{"id":730,"date":"2013-10-30T23:14:14","date_gmt":"2013-10-30T22:14:14","guid":{"rendered":"http:\/\/guidospeckmann.de\/?p=730"},"modified":"2013-10-30T09:21:39","modified_gmt":"2013-10-30T08:21:39","slug":"kuerzen-multipliziert-die-krise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidospeckmann.de\/?p=730","title":{"rendered":"K\u00fcrzen multipliziert die Krise"},"content":{"rendered":"<p><em>Studie aus der EU-Kommission weist auf Mitverantwortung Deutschlands hin<\/em><\/p>\n<p>Stoff f\u00fcr Verschw\u00f6rungstheoretiker oder doch nur ein ganz banaler Vorgang? Diese Frage stellt sich beim Umgang der EU-Kommission mit einer internen Studie mit dem sperrigen Titel \u00bbFiscal consolidations and spillovers in the Euro area periphery and core\u00ab (Haushaltskonsolidierungen und \u00dcbertragungseffekte in der Peripherie und im Kern der Eurozone). Vergangene Woche wurde die von dem \u00d6konomen Jan in\u2019t Veld verfasste Untersuchung auf der Webseite der EU-Kommission ver\u00f6ffentlicht, doch kurze Zeit sp\u00e4ter war sie wieder verschwunden. <!--more-->Allerdings hatte das Dokument bereits der Br\u00fcsseler Korrespondent der griechischen Tageszeitung \u00bbKathimerini\u00ab heruntergeladen, die \u00fcber die Studie berichtete. Auf Nachfrage hie\u00df es seitens der Kommission, das Dokument sei noch nicht fertig f\u00fcr die Publikation und das Hochladen ein Missgeschick gewesen. In K\u00fcrze werde es ohne wesentliche \u00c4nderungen erneut ver\u00f6ffentlicht, was inzwischen auch passierte. Gegen\u00fcber \u00bbnd\u00ab verwies der Autor der Studie, der f\u00fcr die EU-Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen schreibt, auf schlecht lesbare Grafiken hin, die in der neuen Version verbessert worden seien.<\/p>\n<p>Eines indes steht fest: Auch in der jetzt zur Verf\u00fcgung stehenden Version wartet die Untersuchung mit Aussagen auf, die insbesondere f\u00fcr die deutsche Regierung unangenehm sind. Veld kritisiert, dass die von Deutschland jahrelang betriebene K\u00fcrzungspolitik durch \u00dcbertragungseffekte (spillovers) die Misere der \u00f6konomisch schw\u00e4cheren L\u00e4nder mit herbeigef\u00fchrt habe. Durchaus naheliegend also, dass die EU-Kommission mit den Ergebnissen nicht ganz einverstanden war. Ihr redaktioneller Vermerk, dass die in dem Papier vertretene Meinung nicht notwendigerweise der der Europ\u00e4ischen Kommission entsprechen m\u00fcsse, hat nicht verhindert, dass Spekulationen ins Kraut schossen. Diesen zufolge standen letzte Woche Verhandlungen \u00fcber einen Nachtragshaushalt f\u00fcr die EU-Kommission an. Die Nationalstaaten mussten dem zustimmen. Deutschland als gr\u00f6\u00dften Nettozahler mit Kritik zu \u00e4rgern, w\u00e4re nicht der geschickteste Schachzug gewesen.<\/p>\n<p>Im Zentrum der Studie stehen die \u00dcbertragungs- und die Multiplikator-Effekte. Erstere besagen, dass eine Politik der Haushaltskonsolidierung mit Konsequenzen f\u00fcr die mit dem Land \u00f6konomisch verflochtenen Staaten einhergeht. Zum Beispiel reduziert sich die ausl\u00e4ndische Nachfrage nach deren G\u00fctern. In der Studie hei\u00dft es, \u00dcbertragungseffekte der Konsolidierungen in Deutschland und anderen Kernl\u00e4ndern der Eurozone h\u00e4tten die allgemeine wirtschaftliche Lage verschlechtert. Als Alternative werden daher tempor\u00e4re Konjunkturma\u00dfnahmen der \u00dcberschussl\u00e4nder ins Spiel gebracht. So k\u00f6nnten ihre Leistungsbilanz\u00fcbersch\u00fcsse reduziert werden.<\/p>\n<p>Mit dem Multiplikator-Effekt wiederum wird versucht abzusch\u00e4tzen, um wie viel das Bruttoinlandsprodukt steigt oder sinkt, wenn der Staat seine Ausgaben erh\u00f6ht oder k\u00fcrzt. Das klingt \u00f6konomisch-technisch, ist aber f\u00fcr Millionen Menschen in Griechenland, Portugal und Spanien von enormer Bedeutung: Je gr\u00f6\u00dfer der Multiplikator von Staatsausgabenk\u00fcrzungen, desto unwahrscheinlicher ist es, dass sie aus der Spirale aus Rezession und Schulden herauskommen. Dieser Effekt wird in der Studie h\u00f6her veranschlagt als in bisherigen EU-Untersuchungen. Velds Botschaft: Der Sparkurs treibt die Krisenl\u00e4nder noch tiefer in die Rezession.<\/p>\n<p>Bereits vor einem Jahr hatte der Chef\u00f6konom des Internationalen W\u00e4hrungsfonds (IWF), Olivier Blanchard, die von der EU angenommene, negative Mulitplikator-Wirkung des Sparkurses als zu niedrig bewertet. Br\u00fcssel schoss damals gegen diese \u00bbextreme Ansicht\u00ab.<\/p>\n<p>Inzwischen hat sich der Zweifel offenbar auch in den EU-Institutionen festgesetzt. In dieses Bild passt, dass der Ausschuss des Europaparlaments f\u00fcr Wirtschaft und W\u00e4hrung am Montag fraktions\u00fcbergreifend beschloss, einen Untersuchungsbericht zur Arbeit der Troika aus Europ\u00e4ischer Zentralbank, EU-Kommission und IWF in Griechenland, Portugal, Irland und Zypern zu erstellen. Die Troika setzte die harten Sparprogramme durch, welche sich als kontraproduktiv erwiesen, weil sie das Wirtschaftswachstum abw\u00fcrgten.<\/p>\n<p>(aus: <a href=\"http:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/837533.kuerzen-multipliziert-die-krise.html?sstr=guido|speckmann\">neues deutschland<\/a>, 30.10.2013<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Studie aus der EU-Kommission weist auf Mitverantwortung Deutschlands hin Stoff f\u00fcr Verschw\u00f6rungstheoretiker oder doch nur ein ganz banaler Vorgang? 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