{"id":936,"date":"2015-09-21T20:52:50","date_gmt":"2015-09-21T18:52:50","guid":{"rendered":"http:\/\/guidospeckmann.de\/?p=936"},"modified":"2015-11-19T21:37:07","modified_gmt":"2015-11-19T20:37:07","slug":"fetisch-vinyl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidospeckmann.de\/?p=936","title":{"rendered":"Fetisch Vinyl"},"content":{"rendered":"<h2>Ein Buch \u00fcber Hamburger Schallplattenl\u00e4den<\/h2>\n<p>Bei der Lekt\u00fcre dieses au\u00dfergew\u00f6hnlichen, mit vielen sch\u00f6nen Fotos ausgestatteten Buches wird man etwas wehm\u00fctig. Die Welt des von Musik besessenen Schallplattenliebhabers ist bedroht. Durch das Internet, durch Spotify und Soundcloud ist Musik grenzenlos verf\u00fcgbar geworden. Wer will noch 20 Euro f\u00fcr eine LP ausgeben, wenn alles f\u00fcr lau oder per Flatrate verf\u00fcgbar ist?<!--more--><\/p>\n<p>Zwar steigt, ausgehend von einem sehr geringen Niveau, in den letzten Jahren der Umsatz von Musik auf Vinyl wieder leicht an. Dass die schwarze Scheibe in den letzten 30 Jahren aber nicht von der Bildfl\u00e4che verschwand, ist Musikgenres zu verdanken, die dem Vinyl bis heute die Stange halten: Techno und Hip-Hop. Und den \u00bbVerr\u00fcckten\u00ab, den Nerds, die in dem Buch \u00bbRecorded\u00ab exemplarisch f\u00fcr die Stadt Hamburg portr\u00e4tiert werden. Musikbegeisterte, die trotz mieser Gesch\u00e4ftsaussichten ihrer Leidenschaft fr\u00f6nen: dem Handel mit Schallplatten. Viele m\u00fcssen sich etwas dazuverdienen, weil das Geld nicht reicht. Ein Verk\u00e4ufer ist Lastwagenfahrer, andere verkaufen auch Mode, B\u00fccher, Elektronik oder Tr\u00f6del.<\/p>\n<p>Die Portr\u00e4ts der Plattenl\u00e4den und ihrer Besitzer folgen einem \u00e4hnlichem Aufbau. Einem gro\u00dfen Portr\u00e4tfoto folgen mehrere Detailaufnahmen der L\u00e4den. Die Texte sind aus Interviews mit festen Fragen entstanden. Das hat den Vorteil, dass der Leser von jedem Plattenh\u00e4ndler erf\u00e4hrt, wie dessen Liebe zur Musik entstand, welche seine erste Schallplatte war und wie er die Zukunft der Vinyl-Platte einsch\u00e4tzt. Manche sind sich sicher, dass es die Schallplatte auch in Zukunft geben wird, weil es immer Leute geben wird, die Vinyl sammeln und kaufen. Warum? Weil Vinyl ein Fetisch sei, ein Kunstprodukt mit einem Wert, an den die CD oder MP3 niemals herankommen werde, in Verbindung mit dem Cover sei die Schallplatte einem Kunstdruck vergleichbar, meint einer. Ein weiterer prognostiziert, dass Plattenl\u00e4den in f\u00fcnf Jahren Antiquariaten gleichen werden. Andere hoffen, dass die momentane Wiederentdeckung der Schallplatte nur der Anfang ist. Deutlich wird, dass ausschlie\u00dflich hoch spezialisierte L\u00e4den mit gro\u00dfem Second Hand-Angebot und Verbindungen zu unabh\u00e4ngigen Vertriebsstrukturen Zukunftschancen haben werden.<\/p>\n<p>Dem Leser begegnen in dem Buch viele skurrile Typen. Am skurrilsten ist Ditterich von Euler-Donnersperg, b\u00fcrgerlich Uli Rehberg, der Betreiber von \u00bbUnterm Durchschnitt\u00ab. \u00dcbrigens der einzige Laden, der es in das Buch geschafft hat, obwohl es ihn l\u00e4ngst nicht mehr gibt. \u00bbUnterm Durchschnitt\u00ab wird von den Portr\u00e4tierten immer wieder als Vorbild genannt. Und am Ende des Buches bekommt man endlich einen Eindruck von diesem legend\u00e4ren Laden. Nur folgende Stichworte seien hier verraten: Nazi-U-Boot-Lampen, Kuttelsuppe und die Liedertafel Margot Honecker.<\/p>\n<p><em>N. Christitch &amp; K. Vierkant, \u00bbRecorded\u00ab, Live in Hamburgs Plattenl\u00e4den, Junius-Verlag, 236 S., 29,90 \u20ac<\/em><\/p>\n<p>aus: <a href=\"http:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/985112.fetisch-vinyl.html?sstr=Speckmann\">neues Deutschland<\/a>, 21.09.2015<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Buch \u00fcber Hamburger Schallplattenl\u00e4den Bei der Lekt\u00fcre dieses au\u00dfergew\u00f6hnlichen, mit vielen sch\u00f6nen Fotos ausgestatteten Buches wird man etwas wehm\u00fctig. Die Welt des von Musik besessenen Schallplattenliebhabers ist bedroht. 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