbares Land ist verf\u00fcgbar \u2013 also eine lukrative Anlagem\u00f6glichkeit. Die Hedgefonds, Investmenth\u00e4user, Private Equity Fonds bekommen dabei fatalerweise auch Unterst\u00fctzung von Institutionen wie der Weltbank und der Europ\u00e4ischen Bank f\u00fcr Wiederaufbau und Entwicklung. So beinhaltete das 1,2 Milliarden-Dollar Soforthilfeprogramm vom Mai 2008 Forderungen, die Landeigentumsrechte marktorientiert zu reformieren. Diese Praxis steht im eklatanten Widerspruch zu den Empfehlungen des Weltagrarrates, der finanziert von Weltbank (sic!) und UN im April 2008 eine Studie vorstellte, dessen Schlussfolgerung immerhin von 60 Regierungen unterschrieben wurde. Diese lautet: Die langj\u00e4hrige Fixierung auf Ertragssteigerung, industrielle Pestizid-Landwirtschaft und Exportorientierung habe nat\u00fcrliche Ressourcen nachhaltig zerst\u00f6rt und kleinb\u00e4uerliche Strukturen verdr\u00e4ngt. Notwendig sei nun eine nachhaltige, an kleinb\u00e4uerlichen Strukturen und regionalen Wirtschaftskreisl\u00e4ufen ausgerichtete Landwirtschaft.<br \/>\nInfolge der Hungerkrise bem\u00fchen sich vor allem aber auch Staaten aus dem Mittleren Osten wie Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate, Kuwait oder aus S\u00fcd- und Ostasien wie Japan, S\u00fcdkorea, China und Indien um den Zukauf von fruchtbaren B\u00f6den. Ihr Ziel ist es vornehmlich, die eigene Ern\u00e4hrungssicherheit zu gew\u00e4hrleisten. Da sich die Staaten dar\u00fcber bewusst sind, dass diese Landdeals soziale Unruhen hervorrufen k\u00f6nnen \u2013 neben Madagaskar gibt es solche bereits in Pakistan, wo lokale Gemeinschaften gegen Zwangsumsiedlungen protestieren \u2013, versuchen sie diese, geheim zuhalten. Die Organisation \u00bbGrain\u00ab tr\u00e4gt auf ihrer Homepage alle Informationen zusammen, die dennoch an das Tageslicht kommen.<br \/>\nEine zus\u00e4tzliche Dynamik bekommt dieser Prozess des Weiteren durch die zunehmende Bioethanol-Produktion. Vorgeblich eine Antwort auf die \u00f6kologische Krise f\u00fchrt sie dazu, dass z.B. in Brasilien riesige Fl\u00e4chen des Regenwaldes zerst\u00f6rt werden.1<br \/>\nDie Frage stellt sich, inwiefern dieser Prozess als neue Form des Kolonialismus beschrieben werden kann. Argumentiert wird, dass er sich von der historischen Form abhebt, da aktuell nicht die entwickelten westlichen kapitalistischen Staaten die Hauptakteure seien, sondern aufstrebende Schwellenl\u00e4nder wie Saudi-Arabien, Indien oder China. Das ist sicher nicht falsch und die Linke sollte insofern ihre Analyse verfeinern. Gleichwohl darf nicht aus dem Blick geraten, dass weiterhin die gro\u00dfen Agro-Konzerne mit Sitz in den USA oder Europa wesentliche Akteure auf diesen M\u00e4rkten sind \u2013 die internationalen, meist von westlichen Staaten dominierten, Institutionen nicht zu vergessen. Ferner haben sich auch in Deutschland Investmentfirmen wie die seit November 2008 an der B\u00f6rse notierte Agrarius gebildet, die in Rum\u00e4nien Land kaufen, um es dann an Bauern zu verpachten (SZ, 11.2.2009).<\/p>\n<p><strong>Kleinbauern \u2013 eine Klasse f\u00fcr sich?