Ohne grünes Mäntelchen

Siemens will weiter Geld mit dem Kohleabbau in Australien machen

Offenbar hat Joe Kaeser, Vorstandsvorsitzender von Siemens, wirklich gedacht, mit einem unmoralischen Angebot an Luisa Neubauer die Kritik am Geschäftsgebaren seines Konzerns zu entkräften. Doch das deutsche Gesicht von Fridays for Future lehnte es ab, einen führenden Posten bei Siemens Energy zu übernehmen. Das war Kaesers erste Fehleinschätzung. Weiterlesen

Wieder Strümpfe stopfen?

Der Technikhistoriker Wolfgang König macht sich Gedanken, wie man die Wegwerfgesellschaft überwinden kann

»Ich will nicht, dass du in diesem Haus Strümpfe flickst! Wirf sie weg!« Mit diesen Worten herrscht Willy Loman, Hauptfigur in Arthur Millers Roman »Tod eines Handlungsreisenden«, seine Frau an. Die Aufforderung, Alltagsgegenstände nicht zu flicken, sondern neu zu kaufen, wurde in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in den industrialisierten Staaten zu einem Kennzeichen der Mittelschicht. Der Imperativ zum Wegwerfen hat freilich die Folge, dass immer mehr Müll entsteht. Weiterlesen

Kurdisches Guernica

Das Schwarz sticht ins Auge: Paolo Pellegrins Kriegsfotografien in den Hamburger Deichtorhallen

Das Genre der Kriegsfotografie kann man eng und weit fassen. Der italienische Fotograf Paolo Pellegrin fasst es weit. Nicht nur Panzer, Zerstörungen und Flüchtlinge sind auf den Fotos der Hamburger Schau »Un’ Antologia« zu sehen, sondern auch Bilder vom Krieg gegen die Natur und vom Krieg der Reichen gegen die arme Klasse, der sich oft als »Rassen«-Krieg maskiert. Weiterlesen

Sekt hat das Sagen

Jörg Fausers Kolumnen für das Berliner Stadtmagazin «Tip» sind politisch nicht leicht einzuordnen

War Jörg Fauser ein Rechter, ein Vordenker der AfD? Er gilt doch gemeinhin als Rebell des Literaturbetriebs, als Kneipenliterat mit sympathisierendem Blick auf die Underdogs oder als Vorläufer der Pop-Literatur. Aber nicht als Rechter.

Und doch wird genau diese Frage im Nachwort des Bandes «Caliban Berlin. Kolumnen 1980 – 84» aufgeworfen. Der Band ist Teil der Fauser-Werkausgabe, die der Diogenes-Verlag neu herausgibt. Er versammelt die Kolumnen, die Fauser unter dem Pseudonym «Caliban» für das Berliner Stadtmagazin «Tip» verfasste. Im Nachwort fragt der Fauser-Biograf Ambros Waibel: «Wäre Fauser heute vielleicht eine Art Matthias Matussek?» Weiterlesen

Schweigt von Flugscham und Veggieday!

Es mutet seltsam an: Die mediale Aufmerksamkeit für die Treibhausgasemissionen des Luftverkehrs steht im Gegensatz zu seinem prozentualen Anteil an den Gesamtemissionen. Beim Autoverkehr oder Fleischkonsum ist es ähnlich. Für den Löwenanteil der Emissionen ist vielmehr die Industrie verantwortlich, genau genommen die Energiewirtschaft, das fossile Kapital. Warum wird deren Anteil kaum thematisiert? Weiterlesen

Druck weicht nicht

Roboter verändern alles. Und selbstredend sind Jobs in Gefahr. Ein Sammelband untersucht den Mythos

Wuppertal, März 1978: Die IG Druck und Papier streikt. Ein Modellschreiner fragt einen Streikposten, was die Druckarbeiter gegen die Einführung neuer Technologien hätten. Die Antwort: „Stellen Sie sich vor, ein neues Werkstück wird gebraucht und die frechen rechnergesteuerten Systeme sind auch in Ihrem Bereich vorhanden. Sie nehmen dann nur noch das Holz, den Leim und die Zeichnung des Modellstücks, geben das in den Computer, das fertige Stück kommt heraus.“ Der Schreiner ist geschockt: „Um Gottes willen, so geht das doch nicht!“ – und spendet fünf Mark für die Streikkasse. Weiterlesen

Allemal Pillepalle

Keine der Bundestagsparteien denkt über die notwendige Klimapolitik nach

Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) forderte Anfang September das Ende der großen Koalition, sofern sich CDU/CSU und SPD nicht auf ein ambitioniertes Klimapaket verständigen würden. Eine Woche später nimmt das Klimapaket Formen an. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) plant unter anderem, auf deutschen Straßen bis 2030 sieben Millionen E-Autos rollen zu lassen sowie Radwege und Schienennetze auszubauen. Weiterlesen

Zeit für eine neue Kritik am Bruttoinlandsprodukt

Sind wir schon wieder in der Krise? Wer Mitte August die Tagesschau guckte, sah und hörte Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD), wie dieser von Kurzarbeit und Weiterbildung sprach. Gerade die Kurzarbeit sollte gestärkt werden, um für die nächste Krise gewappnet zu sein. Man erinnere sich: Mit der Kurzarbeit, so eine gerne verbreitete Ansicht, gelang es Deutschland, den massiven Wirtschaftseinbruch infolge der Finanzkrise von 2008 abzufedern. Tatsächlich dürfte die rasch wieder steigende Nachfrage ein weitaus bedeutsamerer Faktor gewesen sein. Weiterlesen

Was droht durch Facebooks Libra?

In dieser Sache neigt man fast dazu, einer Meinung mit Donald Trump zu sein: Wenn Facebook vorhat, mit seiner Währung Libra de facto zu einer Bank zu werden, müsste diese sich der Bankenregulierung unterwerfen, sagte der US-Präsident, als Facebook seine Pläne zur Einführung einer eigenen Währung vorgestellt hatte. Weiterlesen

Liegt unter dem Beton Utopie?

In Hamburg will eine Ausstellung die Geschichte der Neuen Heimat neu bewerten

Mit glücklichen Gesichtern schaukeln Kinder in Gärten, springen in Schwimmbecken oder verausgaben sich beim Sport in der Turnhalle. Die Werbevideos des einst größten europäischen nichtstaatlichen Wohnungsbaukonzerns Neue Heimat transportieren die erfüllte Hoffnung auf ein besseres Leben in der von Wohnungsnot geprägten Nachkriegszeit der Bundesrepublik. Aber dafür ist die Neue Heimat nicht bekannt, in Erinnerung blieb ihr unrühmliches Ende. Das gewerkschaftseigene Unternehmen wurde abgewickelt, nachdem der »Spiegel« 1982 über Korruption, Veruntreuung und Bereicherung der Neue-Heimat-Manager berichtet hatte. Weiterlesen