{"id":934,"date":"2015-09-19T20:48:53","date_gmt":"2015-09-19T18:48:53","guid":{"rendered":"http:\/\/guidospeckmann.de\/?p=934"},"modified":"2015-11-19T21:38:29","modified_gmt":"2015-11-19T20:38:29","slug":"mit-geschmaeckle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidospeckmann.de\/?p=934","title":{"rendered":"Mit Geschm\u00e4ckle"},"content":{"rendered":"<h2>\u00dcber das neu Kulturgutschutzgesetz<\/h2>\n<p>Sie sparten nicht mit scharfen Worten: Von \u00bbkalter Enteignung\u00ab, \u00bbeiner Guillotine des deutschen Kunsthandels\u00ab war vonseiten der Kunsth\u00e4ndler, Galeristen und Sammler die Rede, als Mitte Juli ein unautorisierter erster Entwurf zur Novellierung des seit 1955 geltenden Kulturgutschutzgesetzes bekannt wurde.<!--more--><\/p>\n<p>Der K\u00fcnstler Georg Baselitz lie\u00df seine Bilder aus Museen abh\u00e4ngen, andere erwogen dies. Der Kulturstandort Deutschland sei gef\u00e4hrdet, warnte der Galeristenverband. Der Anlass? Kulturstaatsministerin Monika Gr\u00fctters vermeintlicher Plan, f\u00fcr den Verkauf von deutschem Kulturgut strengere Regeln einzuf\u00fchren. So sollte jedes Werk, das \u00fcber 150 000 Euro wert und \u00e4lter als 50 Jahre sei, nicht ohne Weiteres ins Ausland verschafft werden. So die Mitte Juli immer wieder zitierten Kriterien aus der Vorfassung.<\/p>\n<div class=\"Content\">\n<p>Nun hat am Dienstag Gr\u00fctters den ersten autorisierten Referentenentwurf offiziell ver\u00f6ffentlicht. Demnach m\u00fcsste im Falle von Gem\u00e4lden, die \u00e4lter als 70 Jahre seien oder einen Wert von mehr als 300 000 Euro haben, eine Ausfuhrgenehmigung erteilt werden. Ein \u00e4hnliches Verfahren gebe es bereits f\u00fcr Gem\u00e4lde, die ins au\u00dfereurop\u00e4ische Ausland ausgef\u00fchrt werden sollen. In diesem Fall gelte allerdings ein Alter von mehr als 50 Jahren sowie ein Wert von mehr als 150 000 Euro. Was nach einem Einknicken aussieht, ist es jedoch nicht wirklich. Von \u00e4hnlichen Kriterien war auch schon im inoffiziellen Entwurf im Juli die Rede.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Vorsitzenden der Aktionsgemeinschaft Privates Denkmaleigentum, Michael Prinz zu Salm-Salm, kommt allerdings auch der j\u00fcngste Plan noch einem massiven Einschnitt ins Privateigentum gleich. Demzufolge m\u00fcsste im europ\u00e4ischen Ausland das Privateigentum an Kunst l\u00e4ngst abgeschafft sein. Denn die dortigen Regeln sind in der Regel deutlich sch\u00e4rfer als in Deutschland, insbesondere in Italien. Dort steht fast jedes Kunstwerk unter Schutz, wenn auch in unterschiedlichen Abstufungen. Frankreich versch\u00e4rfte die Regelung 2008 &#8211; ohne Diskussionen. In die Kategorie der Kulturg\u00fcter fallen seitdem zum Beispiel Kunstwerke \u00fcber 50 Jahre, darunter Gem\u00e4lde mit einem Sch\u00e4tzwert von \u00fcber 150 000 Euro.<\/p>\n<p>Der internationale Kunsthandel ist seit geraumer Zeit \u00fcberhitzt. 2014 gab es einen Rekordumsatz von 50 Milliarden Euro. Superreiche nutzen Kunst als Anlagem\u00f6glichkeit, wie sie auch in Weizen, Gold oder Aktien investieren. Insofern ist Gr\u00fctters Regulierungsversuch im Grunde zu begr\u00fc\u00dfen. Sie unterstrich ihr Anliegen k\u00fcrzlich mit der Mahnung, dass es den Beteiligten mehr um den kulturellen Wert und weniger um den Marktwert gehen solle. Allerdings ist fraglich, ob ihr Weg der Ausweitung der Liste der national wertvollen Kulturg\u00fctern der richtige ist. Das hat ein nationalistisches Geschm\u00e4ckle. Wann kommt einem Kunstwerk nationale Bedeutung zu? Im \u00dcbrigen ist zu erwarten, dass der Entwurf im weiteren Gesetzgebungsverfahren noch die ein oder andere \u00c4nderung erfahren wird.<\/p>\n<p>aus: <a href=\"http:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/985046.mit-geschmaeckle.html?sstr=Speckmann\">neues Deutschland<\/a>, 19.09.2015<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber das neu Kulturgutschutzgesetz Sie sparten nicht mit scharfen Worten: Von \u00bbkalter Enteignung\u00ab, \u00bbeiner Guillotine des deutschen Kunsthandels\u00ab war vonseiten der Kunsth\u00e4ndler, Galeristen und Sammler die Rede, als Mitte Juli ein unautorisierter erster Entwurf zur Novellierung des seit 1955 geltenden &hellip; <a href=\"https:\/\/guidospeckmann.de\/?p=934\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"kia_subtitle":"Kulturgutschutzgesetz","footnotes":""},"categories":[116],"tags":[133],"class_list":["post-934","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kultur","tag-kulturgutschutzgesetz"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/guidospeckmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/934","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/guidospeckmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/guidospeckmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/guidospeckmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/guidospeckmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=934"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/guidospeckmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/934\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":973,"href":"https:\/\/guidospeckmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/934\/revisions\/973"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/guidospeckmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=934"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/guidospeckmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=934"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/guidospeckmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=934"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}