<\/strong><br \/>\nNicht nur in Bezug auf die Analyse von internationalen Ausbeutungsstrukturen hat die Linke ihren Blick zu erweitern, sondern sie hat auch ihre (globale) Klassenanalyse zu \u00fcberdenken. Die Fixierung insbesondere der metropolitanen marxistischen Linken auf die industrielle Arbeiterklasse erscheint angesichts der gegenw\u00e4rtigen Hungerkrise aus einer globalen Perspektive heraus als \u00fcberholt. Walden Bello von Focus on the Global South stellt insofern gar die These von den \u00bbLandwirtInnen als einer Klasse f\u00fcr sich\u00ab auf: \u00bbObwohl sie einst als Relikte aus einer vorindustriellen \u00c4ra angesehen wurden, f\u00fchren Bauern und B\u00e4uerinnen jetzt die Opposition gegen die kapitalistische industrielle Landwirtschaft an (\u2026) Sie sind zu dem geworden, was Karl Marx eine politische bewusste \u203aKlasse f\u00fcr sich\u2039 genannt hat und widersprechen damit seinen eigenen Voraussagen \u00fcber ihren Untergang. Mit der globalen Nahrungsmittelkrise r\u00fccken sie in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung, und sie haben Verb\u00fcndete. (\u2026) Denn wo sich Umweltkrisen versch\u00e4rfen, sich die sozialen Fehlentwicklungen des st\u00e4dtisch-industriellen Lebens h\u00e4ufen und die industrielle Landwirtschaft immer mehr Nahrungsunsicherheit erzeugt, gewinnt die Bauernbewegung an Bedeutung nicht nur f\u00fcr Bauern und B\u00e4uerinnen\u2026.\u00ab<br \/>\nAuch David Harvey kritisiert, dass die K\u00e4mpfe gegen die Akkumulation durch Enteignung als irrelevant galten, die Konzentration auf proletarische K\u00e4mpfe ein verh\u00e4ngnisvoller Fehler war. \u00bbDenn aufgrund der organischen Verbindung dieser beiden Formen des Kampfes innerhalb der historischen Geographie des Kapitalismus entmachtete die Linke sich damit nicht nur selbst, sondern l\u00e4hmte auch ihre analytischen und programmatischen Kr\u00e4fte, indem sie die eine Seite dieser Dualit\u00e4t vollkommen ignorierte.\u00ab Allerdings: Vor dem Hintergrund aktueller Feldforschungen erscheint Bellos These als \u00fcberspitzt. Hanns Wienold macht in seinem Buch \u00bbLeben und Sterben auf dem Land\u00ab (2007) darauf aufmerksam, dass der Kleinbauer in der Regel sowohl Bauer als auch Proletarier ist, da wie bereits erw\u00e4hnt die Bewirtschaftung des Bodens allein nicht f\u00fcr die Bestreitung des Lebensunterhalts ausreicht.<br \/>\nDie herrschenden Eliten scheinen bereits verstanden zu haben, welche Konsequenzen die von ihnen betriebene Politik der Ausdehnung der kapitalistischen Weltmarktkonkurrenz zeitigt. Das Pentagon etwa erachtet die Unruhen infolge der Hungerkrise als potenzielle Bedrohung der nationalen Sicherheit und der internationalen Ordnung. Und Milit\u00e4rs planen entsprechende Eins\u00e4tze, um die bef\u00fcrchteten sozialen (Klassen)k\u00e4mpfe m\u00f6glichst fr\u00fchzeitig in Schach zu halten.<\/p>\n<p><strong>Zum Weiterlesen:<\/strong><br \/>\nThomas Fritz, <a href=\"http:\/\/fdcl-berlin.de\/index.php?id=1514\">Dem Weltmarkt misstrauen<\/a>. Die Nahrungskrise nach dem Crash<br \/>\nSeized. <a href=\"http:\/\/farmlandgrab.blogspot.com\">The 2008 land grab for food and financial security<\/a><br \/>\nWienold, Hanns, Leben und Sterben auf dem Lande. Kleinbauern in Indien und Brasilien, M\u00fcnster 2007<br \/>\nZ.Zeitschrift Marxistische Erneuerung, Heft 76, Dezember 2008, Schwerpunkt: Hunger und Nahrungsmittelkrise<\/p>\n<p>(aus: <a href=\"http:\/\/www.sozialismus.de\/archiv\/sozialismus\/2009\/heft_nr_4_april_2009\/\">Sozialimsus 4\/2009<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>155 Millionen und 55 Millionen \u2013 die erste Ziffer steht f\u00fcr die Zahl der im vergangenen Jahr durch die massive Steigerung der Preise f\u00fcr Lebensmittel zur\u00fcck in die absolute Armut gesto\u00dfenen Menschen. 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