Suspekte Lehre

Praxisfern, weltfremd, doktrinär: Studenten der Volkswirtschaft sind unzufrieden mit ihrem Fach

Marktliberal, ganz auf die Karriere hin orientiert und schon in jungen Jahren der FDP nahestehend – wer ein solches Bild von Studierenden der Wirtschaftswissenschaften hat, sollte es wohl hinterfragen. Zumindest legt das eine jüngst publizierte Studie nahe. Demnach ist dastypische Erstsemester der Volkswirtschaftslehre (VWL) gemäßigt links, idealistisch und altruistisch. Zu diesem Resultat kommen Eva Schweitzer-Krah und Tim Engartner, die beide in Frankfurt am Main Sozialwissenschaften lehren; Engartner schreibt als Autor unter anderem für den Freitag. Weiterlesen

Hollande und Macron töteten seinen Vater

Édouard Louis ruft in seinem neuen Buch die strukturelle Gewalt der Klassengesellschaft in Erinnerung

Es sind Sätze, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassen: »Jacques Chirac und Xavier Bertrand machten deinen Darm kaputt«, »Nicolas Sarkozy und Martin Hirsch haben dir das Rückgrat gebrochen« und »Hollande und El Khomri haben dir die Luft genommen«. Und selbstverständlich bekommt auch der aktuelle französische Präsident sein Fett weg: »Emmanuel Macron stiehlt dir das Essen direkt vom Teller.« Weiterlesen

Die tägliche Qual der Enge

In Hamburg wird die erste große Retrospektive des Fotografen Michael Wolf gezeigt

Die Enge der globalen Megastädte – besser als im Werk des deutsch-amerikanischen Fotografen Michael Wolf kann sie nicht veranschaulicht werden. Am eindrücklichsten geschieht das in seiner Serie »Tokyo Compression«. Die Fotografien zeigen an die Scheiben von U-Bahnen gepresste Gesichter von Pendlern in Tokio. In der Rushhour ist es in den Wagen so eng, dass Kondenswasser die Scheiben hinabläuft. Der Gesichtsausdruck der eingezwängten Menschen ist resigniert, erschöpft, manche haben die Augen geschlossen, als ob sich so die tägliche Höllenfahrt leichter ertragen ließe. Weiterlesen

Aus dem Tritt geraten

Andreas Lehmann: Über Tage. Roman. Karl-Rauch-Verlag, Düsseldorf 2018. 174 Seiten, 20 EUR.

Joscha Farnbach, Angestellter in einer Druckerei, weiß auf die Frage seiner Kollegin, was er am Wochenende mache, nur zu antworten: »Ausruhen, denke ich.« Symptomatisch für das »wie immer« dahinfließende Leben zwischen Lieferscheinen, Kantinenessen und dem freudlosen Zusammensein mit seiner Freundin. Aus dem Tritt gerät sein Leben, als Farnbach von seinem Chef aufgefordert wird, nach Augsburg zu reisen, um einen unzuverlässigen Lieferanten persönlich zur Räson zu bringen. Weiterlesen

Mein Freund Paro

Das Hamburger Museum der Arbeit stellt vor, wie Digitalisierung, Roboter und künstliche Intelligenz unsere Arbeit erledigen. Die Zukunft wird auch lustig.

Machen Sie den Test! Können Sie Bilder oder Musikstücke, die von künstlicher Intelligenz (KI) erschaffen wurden, von menschlichen Kunstwerken unterscheiden? Ich mache den Test – und bestehe ihn nicht. Aber das kann auch daran liegen, dass mir die musikwissenschaftliche Expertise fehlt, um einen Bach- von einem KI-Choral zu unterscheiden. Oder daran, dass die zu hörenden Mainstream-Pop-Stücke nichts für meine Ohren sind. Weiterlesen

Einmal getragen und weg

»68. Pop und Protest« im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe

Die 68er-Bewegung als Geburtshelferin der Wegwerfgesellschaft und als Vorreiterin der neoliberalen Ideologie des Individualismus? Das zumindest ist eine Frage, die ein anderes Licht auf die Chiffre »68« zu werfen vermag. Denn das 50. Jubiläum hat im Unterschied zum 40. kaum kontroverse Debatten ausgelöst. Während vor zehn Jahren Götz Aly mit seinen Thesen zur Parallelität von NS- und 68er-Bewegung die Schlagzeilen beherrschte, stand im Jahr 2018 ein eher pflichtschuldiges Erinnern an die Ereignisse vor 50 Jahren im Vordergrund. Weiterlesen

Was bringen Ökosteuern?

Die sozialen Unruhen in Frankreich diskreditieren nicht das Instrument der CO2-Bepreisung, sondern eine Art der Umsetzung«, ist sich Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer der NGO Germanwatch sicher. Auch andere Klimaschützer_innen zeigen sich besorgt, dass der Protest der Gelbwesten, der sich bekanntlich an der Ökosteuer auf Benzin und Diesel entzündete, ein richtiges Instrument zur Förderung der Verkehrswende in Verruf bringe. Doch stimmt das? Weiterlesen

Eine andere ökonomische Lehre ist möglich

Helge Peukert hat Wirtschafts-Lehrbücher analysiert. Und fast nur Marktkonformismus gefunden

Paul Samuelson hat eines der erfolgreichsten Lehrbücher der Wirtschaftswissenschaften verfasst – von ihm ist folgender Satz überliefert: „Solange ich volkswirtschaftliche Lehrbücher schreiben kann, kümmere ich mich nicht sehr darum, wer die Gesetze eines Landes schreibt oder die Staatsverträge ausarbeitet.“ Aber was steht eigentlich in diesen Lehrbüchern angehender Ökonomen und Ökonominnen? Hat die Krise vor zehn Jahren etwas an den Inhalten geändert? Systematisch untersucht hat das der Wirtschaftswissenschaftler Helge Peukert, ein Vorkämpfer für die „Pluralisierung“ seiner Disziplin. Weiterlesen

Intensives Atmen vermeiden

Gerhard Henschels achter Martin-Schlosser-Roman ist erschienen

In meinem Briefkasten gammelte nur Reklame für Grillfleisch, Planschbecken und elektrische Zahnbürsten herum.« Martin Schlosser, Gerhard Henschels Alter Ego, hatte jedoch auf den einen oder anderen Honorarscheck gehofft. »Erfolgsroman«, der Titel von Henschels neuem autobiografischem Roman, wirkt zunächst irritierend. Weiterlesen

Erledigen die Roboter bald unsere Arbeit?

Die Ausstellung »Out of Office« im Hamburger Museum der Arbeit

Noch mal Glück gehabt: Die Wahrscheinlichkeit, dass in Zukunft ein Roboter durch die hier zu besprechende Ausstellung stampft und eine Ausstellungsbesprechung schreibt, ist nicht hoch. Nur 20 Prozent der journalistischen Tätigkeiten können durch einen Roboter ersetzt werden. Bei anderen Berufen sieht es düsterer aus. Kassiererinnen können schon heute durch Computer wegrationalisiert werden, bei Bankangestellten ist es nur wenig besser. Weiterlesen