Intensives Atmen vermeiden

Gerhard Henschels achter Martin-Schlosser-Roman ist erschienen

In meinem Briefkasten gammelte nur Reklame für Grillfleisch, Planschbecken und elektrische Zahnbürsten herum.« Martin Schlosser, Gerhard Henschels Alter Ego, hatte jedoch auf den einen oder anderen Honorarscheck gehofft. »Erfolgsroman«, der Titel von Henschels neuem autobiografischem Roman, wirkt zunächst irritierend. Weiterlesen

Erledigen die Roboter bald unsere Arbeit?

Die Ausstellung »Out of Office« im Hamburger Museum der Arbeit

Noch mal Glück gehabt: Die Wahrscheinlichkeit, dass in Zukunft ein Roboter durch die hier zu besprechende Ausstellung stampft und eine Ausstellungsbesprechung schreibt, ist nicht hoch. Nur 20 Prozent der journalistischen Tätigkeiten können durch einen Roboter ersetzt werden. Bei anderen Berufen sieht es düsterer aus. Kassiererinnen können schon heute durch Computer wegrationalisiert werden, bei Bankangestellten ist es nur wenig besser. Weiterlesen

In der Hand von Investoren

Die Ausstellung »Schöner wohnen in Altona« wagt auch einen flüchtigen Blick auf Eigentumsverhältnisse

»Besser hätten wir nicht untergebracht werden können, mit eigenem Bad und Blick auf Kuhwiesen,« sagt ein Rentner, der seit Jahrzehnten in der Plattenbau-Großsiedlung Osdorfer Born im Hamburger Bezirk Altona lebt. Und seine Frau ergänzt: »Die Leute, die sagen, der Osdorfer Born sei hässlich, die kommen ja nicht von hier. Die wohnen ganz weit weg.« Weiterlesen

Wer oder was ist Blackrock?

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschland-Tochter von Blackrock, Friedrich Merz, sagte, als er seine Kandidatur für den CDU-Vorsitz verkündete: Blackrock verwalte treuhänderisch Einlagen von Hunderttausenden privaten Kunden. Sein Parteikollege Christian Freiherr von Stetten machte daraus im Interview mit dem Deutschlandfunk: »Blackrock ist ein Vermögensverwalter, das heißt, Hunderttausende von Arbeitnehmern haben diesem Konzern ihr Vermögen gegeben, um anschließend, wenn sie in Rente gehen, auch ein gutes Auskommen zu haben.« Weiterlesen

Rendite vom Staat

Das Hamburger Lichthof Theater klärt unterhaltsam auf, wie Cum-Ex-Steuerdeals funktionieren

Theater darf das, eine Aussage nehmen, aufgreifen, weiterführen. Auf dass das Geschehen in anderem Licht erscheint – und dadurch verständlich wird. Mitte Oktober machten neue Enthüllungen zu den sogenannten Cum-Ex- und Cum-Cum-Steuerdeals Schlagzeilen. Cum was? Wer an eine bestimmte englische Bedeutung des Wortes denkt, liegt falsch. Aber obszön kann man es dennoch nennen. Weiterlesen

Traurige Alpen

Veronika Bohrn Mena beleuchtet prekäre Arbeit in Österreich, wo die Deregulierung erst jetzt richtig Fahrt aufnimmt

Der Wecker klingelt um 3.30 Uhr. Eine halbe Stunde später bricht Ercan mit seinem kleinen Transporter zur Arbeit auf. Eine Stunde benötigt er für den Weg. Um 5 Uhr ist Dienstbeginn in einer stinkenden und unbeheizten Lagerhalle. Auf einem Förderband fahren unzählige Pakete wie in einem Flughafen entlang.

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»Jedem seine eigene Scheiße«

Adam Toozes Buch »Crashed« wirft ein anderes Licht auf die Krisenfolgen von 2008

Als Angela Merkel Ende Oktober ihren Verzicht auf weitere Kandidaturen für den CDU-Vorsitz sowie das Kanzleramt bekannt gab, hoben linksliberale Kommentatoren ihre Verdienste um Europa hervor. Natürlich: Die Vergleichsfolien sind Orban, Kurz oder die rechtskonservative PiS-Regierung in Polen. Aber man sollte sich in Erinnerung rufen, dass Merkels Agieren infolge der Finanzkrise von 2008 und der sogenannten Eurokrise keineswegs eines Lobes würdig ist. Weiterlesen

Währungskrisen in Schwellenländern

»Sie haben ihren Dollar, wir haben unseren Gott.« Was der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan zur Bekämpfung des Absturzes der türkischen Lira anzubieten hat, wird den Vermögensverwaltern kaum mehr als ein müdes Lächeln abringen. Nicht viel besser sieht es bei einem Präsidenten aus, dessen Land Argentinien ebenfalls mit einem drastischen Wertverlust seiner Währung konfrontiert ist. Mauricio Marcri schwor seine Mitbürger_innen mit den Worten »Dies muss die letzte Krise sein« auf einen neuen Sparkurs ein. Weiterlesen

Finanzkapitalistische Spielanordnung

Der Wiener Ökonom Stephan Schulmeister rechnet in seinem neuen Buch mit dem neoliberalen Mainstream ab

Ökonomen seien überdurchschnittlich egoistisch. Das schreibt Stephan Schulmeister mit Verweis auf Studien, die Haltungen und Verhalten von Ökonomen mit jenen anderer Gruppen verglichen haben. Der pensionierte langjährige Mitarbeiter des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung meint hiermit freilich nicht sich oder andere kritische Ökonomen, sondern neoliberale Wirtschaftswissenschaftler. Für diese sei der Markt zu einem Subjekt geworden, dem sich der Mensch zu unterwerfen habe. Anteilnahme für das Schicksal der Menschen bringe die Mainstream-Ökonomie nicht auf. Weiterlesen

Das Bürgertum verroht

Schon vor Chemnitz gab es die Debatte, ob wie uns in Deutschland in einer «präfaschistischen Phase» befinden

Was wir hier sehen, ist das Gesicht des Faschismus und durch Nichts zu rechtfertigen«, twitterte der sächsische Grüne Jürgen Kasek am Montag anlässlich der Hetzjagden auf Migranten, Journalisten und Antifaschisten in Chemnitz. Und er ergänzte: »Angesichts der vielen Neonazis und Hitlergrüße soll bitte heute keiner davon sprechen, dass es hier besorgte Bürger wären. Es sind Nazis.« Weiterlesen